Tag 10: Berg - Bayreuth

Der Blick aus dem Fenster verheißt nichts Gutes. Der Boden ist mit Schneematsch bedeckt und es fällt Graupel. Also setzen wir uns noch gemütlich in das Restaurant und futtern unser Frühstück. Es gibt in Massen Wurst und Fleisch. Kein Wunder - zur Herberge gehört eine Fleischerei. Ist wohl besser, wenn ich nichts davon, sage, dass ich Vegetarier bin...
Kurz nach der Abfahrt kommt dann auch wieder die Sonne raus und es geht zügig weiter nach Hof. Das Wetter heute ist durchwachsen. Immer wieder graupelt es, dann haben wir heftigen Gegenwind und im nächsten Moment scheint schon wieder die Sonne und man könnte glauben, wir hätten Frühling. April wäre wohl die passendere Beschreibung. Ab Hof folgen wir dann endlich wieder der Saale. Den schlimmsten Teil dieses Radweges haben wir hinter uns. Heute gibt es nur noch wenige Steigungen und wenn, dann sind sie nicht sonderlich stark. Dafür kann ich den Verlauf des Radweges nur noch selten mit meiner Karte in Einklang bringen und wir versuchen einen guten Mittelweg zwischen Ausschilderung und Karte zu finden. Auf höher gelegenen Landstraßen will uns der Wind wieder kaum Vorwärts kommen lassen und für eine Zeit lang blendet uns die Sonne dermaßen auf einer nassen Straße, dass wir nur wenig vom starken Verkehr sehen. Es gibt Höhen und Tiefen. An manchen Abschnitten kann man die Landschaft genießen, an anderen will man aufgrund der Schwierigkeit nur noch vorwärts kommen. Über die Mittagszeit beginnen mich meine Nackenschmerzen wieder zu plagen und ich weiß nicht, wie ich auf dem Rad sitzen soll. Vielleicht werde ich ja alt - aber ist das nicht ein wenig früh?
Es ist schön, dass Felix und ich fast die gleiche Durchschnittsgeschwindigkeit haben. So kann immer einer im Windschatten fahren. Bei Zell erreichen wir die Saalequelle, zu der wir aber nicht mehr ganz hinauf fahren. Der Weg ist wieder viel zu vereist und matschig um mit den dünnen Reifen unserer Treckingräder problemlos vorwärts zu kommen. Außerdem haben wir heute noch einiges an Strecke vor uns.


Nahe der Saalequelle

Auf der langen Abfahrt nach Gefrees ergreift uns die Kaltfront, von der gestern im Wetterbericht gesprochen wurde. Es wird unangenehm kalt und wir verziehen uns erst einmal in eine warme Supermarkt-Bäckerei, um dort etwas zu futtern. Von Gefrees geht es wieder steil bergauf. Wir möchten durch ein kleines Tal weiter, das abseits aller Hauptstraßen liegt und durch das es laut Karte, hoffen wir, nur an einem Bach entlang bergab gehen sollte. Hier bekommen wir erst die Ausläufer des Fichtelgebirges zu spüren, an dessen nördlichem Rand wir den ganzen Tag entlang gefahren sind. In einem kleinen Dorf namens Metzlersreuth wissen wir nicht mehr so recht weiter und ich frage einen Landwirt. Der zeigt auf einen kleinen Feldweg hinter seinem Hof. Das wäre die "Straße" zum nächsten Dorf im Tal. Hola! Eigentlich hatte ich mir von der Karte mehr versprochen, aber irgendwie geht es schon weiter. Und außerdem wäre es wohl nett, wieder zurück in die "Zivilisation" zu kommen, bevor es dunkel wird. Hier kann man die Landschaft wieder genießen. Das Tal liegt windgeschützt. Wir kommen an einem Gehege mit vielen Rehen und Hirschen vorbei. Am Ende führt die Straße mit heftigem Gefälle bergab und plötzlich finden wir uns im Zentrum des schönen Städtchens Bad Berneck wieder.


Einsames Tal

Von hier an geht es wieder über Hauptstraßen und gut ausgebaute Nebenstraßen weiter nach Bayreuth - das vorläufige Ziel dieser Reise. Ich weiß immer noch nicht, wie es danach weitergehen soll. Das Wetter auf dieser Tour ist doch recht ungemütlich und in Saalfeld ist mir der fixe Gedanke in den Kopf gekommen, dass ich doch einen Flug nach Tunesien für den Rest meines Urlaubes buchen könnte. Warum nicht? Genug Urlaubstage habe ich noch über und schaden kann so ein kleiner "Folgeurlaub" in der Sahara - der Wüste, die ich schon immer mal mit eigenen Augen sehen wollte - auch nicht.


Bayreuth

Vom Flughafen Bayreuths geht es dann endlich. Ab hier kennt sich Felix wieder gut aus und kann mich über Wege führen, die aus meiner Karte niemals ersichtlich gewesen wären. Wir folgen der Bahnlinie von Bindlach bis in die Innenstadt von Bayreuth. In Nähe vom Opernhaus reißt Felix sein Schutzblech aus und er muss es reparieren. Kaum sind wir stehen geblieben, kommt eine junge Frau auf uns zu und fragt uns ob wir eine Übernachtungsmöglichkeit suchen würden. Was?? Jetzt bin ich total baff! Felix hat mir die ganze Zeit davon erzählt, wie stur die Bayreuther und Franken im allgemeinen seien. Jetzt sind wir kaum in der Stadt und man will uns ohne gefragt zu werden helfen? Wir lehnen dankend ab und Felix widmet sich wieder seinem Schutzblech. Ich kann das immer noch nicht so ganz glauben und frage ihn, was das da eben war. Er erklärt dass damit, dass die "bestimmt nicht von hier kamen".

Dann haben wir es endlich geschafft! Wir haben die Wohnung von Felix erreicht, stellen unsere Räder in den Keller und nehmen das Gepäck ab. Der erste Teil meiner Reise ist somit praktisch zu Ende...

Heute gefahren:
87,91 km
Gesamt:
649,31 km


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