Tage 6-8: Dia-Festival in Saalfeld

Die drei Tage hier in Saalfeld kann ich nur als die schönsten dieser Reise beschreiben! Hier gibt es eine kurze Zusammenfassung der für mich wichtigen Ereignisse dieser Tage.

Freitag: Nachdem ich die wirklich sehr nette Zimmervermietung verlassen habe, mache ich mich sofort auf den Weg zu den Saalewiesen, die nur wenige hundert Meter von dem Haus entfernt liegen. Dort hat bereits ein Reiseradler aus Bonn (!) sein Zelt aufgebaut und wir kommen natürlich sofort ins Gespräch. Die Organisatoren bieten mir gleich einen Kaffee und Frühstück an. Was für ein Empfang. Und das, nachdem ich gerade erst bei Frau Barczus so viel gefrühstückt habe, dass kein Platz mehr in meinem Bauch ist.
Zusammen machen wir uns an den Aufbau der Jack Wolfskin-Zelte, in denen einige der Angereisten kostenlos übernachten dürfen, darunter auch ich. Ich hätte nie gedacht, dass der Aufbau eines solch sauteuren Zeltes so kompliziert sein könnte. Aber ich will ja nichts schlecht machen. Mittags mache ich mich mit dem Bonner auf den Weg zum Fotoseminar von Dieter Glogowski. Ich sage jetzt einfach mal Bonner, da ich grundsätzlich einsame Spitze im Vergessen von Namen bin. Man möge es mir verzeihen, wenn ich auch andere Teilnehmer des Camps an der Saale in den folgenden Sätzen als "Sebnitzer" oder "Aachener" bezeichne.
Das Fotoseminar ist sehr eindrucksvoll und, nun, wie soll ich es beschreiben... Wenn ich über das komplette Dia-Festival und meine Erfahrungen dort berichten wollte, dann würde dieser Text vermutlich viel zu umfangreich werden. Ich kann nur sagen, dass ich wirklich fasziniert bin von den Bildern, die gezeigt wurden, sowie den Erfahrungen von denen berichtet wurde. Für mich war der persönlich schönste Dia-Vortrag der von Axel Brümmer und Peter Glöckner über ihre Radreise nach Asien. Dass persönliche Vorlieben des Reisens bei der Wahl des schönsten Vortrages für mich eine Rolle gespielt haben, will ich ja gar nicht leugnen...

Heute treffe ich zum ersten Mal Felix, den ich genau wie Karsten von einem intensiven E-Mail-Kontakt kenne und mit dem ich mich zu diesem Dia-Festival verabredet habe. Er hat sein bepacktes Fahrrad in der Bahn von Bayreuth aus mitgenommen und mit ihm zusammen werde ich seine Heimreise und meine Weiterreise per Rad nach Bayreuth antreten. Aber erst genießen wir noch dieses tolle Wochenende in Saalfeld.

Und mit das Schönste am ganzen Dia-Festival ist wohl das Campinglager an der Saale. Dort haben sich am Abend bereits eine Menge Menschen eingefunden, unter anderem auch einige Reiseradler. Außer dem Bonner ist inzwischen auch "der Sebnitzer" mit seinem Trike angekommen - den Schäferhund hinten im Anhänger. Letztes Jahr hat er den Preis für die spektakulärste Anreise bekommen. Was ihm dieses Jahr leider nicht vergönnt sein wird, obwohl er letztes Mal gedroht hat: "Dann komme ich eben rückwärts!"


Gemütlicher Abend am Lagerfeuer

Samstag: Heute gab es grandiose Vorträge zu Südamerika, dem Himalaya und zu guter letzt auch den von der Asien-Radreise. Auf den Island-Vortrag habe ich zugunsten eines Vortrages von Geshe Lama Ngawang Jangchup verzichtet. Wie der Name schon sagt, ist er ein Lama aus dem indisch-tibetischen Himalaya. Es ist interessant, während seines Vortrages die Gesichter der Menschen zu beobachten. Im Grunde gibt es nichts Neues zu erfahren, außer, dass er buddhistische Weißheiten anhand von für Deutsche leichter verständlichen Beispielen erklärt. Dennoch ist auch mal ganz schön, auf einem solchen Vortrag persönlich dabei zu sein. Aus den von ihm genannten Beispielen heraus ergibt sich oft eine Situationskomik, die man in einem geschriebenen Text gar nicht richtig wiedergeben kann und dabei beginnt er immer herzlich zu lachen in einer Art, wie man es allgemeinhin vom Dalai Lama kennt.
Die Folge dieses Vortrages ist, dass am Abend die Gespräche im Campinglager immer wieder ins Philosophische abgleiten. Gar nicht so recht dazu passen will, dass im Hintergrund gerade mit großen Aufhebens das Nachtpaddeln auf der Saale stattfindet. Während Felix, Björn, einige andere und ich abseits stehen, können wir nur den Kopf über die sinnlosen Sprüche des am Ufer stehenden "Showmasters" schütteln. Praktisch zu jedem, der die Saale hinunterpaddelt, gibt es einen dummen Spruch. Durch diese Aktion ist die geschlossene Atmosphäre unter den Campern leider nicht dieselbe wir an den anderen Abenden. Es stolpern heute Abend so viele Leute zwischen den Zelten herum, dass man gar nicht mehr weiß, wer jetzt eigentlich dazugehört. Am nächsten Morgen erfahren wir, dass aus einem Zelt Ausrüstungsgegenstände im Wert von 1000 EUR gestohlen wurden, was nicht gerade schön ist.


Morgenstimmung

Interview mit dem Vater von Peter Glöckner

Sonntag: Es hat geschneit. Nachdem ich mir die kalten Schuhe angezogen habe und aus dem Zelt steige, erfahren Felix und ich, dass man heute im Clubheim auf dem Sportplatz nebenan duschen darf. Nix wie hin! Wir sind scheinbar spät dran. Der Platzwart will gerade wieder das Clubheim schließen und lässt uns nur murrend noch schnell duschen. Andererseits versteht er es auch, da wir nun schon etwas länger nicht mehr geduscht haben und vielleicht auch ein wenig riechen. Wer weiß...
Da könnte man fast meinen, ich hätte mich für den Reporter, der nach meinem Duschgang auf mich zukommt, extra fein gemacht. Er sei von der Lokalzeitung und möchte gerne ein Interview mit mir machen. Und warum ausgerechnet mit mir? Hier laufen doch noch genug andere Leute herum. Ich will erst einmal frühstücken gehen, sonst bin ich zu nichts fähig. Nach dem Frühstück ist er immer noch auf den Saalewiesen und fängt mich gleich zum Interview ab, dass ich ihm für nach dem Frühstück versprochen habe. Hmpf... ok, warum auch nicht. Auch wenn ich Reporter eigentlich nicht sonderlich leiden kann. Er fragt mich nach meiner Fahrtstrecke, Alter und diesen ganzen Firlefanz und erwähnt zum Schluss des Interviews, nachdem er die Fotos gemacht hat, beiläufig:
"Wow. Der am weitesten Angereiste..."
"Wie bitte?!?"
Und jetzt erfahre ich erst von ihm, dass ich der angeblich am weitesten angereiste Radfahrer hier sein soll. Deswegen auch das Interview. Und es kommt noch dicker...
Vor dem nächsten Vortrag verliest Axel Brümmer vor gut 2000 Leuten die Namen der am weitesten Angereisten. Vor mir kommen noch welche aus Namibia, Moskau und andere, von denen aber leider niemand anwesend ist und von denen scheinbar auch niemand mit dem Fahrrad angereist ist. Und die Leute auf seiner Liste aus Salzburg sind auch nicht da. Dann, meint er, würde es weniger spektakulär.
"Hamburg, hmm, das ist ja nicht so weit."
"Das nehme ich Dir übel!", werfe ich vorlaut ein.
Ups! Mist! Was habe ich mir dabei nur gedacht? Warum konnte ich nicht einfach still bleiben und meine Klappe halten? Und er hat es auch noch gehört und sieht mich ein wenig verdutzt an: "Wie jetzt? Wieso denn das?" Es ist nämlich so, dass zwei Leute aus Hamburg angereist sind. Da ist jemand mit dem Auto 500 Kilometer angereist und jemand mit dem Rad (ich), dafür aber nur 470 Kilometer. "Was machen wir denn da jetzt?" Das Publikum entscheidet sich ganz klar für den Radfahrer und sofort muss ich auf die Bühne. Hätte ich doch nur meine Klappe gehalten!
Und nun bekomme ich einen Gutschein für ein Luxus Wochenende im wohl besten Hotel Saalfelds verliehen - für zwei Personen mit Candle Light Dinner!
"Hast Du denn schon jemanden, an den Du da denkst?"
Ups! Ja, gute Frage! Jetzt wird das auch noch an eine Bedingung gekoppelt. Wird ja immer schöner! Und ich stehe hier immer noch vor 2000 Leuten. Ok. Ein Blick ins Publikum. Vielleicht lässt sich da ja was finden..., was alle mit offensichtlicher Erheiterung aufnehmen.
"Sie haben auch Wasserbetten", wirft Axel noch ein und fragt mich gleich danach: "Blond?"
Mann! Woher soll ich das denn jetzt hier wissen? Und außerdem stehe ich hier im Rampenlicht und das Publikum ist viel zu dunkel. Wie soll ich da jemand für ein Candle Light Dinner finden? Es ist ja echt interessant, vor was für Probleme man auf einer Radreise wie dieser gestellt werden kann!
Und da ich nur einen geringen Vorsprung von 5 Kilometern vor dem Radler aus Bonn hatte, werde ich noch dazu verdonnert, dass ich nächstes Jahr wieder mit dem Fahrrad kommen soll. Ok, kann ich machen. Axel weiß ja nicht, dass ich im nächsten Jahr in Paderborn wohnen werde, was eine ganze Ecke näher liegt.
Aber das praktisch an eine so gemeine Bedingung zu koppeln, dass ich in dieser Zeit eine Freundin finden soll, die diese Strecke mit dem Fahrrad zurücklegt, finde ich ja echt gemein...


Es hat geschneit...

...und gegen diese Kälte...

...konnte man diesen tollen Sari ersteigern!

Nun gut, soviel erst einmal zu diesem tollen Dia-Festival. Ich bin mit dem Schreiben am Ende und wusste gar nicht, wie ich diese drei Tage in Text umsetzen sollte...
...weiter geht es mit der Fahrradtour. Aber vorher hier noch ein Link:

www.Weltsichten.de
Hier gibt es noch einige weitere Informationen zum Dia-Festival. Unter anderem auch der Zeitungsartikel, in dem ich erwähnt werde und auf dem Video vom MDR ist sogar mein Zelt zu sehen!

Fr,Sa,So gefahren:
(?)10,00 km
Gesamt:
477,19 km


Vorheriger Tag | Übersicht | Nächster Tag