Quer durch den Wilden Osten

Am folgenden Tag wollen wir ein wenig das Gebirge im Osten der Emirate erkunden. Das Ganze wird wieder einmal komplizierter als erwartet. Zuerst haben wir große Probleme, den richtigen Highway aus Dubai heraus, zu finden. Doch dann geht es endlich. Erst einmal fahren wir schnurstracks in Richtung Hatta.

Zwischendurch halten wir an einer Art Autobahnraststätte mitten in den Dünen. Die Raststätten hier haben keine eigenen Ausfahrten und so bremse ich im letzten Moment noch einen Lastzug aus. Uiuiui...
Kaum ist der Motor abgestellt, begrüßt uns auch schon der Besitzer der Raststädte mit arabischer Gastfreundschaft. Sofort möchte er wissen, was wir wünschen. In lustig arabischem Englisch rattert er alle Sandwich-Sorten herunter, die er uns anbieten kann - natürlich alle mit "Chicken".
Die Hitze hier ist noch unausstehlicher als in Dubai. Ich verbrenne mir die Füße, als ich nur mit Sandalen ein paar Meter durch die Dünen stapfe. Dazu möchte uns der freundliche Herr noch zwei Dünenbuggies vermieten. Doch bei der momentanen Temperatur könnte uns auch der 50°C heiße Fahrtwind auf einem solchen Buggy nicht mehr kühlen...


Hatta

Als wir uns Hatta nähern, ändert sich plötzlich das Aussehen der Autobahn und ein großes Schild zieht an uns vorbei: "Welcome to the Sultanate of Oman"
Ups! Naja, unsere Landkarte sagte ja auch schon: "The maps are not authority of international boundaries." Es gibt keine Zollkontrolle und auch sonst gar nichts außer ein paar Hütten und viel Sand und Steinen. Schön, dann habe ich mir zum heutigen Geburtstag mal einen Abstecher zum Oman geschenkt. Letztes Jahr Karibik, dieses Mal Oman. Ich bin gespannt, was nächstes Jahr passiert...
Immerhin: Das Benzin im Oman ist günstiger. Während wir in den Emiraten für den Liter Super etwa 60 Cent bezahlen (man rechnet allerdings in Gallonen), sind es im Oman nur 50 Cent (hier rechnet man aber wieder in Litern). Die Grenzverläufe sind in dieser ganzen Gegend doch ziemlich verwirrend.

Obwohl wir die ganze Zeit geradeaus gefahren sind, sind wir in Hatta wieder in den Emiraten. Da der Highway von hier abermals in den Oman führt, biegen wir auf eine kleine Seitenstraße ins Gebirge ab. die Berge hier sind unglaublich schroff und die Straße geht andauernd auf und ab. Kaum ist man in einem trockenen Wadi, schon geht es wieder rauf auf die nächste Kuppe. Wieder ein Grund hier nicht mit dem Fahrrad zu fahren. Ich suche den Weg nach An Naslah, doch irgendwo in den Bergen endet die Asphaltstraße in einer Wellblechpiste. Hier ist mit unserem Auto kein Weiterkommen möglich. Da könnten wir genau so gut zu Fuß gehen.

Also versuchen wir einen anderen Weg nach Norden zu finden und stoßen plötzlich auf eine Autobahn, die in unserer Karte nicht verzeichnet ist. Solche Kuriositäten werden sich noch öfters ergeben. Überall gibt es nagelneue Autobahnen ohne Verkehr, die auf keiner Karte verzeichnet sind. Das Land entwickelt sich schneller als die Landkarten.
Bei Fujairah erreichen wir schließlich den Golf von Oman, ein Teil des indischen Ozeans. Überall befinden sich Docks für die großen Öltanker und kilometerlange Ölpipelines. Als wir eine dieser Pipelines fotografieren, fällt mir plötzlich auf, dass eine helle Flüssigkeit aus unserem Motor tropft. Das fehlte jetzt noch! Wir sind noch mehrere hundert Kilometer von Dubai entfernt und haben praktisch kein Geld mehr! Wir fahren zurück zu einer Tankstelle und fragen dort, ob uns jemand einen Tipp dazu geben könnte. Nach einer Weile kommt der Mechaniker, ein wohlbeleibter Inder, zu uns. Er findet es wohl ziemlich lustig, dass wir uns über aus der Klimaanlage tropfendes Kondenswasser Sorgen machen. Nach dem Motto: "So was weiß doch jedes Kind!". Hmpf...




So sah der Wagen aus, nachdem wir ihn wieder abgegeben hatten ;-)

Über Khor Fakkan, Sharm, Rul Dibba, Masafi und Al Dhaid fahren wir wieder zurück nach Dubai. Von nun an läuft alles glatt. Wir steigen noch in einem kleinen Dorf am Straßenrand aus, um Fotos von der Dünenlandschaft und dem Sonnenuntergang zu machen. Der Kontrast dieser kleinen Dörfer mit ihren spielenden Kindern und Eselskarren zu Dubai könnte kaum größer sein.



Am Abend setze ich Sebastian noch am Deira City Centre ab, während ich weiter zum Hotel fahre, um Tabletten gegen meine Kopfschmerzen zu holen. Ich will mich ihm eine Stunde später anschließen. Doch daraus wird nichts. Ein Nationalfeiertag geht gerade zu Ende und in den Parkhäusern um das Einkaufszentrum herrscht Chaos. Eine Stunde lang irre ich durch das Verkehrsgewühl in den Parkhäusern. Die Suche nach Parkplätzen scheint für die Araber ein Kampf bis auf's Messer zu sein. Selten habe ich so viele Araber auf eiem Haufen ausrasten sehen. Mir ist mein Leben doch recht lieb, und so hole ich Sebastian irgendwo am Straßenrand ab, um mit ihm weiter zum Burj Al Arab zu fahren - dem berühmten Hotel an der Küste von Jumeira. Viel zu sehen gibt es nicht. Das Hotel ist weiträumig von Sicherheitskräften mit Schnellfeuerwaffen abgeriegelt. Irgendwie sind wir froh darüber, dass unser "Urlaub" in Dubai morgen ein Ende findet...

Tag 24:
Dubai - Hatta - Fujairah - Dibba - Dubai


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