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Tag 4: Braunlage - Heldrungen
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Dank der vielen kleinen Plagegeister in Form von Schülern, die mit mir in der Jugendherberge übernachtet haben, gibt es wenigstens auch ein vernünftiges Buffet am Morgen. Zum Frühstück stopfe ich also in mich hinein, was Platz im Magen findet. Inzwischen hat es sich in der Herberge herumgesprochen, dass hier ein Radfahrer aus Schleswig-Holstein, Hamburg, woher auch immer, zumindest aus dem Norden sein soll. So bin ich vor der Abfahrt gleich von Schülern umringt, die mich begeistert und ungläubig zugleich ansehen. Die Lehrerin ist natürlich sauer, weil sie sich dafür vom vereinbarten Treffpunkt entfernt hatten.
Dann geht es endlich wieder weiter. Auf und ab geht es durch die Wälder des Harz zum ehemaligen Grenzdorf Hohegeiß. Von hier aus würde ich gerne dem alten Grenzweg folgen, doch der ist, wie auch alle Wanderwege, mit einer dicken Eisschicht bedeckt - was das Fahren unmöglich macht. Ich habe selbst Probleme wieder zurück zur asphaltierten Straße zu kommen. Also muss ich wohl doch weiter der Hauptstraße folgen.
Ehemaliger Todesstreifen
Hinter der Grenze beginnt die Straße dann stark abzufallen und in rasantem Tempo fahre ich hinab nach Thüringen. Nach ein paar Kilometern habe ich das Gefühl, als ob mir Zehen, Finger und Ohren vor Kälte abfallen könnten. Ich hole alles was wärmt aus meinen Taschen und ziehe es über. Zerfallende Fabriken beginnen langsam den Wegesrand zu säumen. Willkommen in Ostdeutschland...
Von Illfeld bis Rottleberode folge ich dem schönen Harzradweg und es wird glücklicherweise wärmer. Sogar die Sonne lässt sich für mehrere Minuten am Stück blicken. Den Harz habe ich nun hinter mir, nun folgt die wellige Mittelgebirgslandschaft Thüringens. Hinter Rottleberode komme ich auf seltsamen Wegen vom eigentlichen Radfernweg ab, fahre lange Zeit bergauf und weiß dann nicht so recht, wie es nun weitergehen soll. Von hier oben kann ich bereits den nächsten Ort sehen, den es zu erreichen gilt. So setzt sich unwillkürlich wieder mal mein Dickschädel durch. Nach dem Motto: Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Wissend, dass ich damit in Hinsicht auf schlechte Waldwege noch nie Erfolg gehabt habe, versuche ich mich trotzdem durchzuschlagen. Durch eine Apfelbaumplantage rolle ich immer bergab in Richtung Berga. Oft habe ich Probleme das Rad in der Balance zu halten und rutsche für kurze Momente auf dem schmierigen Untergrund weg. Doch tatsächlich! Der Weg mündet auf den Radfernweg, der mich durch Berga führen wird! Besonders schön ist der Abschnitt durch Berga selbst, da man dort auf kleinen Fußwegen abseits der Hauptstraßen zwischen Gärten und Wiesen fährt. Vor Berga muss ich mein Rad allerdings noch durch eine Baustelle schieben. Überall auf dem Radfernweg stehen Baufahrzeuge, und die Bauarbeiter sind gerade damit beschäftigt einen riesigen Brückenpfeiler für die kommende Autobahn (die das Tal hier überspannen soll) zu bauen.
Hinter Berga verläuft der Weg auf einem alten Bahndamm weiter. Über mehrere Eisenbahnbrücken geht es am riesigen Rückhaltebecken bei Kelbra vorbei. Danach beginnt ein langer Aufstieg auf den Kyffhäuser Höhenzug.
Kyffhäuser Landschaften
Von dort oben rolle ich durch kleine Dörfer in den Kyffhäuser Kreis weiter nach Rottleben. Ich bin noch sehr unentschlossen, ob ich diese Nacht im Freien verbringen soll oder lieber doch nicht. Die Gegend ist gut zum wild campieren, die Besiedelung hier ist nicht besonders dicht. Andererseits habe ich ein schlechtes Gefühl in meinem Inneren bei diesem Gedanken. Und auf dieses Gefühl konnte ich mich bis jetzt immer verlassen. Ich entschließe mich also die Jugendherberge im nur wenige Kilometer entfernten Bad Frankenhausen anzusteuern. Auf dem Weg dorthin weiche ich der Bundesstraße aus und finde mich wieder einmal auf einem total matschigen Weg wieder. Optisch ist der Weg ok, doch der Boden hat inzwischen derart viel Wasser aufgenommen, dass er durch und durch matschig ist. Meine Reifen graben sich mehrere Zentimeter in den weichen Boden ein und mehrmaliges Wegrutschen macht das Fortkommen nicht gerade einfacher.
Rutschpartie...
In Bad Frankenhausen gibt es sogar eine Touristeninformation. Und hier sehe ich, was ich davon habe, mich nach einer 4 Jahre alten Jugendherbergs-Deutschlandkarte zu richten. Die stark thüringisch sprechende Dame am Tresen lässt mich wissen, dass es die Jugendherberge nicht mehr gibt - schon seit einigen Jahren. Arrrg! Ok, aber es gibt eine Alternative, die sogar in erreichbarer Nähe liegt: Die Jugendherberge im etwa 15 Kilometer entfernten Heldrungen. Da es bereits dunkel wird, mache ich mich schnell auf den Weg dorthin.
Die Jugendherberge ist in der sogenannten Wasserburg mitten in Heldrungen. Eine sternförmige Burganlage, die ringsum von Wassergräben umgeben ist. Ich scheine wieder einmal zur falschen Zeit zu kommen. Mein Glück mit Jugendherbergen eben. In der Herberge ist niemand anzutreffen. Genauer: Ich komme nicht mal rein. Also versuche ich es im geöffneten Burgcafé. Das ist zwar geöffnet und überall ist das Licht an, doch ich finde schlicht und einfach niemanden. Ich mache mich auf die Suche. Tür um Tür arbeite ich mich durch die kleinen Gänge, Säle und die Küche vorwärts, bis ich endlich im Keller eine Frau antreffe, die dort gerade in Kartons wühlt. Etwas verdutzt ist sie offenbar, was ich hier mache. Und weiterhelfen kann sie mir leider auch kaum, da sie keinen Schlüssel für die Jugendherberge hat. Sie ruft ihren Chef an, der natürlich nicht zu Hause ist. Aber sein kleiner Sohn am anderen Ende der Leitung will sich der Botschaftsübermittlung annehmen. Na das kann ja heiter werden!
In der Zwischenzeit gehe ich erst einmal einkaufen und besuche wieder eine Dönerbude, wo ich mir alles auf den Döner draufhauen lasse, was essbar ist und nicht extra kostet. Das mit dem "Scharrf" war zwar keine so gute Idee, aber irgendwie bringt der Hunger dann doch alles runter. Als ich zurück in der Herberge bin, muss ich noch eine Weile im Burgcafé warten. Inzwischen sind auch zwei LKW-Fahrer aus dem Nirgendwo dazugestoßen und warten auf den Herbergsvater, der dann tatsächlich eine ganze Weile später auftaucht und uns die Herberge aufschließt. Für mich gibt's ein Einzelzimmer und direkt daneben befindet sich ein nobles Burgen-Wohnzimmer mit Fernseher.
| Heute gefahren: |
92,81 km |
| Gesamt: |
360,18 km |
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