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Tag 6: Narvik und Umgebung auf japanische Art
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Ich weiß noch immer nicht, wohin es jetzt weitergehen soll. Ich bin gedanklich schon drauf und dran, mir ein Busticket zum nächsten südlich gelegenen Bahnhof - nach Fauske - zu kaufen. Yuya möchte sich heute ein Auto mieten, um sich abends fern der Stadt die Polarlichter ansehen zu können. Er redet viel von Aurora Borealis und ist hauptsächlich deswegen hier nach Norwegen gekommen. Aus Japan hat er sich viele Informationsbroschüren zu über die Polarlichter mitgenommen, die ich zu entziffern versuche. Nachdem er die Polarlichter gesehen hat, soll es mit der Bahn weiter nach Italien und Spanien gehen - in Hamburg war er bereits.
Mir kommt die Idee, dass wir uns ja zusammen ein Auto mieten könnten und dann jeder nur die Hälfte zahlen muss. Er ist damit einverstanden und kurze Zeit später machen wir uns auf dem Weg zum nächsten Hertz-Autoverleih. Nach einigen Komplikationen haben wir dann endlich den Preis herausgefunden. Für das billigste Auto, einen Toyota Yaris, soll das 1000 NOK (140 Euro) pro Tag kosten! Das erscheint uns dann doch sehr teuer und wir verwerfen den Plan schweren Herzens. Yuya scheint dieser Gedanke aber noch einige Zeit lang im Kopf herumzuschwirren. Während wir durch das Einkaufszentrum gehen schlägt es mir vor, dass es doch auch reichen würde, wenn ich nur 200 NOK dazulegen würde. Ich nehme das Angebot an und etwa eine halbe Stunde später und nach dem Unterschreiben einen komplizierten Vertrages, sind wir Besitzer eines japanischen Kleinkraftwagens.
Bei der Abfahrt lässt mich Yuya beiläufig wissen, dass er eigentlich nur mit Automatik-Gangschaltung fahren kann, und diese hier auch auf der falschen Seite wäre. Und nach dem ersten Fast-Zusammenstoß mit einem anderen Auto erfahre ich dann auch von ihm, dass in Japan eigentlich Linksverkehr herrscht. Er empfiehlt mir ein wenig mit aufzupassen, dass er nicht plötzlich auf der falschen Seite fährt. Und daran muss ich ihn auf der ganzen Fahrt oft genug erinnern...
Vielleicht bliebe noch zu erwähnen, dass wir an einem Parkplatz im Schnee stecken bleiben und ich das Auto wieder raus schieben müssen, während Yuya das Pedal so weit durchdrückt, dass ein durchdrehendes Vorderrad schon anfängt zu stinken. Doch alles in allem sind es immer wieder sehr lustige Situationen. Nebenbei muss ich feststellen, dass Yuya (mal abgesehen von der Fotoausrüstung) gar nicht so "japanisch" ist. Er trinkt z.B. Milch und achtet höllisch darauf, dass er keine tot auf der Straße liegenden Tiere überfährt. Nach einer über 100 Kilometer langen Fahrt kehren wir wieder nach Narvik zurück und verbringen die Zeit bis zum Abend in der Herberge.
Bart ist inzwischen leider erfolglos von seiner Jobsuche zurückgekehrt. Er denkt noch gar nicht an die Rückkehr nach Belgien und möchte erst einmal so lange wie möglich hier bleiben.
Um 10 Uhr machen Yuya und ich uns auf den Weg zum eigentlichen "Ziel", den Polarlichtern. schon hier in der Stadt sind welche zu erkennen, und während wir am Fjord entlangfahren, leuchten sie in den schönsten Farben über uns. Yuya hat es dabei schwer, sich auf das Fahren zu konzentrieren. Wir fahren hoch in die Berge auf das Haugfjellet und suchen uns eine dunkle Stelle zum beobachten der Polarlichter. Doch gemütlich ist es hier oben auf dem Fjell ganz und gar nicht. Der stürmische Wind schneidet uns mit -20°C kalter Luft ins Gesicht.
Nach einem kurzen Aufenthalt fahren wir wieder zurück in Richtung Fjord und stoppen in einem Wald, wo es viel windstiller ist. Leider haben die Polarlichter inzwischen nachgelassen. Wir setzen uns nach einiger Zeit wieder ins Auto, um stärkere Polarlichter abzuwarten. So sitzen wir gut eine Stunde dick in unsere Jacken eingemollt im Auto und blicken auf die schwächer werdenden Lichter. Nach Mitternacht fahren wir ein wenig enttäuscht wieder zurück ins Tal.
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