Tag 2: Hösseringen - Braunschweig-Dibbesdorf

Wie sollte es auch anders kommen? Da campt man schon einmal wild und schon fängt es nachts an zu regnen. Am Morgen regnet es zum Glück nur noch selten. Es ist eisig kalt und ich wärme mich mit einem ganzen Liter warmer Milch mit Schokomüsli auf. Danach quäle ich mich wieder über einen sumpfigen Waldweg vorwärts. Die parallel zum holprigen Waldweg verlaufende Fahrradspur ist abermals durch umgeknickte Bäume versperrt. Allmählich habe ich die Schnauze voll davon schon wieder ausweichen zu müssen. Ich steige vom Rad und schmeiße die kleineren Bäume an den Wegesrand. Irgendein Idiot muss es ja machen. Schließlich treffe ich auf Breitenhees, ein kleines typisches "Bundesstraßenkaff" mitten im Wald mit einer Tankstelle drei Häusern und mehr nicht.


Nachtquartier

Mir reicht es ständig diesen schlechten Radweg fahren zu müssen und ich entschließe mich von nun an der stark befahrenen B4 zu folgen. Welch eine Wohltat! Trotz der vielen LKWs. Endlich geht es wieder richtig vorwärts.
Vor Gifhorn telefoniere ich noch schnell mir Karsten in Braunschweig, um einen Treffpunkt zu vereinbaren. Karsten kenne ich seit Jahren aus dem Internet, bis jetzt haben wir uns allerdings noch nie persönlich gesehen. Er hat mir freundlicherweise angeboten bei ihm in Dibbesdorf bei Braunschweig zu übernachten. Doch bevor wir uns treffen muss ich noch die ewig lange schnurgerade B4 bewältigen. Der Wind stellt dabei wieder einmal das größte Problem dar.
In Gifhorn rüste ich noch schnell mein Fahrrad auf. Ich brauche dringend einen Adapter von Autoventil zu Fahrradventil, da ich sonst nirgends fern aller Tankstellen meinen Reifen aufpumpen könnte. Außerdem wird ein Satz neuer Bremsklötze für meine Hydraulikbremse gekauft, da diese sich im Winter sehr schnell abnutzt. Hinzu kommen Überzüge für die Lenkerhörnchen, die ich sonst bei den kalten Temperaturen kaum anfassen mag. Und zu guter letzt noch ein Rückspiegel, um mir die weitere Fahrt auf Bundesstraßen zu erleichtern. Die LKWs auf der B4 haben mich einiges an Respekt gelehrt.

Über Umwege fahre ich aus Gifhorn heraus und erreiche schließlich den südöstlich gelegenen Tankumsee, wo ich mich mit Karsten treffen will. Ich finde ihn schließlich hoch oben auf einer Brücke, die den Elbe-Seitenkanal über eine Straße spannt. Dieser Kanal verläuft hier hoch über der ihn umgebenden Landschaft. Karsten und ich erkennen uns auf Anhieb und es ist schön sich jetzt auch einmal persönlich zu sehen. Wir legen eine kurze Pause zum Essen ein und machen uns dann auf den Weg nach Dibbesdorf. Karsten ist mir extra 20 km entgegen geradelt und berichtet mir von der tollen Anfahrt mit Rückenwind. Entsprechend zäh fällt für uns die Rückfahrt aus. Der über den Mittag blaue Himmel zieht sich langsam wieder zu und der Wind aus Süden lässt sowieso nicht nach. Wieso auch?
Wir folgen dem Elbe-Seitenkanal noch ein paar Kilometer und biegen dann nahe Wolfsburg auf den Mittellandkanal ab. Weiter geht es nun in Richtung Braunschweiger Flughafen. So langsam bemerke ich, dass mir das warme Müsli von heute Morgen nicht so gut bekommen ist. Mein Darm macht sich proportional zur Annäherung an den Flughafen immer mehr bemerkbar. Verkniffen fahre ich Karsten hinterher, während in den Dörfern die Leute staunend meinem bepackten Fahrrad nachgaffen. Gelinde gesagt habe ich das Gefühl, dass mir gleich der Arsch platzt! Am Flughafen angekommen denke ich nur noch an das wundervolle Abfertigungsgebäude mit seiner viel wundervolleren Toilette, die ich eine viertel Stunde mit Darmmusik erfüllen werde...


Mein Zelt, Mein Drahtesel, Mein Boot

Nach dieser himmlischen Erleichterung und einem kurzen Blick auf den Flughafen geht es weiter nach Dibbesdorf. Karsten weiß eine Abkürzung, die sich dann allerdings als ziemlich überschwemmt herausstellt. Immerhin entdecke ich dabei, dass meine Ortliebtaschen auch bei Versinken im Wasser völlig dicht sind.
Von Karstens Mutter gibt es am Abend haufenweise Pfannkuchen und es gibt eine Menge, worüber wir den ganzen Abend reden. So hat auch dieser Tag einen schönen Abschluss.

Heute gefahren:
82,00 km
Gesamt:
178,75 km


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