Tag 9: Die unheimliche Reise in die Vergangenheit und Gastfreundschaft in Oslo

Dieses Vandrerhejm (Jugendherberge) ist wirklich international. Gestern lief der Check-in in Deutsch ab und heute sitzt eine nette Französin an der Rezeption. Sie gibt mir Tipps dazu, wie ich meine Zeit in Lillehammer am besten "totschlagen" kann, bis ich um 15 Uhr mit dem Zug weiterfahre. Ich entscheide mich für das Freilichtmuseum Maihaugen und lasse meinen nervigen Rucksack erst einmal im Vandrerhejm zurück. Durch die belebte Innenstadt geht es zum Museum. Irgendwie sagt mir dieser Name "Maihaugen" etwas - irgendwie spukt er in meinem Hinterkopf herum. Mir kommt es erst wieder in den Sinn, wie ich zwischen den alten Häusern stehe und mir alles so bekannt vorkommt. Jetzt erst wird mir klar, dass ich hier schon einmal im Sommer mit meinen Eltern gewesen bin! Doch im Winter bietet diese Fläche ein komplett anderes Bild. Ich bin fast alleine im Museum und habe alle Zeit mir alles in Ruhe anzusehen. So kann ich mich gemütlich in die auch im Winter geöffneten Teile der Häuser setzen und in aller Ruhe die Atmosphäre auf mich einwirken lassen...

Dia-Show

Als sehr beeindruckend empfinde ich die im Museumsgebäude gelegene Ausstellung zur Geschichte Norwegens. Da sitze ich zum Beispiel ganz alleine im Filmsaal und lasse die "ersten" Jahrtausende Norwegens in einer multimedialen Diashow an mir vorbeiziehen. Es ist schon ein mulmiges Gefühl, wenn man so alleine durch die dunklen Gänge geht. Im Hintergrund spielt gruselige Musik und ich fühle mich gleich an einen der Horror-Filme erinnert, die in Museen spielen, in denen man die Wachsfiguren nicht von Menschen unterscheiden kann. Ich laufe ganz alleine durch das Museum. Erst starren einen düstere nordische Steinzeitmenschen an, dann nicht viel freundlicher wirkende Wikinger und im nächsten Moment geht man durch ein urtümliches Haus, wo die Menschen an der Pest verreckend daliegen. Immer wieder sind menschliche Laute von allen Seiten zu vernehmen. Babygeschrei, Stöhnen, das Hämmern von Werkzeugen... eine beeindruckend gruselige Atmosphäre, die man hier während der Hauptsaison nicht erleben kann. Ich jedenfalls kann mich überhaupt nicht einmal daran erinnern, jemals hier gewesen zu sein.
Leider vergeht die Zeit viel zu schnell und ich muss die Besichtigung abbrechen. Schnell gehe ich durch die Renaicance, den zweiten Weltkrieg und die Neuzeit, um am heutigen Tag noch rechtzeitig den Bahnhof zu erreichen.

Die Fahrt nach Oslo gestaltet sich nicht besonders abwechslungsreich. Die Landschaft ist schon den ganzen Tag lang hinter einem diesigen Schleier versteckt. In Oslo ist das Wetter nicht besser: Auf den Straßen liegen in Massen Schneematsch und Eis, die das Laufen zu einer Rutschpartie machen.
Doch ich habe ein ganz anderes Problem: Ich kann Tor Even nicht finden. Tor Even habe ich im Jahr 2000 bei einer Fährüberfahrt nach Oslo kennen gelernt. Er kam gerade von großer Radreise aus Osteuropa zurück, während ich mir gerade Norwegen mit dem Rad vornehmen wollte. Am Tag des Aufbruchs zur jetzigen Reise habe ich ihn noch schnell per E-Mail "angedroht", dass ich auf meiner Reise evtl. auch einen Zwischenstopp in Oslo machen werde.
In der Wartehalle des Hauptbahnhofs greife ich zum Telefon und versuche ihn auf seinem Handy zu erreichen. Immerhin! Ich komme sogar durch, und höre ihn irgendwas von "behind you" sagen. Keine zwei Sekunden später klopft mir jemand auf die Schulter. Na klar! Es ist Tor Even, der mich gerade an seinem Handy hat. So musste es ja sein! Zusammen fahren wir mit seinem Auto zu seiner Wohnung in der östlichen Innenstadt Oslos. Er lebt hier in einer nett eingerichteten Wohnung mit seinem "Boyfriend" zusammen. Ok, das soll mich jetzt nicht weiter stören. Viel wichtiger ist es, dass es ein grandioses Abendessen gibt und wir uns den ganzen Abend toll über Reisen, Politik und Gott und die Welt unterhalten...

Fahrplan heute
Ab Uhrzeit An Uhrzeit
Lillehammer 15:19 Oslo 17:34

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