Dieses Vandrerhejm (Jugendherberge) ist wirklich international. Gestern lief der Check-in in Deutsch ab und heute sitzt eine nette Französin an der Rezeption. Sie gibt mir Tipps dazu, wie ich meine Zeit in Lillehammer am besten "totschlagen" kann, bis ich um 15 Uhr mit dem Zug weiterfahre. Ich entscheide mich für das Freilichtmuseum Maihaugen und lasse meinen nervigen Rucksack erst einmal im Vandrerhejm zurück. Durch die belebte Innenstadt geht es zum Museum. Irgendwie sagt mir dieser Name "Maihaugen" etwas - irgendwie spukt er in meinem Hinterkopf herum. Mir kommt es erst wieder in den Sinn, wie ich zwischen den alten Häusern stehe und mir alles so bekannt vorkommt. Jetzt erst wird mir klar, dass ich hier schon einmal im Sommer mit meinen Eltern gewesen bin! Doch im Winter bietet diese Fläche ein komplett anderes Bild. Ich bin fast alleine im Museum und habe alle Zeit mir alles in Ruhe anzusehen. So kann ich mich gemütlich in die auch im Winter geöffneten Teile der Häuser setzen und in aller Ruhe die Atmosphäre auf mich einwirken lassen...
Als sehr beeindruckend empfinde ich die im Museumsgebäude gelegene Ausstellung zur Geschichte Norwegens. Da sitze ich zum Beispiel ganz alleine im Filmsaal und lasse die "ersten" Jahrtausende Norwegens in einer multimedialen Diashow an mir vorbeiziehen. Es ist schon ein mulmiges Gefühl, wenn man so alleine durch die dunklen Gänge geht. Im Hintergrund spielt gruselige Musik und ich fühle mich gleich an einen der Horror-Filme erinnert, die in Museen spielen, in denen man die Wachsfiguren nicht von Menschen unterscheiden kann. Ich laufe ganz alleine durch das Museum. Erst starren einen düstere nordische Steinzeitmenschen an, dann nicht viel freundlicher wirkende Wikinger und im nächsten Moment geht man durch ein urtümliches Haus, wo die Menschen an der Pest verreckend daliegen. Immer wieder sind menschliche Laute von allen Seiten zu vernehmen. Babygeschrei, Stöhnen, das Hämmern von Werkzeugen... eine beeindruckend gruselige Atmosphäre, die man hier während der Hauptsaison nicht erleben kann. Ich jedenfalls kann mich überhaupt nicht einmal daran erinnern, jemals hier gewesen zu sein.
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