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Um 6.15 Uhr fängt es wieder an. Bip, Biep, Biip, Biiiep...
Wieder dieses nervtötende Geräusch des Weckers! In mieser Morgenlaune packe ich meine Sachen schnell zusammen und habe danach noch 10 Minuten Zeit mir in der Gemeinschaftsküche mein Müsli reinzuschaufeln. Kein Mensch ist so früh wach, wie ich. Ich sitze ganz alleine hier. Schnell spüle ich das Geschirr ab und werfe meine Schlüsselkarte in den Briefkasten der Rezeption. Bis zur Abfahrt meiner Straßenbahn an der rund 200 Meter entfernten Haltestelle habe ich noch 5 Minuten. In schnellen schritten laufe und schlittere ich über den gefrorenen Schneematsch und erreiche die Straßenbahn gerade noch rechtzeitig.
Als wir losfahren, frage ich eine Frau, wo ich denn hier die Tickets einlösen könne. Da wäre ich in den falschen Wagen eingestiegen. So ein Mist auch! Also steige ich an der Station schnell auf den vorderen Wagen um. Mit muffiger Morgenlaune verkauft mir die Fahrerin ein Ticket für 20 SEK. Je näher wir der Innenstadt kommen, desto geschäftiger werden die Straßen. Es ist kurz nach sieben und überall sieht man schon Leute auf dem Weg zur Arbeit. Viele Straßenbahnen flitzen durch die Straßen. In der Straßenbahn sitzen die typischen Pendler. Soll heißen: Man schweigt sich an und schaut bloß niemandem in die Augen. An Weichen muss die Fahrerin aussteigen. Sie greift sich eine Stange und läuft mitten auf die Straße, wo sie mithilfe der Stange die Weiche stellen muss. Eine doch recht alte und umständliche Methode, doch das System läuft. Pünktlich kommen wir am Hauptbahnhof an und ich mache mich auf den Weg zu meinem Gleis.

Ich steige in einen Hochmodernen Zug namens Linx 2000. Nach der Abfahrt frage ich den freundlichen Schaffner, ob ich denn keine Reservierung benötigen würde, da er davon gar nichts erwähnt. "Normalerweise wäre das schon üblich, aber heute mal nicht", sagt er mir. Das finde ich doch mal super! Da kann ich mit einem ganz normalen Interrail-Ticket in einem mindestens so tollen Zug, wie dem ICE fahren, und muss nicht einmal einen Aufpreis dafür bezahlen.
Leicht schwebt der Zug durch die hügelige Landschaft. Der Schnee wird auf dem Weg nach Süden immer spärlicher. Dafür kommt die Sonne heraus und alles sieht schon viel freundlicher als in Göteborg und Oslo aus. Der Schaffner kommt noch einmal mit ein paar Donuts auf einem Tablett vorbei. "Nein, ich möchte nichts", lasse ich ihn wissen.
Er weiß scheinbar, wie knapp ich bei Kasse bin: "Das wollte ich Sie auch gar nicht fragen. Möchten sie vielleicht im Internet surfen?"
Ich zögere und stelle die in Deutschland sicher als unverschämt geltende Frage: "Ähem, kostet das denn was?"
"Nein, soweit ich weiß, ist das kostenlos. Gehen Sie doch einfach mal in das Bistro, da können sie ruhig im Internet surfen."
Hmm, so ganz traue ich dem Braten nicht. Kostenlos in einem fahrenden Zug im Internet surfen? Will der mich denn auf den Arm nehmen? Doch dann stellt sich heraus, dass das wirklich funktioniert! An einem kleinen Laptop lässt man mich beliebig lange im Internet surfen. Ich schreibe E-Mails und sehe nach den neuesten Informationen. Ganz wie zu Hause. Und all das läuft über einen Satelliten, der von einer Antenne im Zug angefunkt wird. Ich bin fasziniert von dieser Technik. Das ganze Projekt läuft über die Firma Linx AB und ich werde zu beginn von einem netten Mitarbeiter Betreut, der mich auf Englisch in die Bedienungsweise des Laptops einweist. Er entschuldigt sich dafür, dass es eine deutsche Tastatur ist. Das würde den meisten noch Kopfzerbrechen bereiten und solle in Zukunft beseitigt werden.
Die Reise ist zu Ende und mein Bild von Skandinavien hat sich wieder um einiges gebessert. Es ist für mich einfach kein Urlaubsland für Radreisen. Für andere Menschen mag das anders aussehen, doch eine so entspannende und zugleich so erlebnisreiche Reise per Zug, wie hier in Schweden und Norwegen, hatte ich noch nie. Erst ging es in die Metropole Stockholm, danach musste ich mich in einem kleinen Dorf in Lappland per Ski zum weit entfernten Briefkasten kämpfen, bin dann zwei Tage später mit dem Auto an der norwegischen Küste unterwegs gewesen und zurück ging es über die Metropolen Oslo und Göteborg. Ganz zu schweigen von den netten Kontakten, die ich zu Menschen aus vielen verschiedenen Nationen hatte. Japaner, Russen, Spanier, Franzosen, Belgier, Nordamerikaner und natürlich Schweden und Norweger. Für mich ist das winterliche Skandinavien - besonders nördlich des Polarkreises - sicher eine weitere Reise wert.
Und vielleicht kaufe ich mir ja doch noch eine Skiausrüstung...
| Fahrplan heute |
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| Ab |
Uhrzeit |
An |
Uhrzeit |
| Göteborg Olivedalsg (Tram) |
07:07 |
Göteborg Centralstationen |
07:30 |
| Göteborg C |
07:40 |
Koebenhavn H |
11:04 |
| Koebenhavn H |
11:47 |
Hamburg Hbf (vespätet) |
ca. 17:00 |
| Hamburg Hbf |
17:41 |
Tornesch |
18:10 |
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