Tag 3: Braunschweig-Dibbesdorf - Braunlage

Nachdem Karsten sich auf den Weg zur Arbeit gemacht hat und seine Mutter noch schnell meinen Hosenboden auf einer Größe von 5x5cm provisorisch geflickt hat, geht es wieder los. Nun, die Zeiten meiner Lieblingshose für Radreisen scheinen langsam vorbei zu sein. Sie ist am Hintern so stark durchgescheuert, dass man durchschauen kann.
Die geschäftige Innenstadt von Braunschweig habe ich schnell hinter mich gebracht. In irgendeinem Park lege ich fast eine Bruchlandung in einer Pfütze hin. Unter dem Wasser war Eis und bei meinem abrupten Manöver zur Wiedererlangung der Kontrolle wird alles nassgespritzt. Ab jetzt nehme ich mir vor, bei Pfützen im Winter lieber etwas mehr aufzupassen. Das Eis unter dem Wasser bemerkt man meistens erst wenn es schon zu spät ist.
Immer gegen den Wind geht es immer weiter nach Süden. Den größten Teil der Strecke fahre ich auf der B4, die hier durch die parallel verlaufende Autobahn stark entlastet wird. Ab Schladen wechsle ich auf eine kleine Landstraße, die mich für ein paar Kilometer durch den "Osten" führt, bevor sie wieder im "Westen" weitergeht. Der starke Wind lässt mir wieder keine Ruhe und obendrein beginnt ab einem Dörfchen namens Lochtum der Anstieg in den Harz. In Bad Harzburg geht es mehrfach bergauf und bergab, bis ich endlich hinter Brücken und Treppen die Touristeninformation gefunden habe. Hier frage ich nach dem besten Weg durch den Harz via Braunlage - dem besten Weg für einen bepackten Radfahrer.


Wasserfall im Harz

Ich befürchte schon, dass man mich in Unkenntnis der Situation wieder auf eine total ungeeignete Strecke durch Matsch und tiefste Wälder schickt. Es kommt ganz anders. Die Dame in der Touristeninformation besteht darauf, dass ich die vierspurige B4 fahren soll.
"Was anderes können Sie jetzt im Winter gar nicht erst versuchen. Da oben liegen noch viel zu viele Schneereste."
Dass man mir ausgerechnet die B4 empfiehlt, habe ich nun gar nicht erwartet. Doch was habe ich eigentlich erwartet? Wenn dort oben wirklich so viel Schnee liegt, bleibt mir wohl gar nichts anderes über. Also besteige ich wiederwillig den Sattel und setze die Fahrt fort.


Erster Schnee

Teilweise im ersten Gang krieche ich die 12% steile Straße aufwärts. Je weiter ich fahre, desto näher komme ich den Wolken und umso feuchter wird es. Kaltfeucht. Treten, treten, treten...
Auf rund 800 Höhenmetern erreiche ich schließlich Torfhaus. Hier oben sehe ich das erste Mal auf dieser Reise Schnee - wenn auch in sehr eisiger (und verdammt rutschiger!) Form. Nach einem kurzen Aufenthalt dort oben fahre ich weiter. Anfangs waren sich die Straßenbauer wohl nicht einig, ob es nun bergauf oder bergab gehen soll. Eine richtige Abfahrt gibt es lange Zeit gar nicht.


Der Harz - Nass und kalt

Letztendlich kommt dann aber doch eine starke Abfahrt nach Braunlage, das ich in der Dämmerung erreichen werde. Bei der Abfahrt ist es ekelhaft kalt. Hier oben möchte ich nur sehr ungern campen. Also mache ich mich auf den Weg zur örtlichen Jugendherberge, die selbstverständlich am scheinbar höchsten Punkt der Stadt liegt.
Jetzt bin ich so ausgelaugt, dass ich erst einmal etwas Essen werde. Dem Besitzer der Dönerbude antworte ich auf seine Frage nach Knoblauch und scharfen Gewürzen nur: "Tu einfach alles drauf, was man essen kann..."

Heute gefahren:
88,62 km
Gesamt:
267,37 km


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