Schon um 6 morgens finden wir uns auf der Sheik Zayed Road wieder. 5000 Kilometer von Thailand enfernt und inmitten der arabischen Welt.Und das, obwohl auf unseren Uhren bedingt durch die Zeitverschiebung gerade einmal viereinhalb Stunden vergangen sind! Schon jetzt brennt die heiße Morgensonne auf uns nieder und wir wollen uns gar nicht ausmalen, wie heiß es heute noch werden wird. Doch warum sind wir hier? Eigentlich wollten wir um diese Zeit längst in einem klimatisierten Mietwagen sitzen. Eigentlich...

Bereits vor 5 Wochen habe ich über das Internet einen Mietwagen bei Hertz gebucht. Für nur 60 Euro sollte er uns für zwei Tage durch die Emirate bringen. Pustekuchen! Am Flughafen weiß man nichts von einer Reservierung. Zu allem Überfluss liegt meine Reservierungsbestätigung zu Hause auf dem Schreibtisch. Da wo sie auch hingehört...
Nun sitzt der Angestellte selbstgefällig hinter seinem Schreibtisch: Er könne mir ja immerhin einen Preis von 110 Euro machen. Den Online-Preis könne er mir hier nicht geben. Ich sehe überhaupt nicht ein, dass wir plötzlich 50 Euro mehr bezahlen sollen, als vereinbart, nur weil jemand die Reservierung verschlampt hat. So gehen wir missmutig zum Taxistand. Ich bin stinksauer.
Der Taxifahrer ist immerhin ein sehr freundlicher und hilfsbereiter Mensch. Mit ihm zu reden, macht meine Laune wieder etwas besser. Er fährt uns zur Jugendherberge und stellt das Taxameter ab. "Gehen Sie ruhig rein und informieren Sie sich nach einem freien Zimmer. Ich warte so lange hier."
In der Jugendherberge muss ich erst einen jungen Angestellten vom Sofa wecken. Mit Morgenfalten im Gesicht erhebt er sich und steht schlaftrunken vor mir.
"Haben Sie zwei freie Betten?" frage ich.
"Hmm... was?"
"Betten. Zum Schlafen. Ich bin doch in einer Jugendheberge hier, oder?"
"Jaja... hmpf... Sie haben doch einen Jugendherbergsausweis? Dann wären das 15 Euro"
"Ja, aber mein Freund da draußen hat leider keinen. Wie sieht das dann damit aus?"
"Öhem... dann muss er wohl 48 Euro bezahlen..."
*Schluck!* - "Kann er denn keinen Ausweis hier bekommen?"
"Nö, den muss er sich in Europa holen."
Der Taxifahrer scheint schon damit gerechnet zu haben. Also fährt er uns zum IBIS-Hotel, wo wir auf unserer Hinreise auch schon waren. Er kann gar nicht glauben, dass das IBIS so "billig" wäre, wie wir sagen. 42 Euro pro Nacht. Das wäre ein unglaublicher Preis! Naja, Dubai ist nicht gerade auf Backpacker zugeschnitten. Wie sehr sehnen wir uns doch nach Thailand zurück.
Im IBIS sagt man uns, dass wir erst ab 10 Uhr einchecken können. Wir dürften natürlich auch früher einchecken: Gegen eine "Service Charge" von nur 20 Euro. Da geben wir lieber 15 Euro für's Frühstück aus. Wir fühlen in unseren abgeschlissenen Klamotten doch ein wenig deplatziert. Da sitzen wir nun in einem Restaurant mit Portiers und Menschen, die sich penibelst an die Tischmanieren halten. Doch irgendwie macht es uns auch Spaß, das auszunutzen. Wir sitzen 3 Stunden beim Frühstück, bedienen uns immer wieder am Buffet, gehen zwischendurch auf Toilette, lesen Zeitung und surfen kostenlos im Internet. Bis es endlich 10 Uhr ist und wir in unser Zimmer "dürfen".
Wir schlafen noch eine Stunde und machen uns dann auf den Weg zum Ramada Hotel. Ich habe vom IBIS aus per Internet erneut ein Auto reserviert, welches wir bei der dortigen Mietstation abholen möchten. Bei unserer Ankunft mit dem Taxi fragt uns der Portier höflich, wo wir denn hinwollen.
"Zur Autovermietung." sage ich.
"Nein, nein, die Hertz-Autovermietung gibt es hier schon seit 6 Monaten nicht mehr.", lässt er uns wissen. Und wie kann es dann sein, dass ich hier ein Auto buchen konnte?! Arrrg!
Also geben wir noch einmal ein kleines Vermögen für ein Taxi aus, welches uns weiter zum Sheraton Hotel bringt. Hier fühlen wir uns noch weitaus deplatzierter als heute morgen im Restaurant. Meine Erinnerungen an das Sheraton in Singapur werden wach. Das Hotel ist derart luxuriös, dass wir uns gar nicht lange hier aufhalten möchten. Doch wir müssen.
Hinter einem unscheinbaren Tischchen sitzt ein ausgesucht freundlicher Herr von Hertz. Nein, die Reservierung aus dem Internet könne er auch nicht annehmen. Aber wenigstens bekommen wir hier einen einen guten Preis. Wir mögen uns nur ein Stündchen gedulden, da man uns erst noch das Auto bringt. Nobel, nobel...
Wir setzen uns also noch in das Café in der Lobby und bestellen die billigste Flasche Wasser (6 Euro) mit zwei Gläsern. Der Blick der Kellnerin spricht Bände... Wir kommen gerade von draußen und sind von Kopf bis Fuß durchgeschwitzt.
Eine Stunde später können wir unser Auto tatsächlich in Empfang nehmen. Wir haben uns extra das billigste Auto ausgesucht und wissen gar nicht was uns erwartet. Doch, oje...

Es handelt sich um einen nagelneuen, glänzenden Nissan Sunny, der gerade einmal 30 Kilometer auf dem Tacho hat! Sebastian möchte in den Emiraten nicht fahren und überlässt mir das Steuer für die zwei Tage. Wie soll ich dieses Auto nur in dem Zustand, in dem es jetzt ist, wieder zurückbringen?!
Wie dem auch sei, der Wagen fährt sich erstaunlich gut. Schneller als 100km/h dürfen wir sowieso nirgends fahren. Auch wenn ich der einzige Mensch auf den Straßen zu sein scheine, der sich daran hält. Wir genießen den Luxus unserer endlich gewonnenen Freiheit und folgen dem Highway raus in die Wüste. Und das Beste überhaupt: Die Klimaanlage funktioniert! Sobald wir an die Windschutzschreibe fassen, spüren wir erst, dass es draußen weit über 40 Grad sind. Man verbrennt sich fast die Hände am Glas. Nein, die Emirate wären wirklich kein Land, in dem ich jemals mit Freude Fahrrad fahren würde...

Über den durchgehend vierspurigen Highway E11 nähern wir uns Abu Dhabi, der Hauptstadt der Emirate. Auch hier wieder eine Stadt, in der sich gigantische Moscheen, Paläste und glänzende Wolkenkratzer gegenseitig zu übertrumpfen versuchen. Überall sind Baustellen, um alles noch größer - noch gigantischer - zu machen.

Von Abu Dhabi aus fahren wir weiter nach Südosten, durch Ölfelder hindurch, nach Al Ain. Der Highway zieht sich durch ein endloses Meer von Steinen und Sand. An einer unscheinbaren Ausfahrt biegen wir ab. Ich möchte unbedingt die etwas abgelegener verlaufende Straße parallel zum Highway finden. Lange geht es geradeaus und es ist keine Parallelstraße auszumachen. Doch dann taucht hinter einer Anhöhe plötzlich ein Schlagbaum mit Soldaten auf. Oha! Nichts wie umdrehen und zurück! Einfach so tun, als wenn nicht gewesen wäre...
Wir sitzen stillschweigend im Auto. Nach einer Weile sehe ich den den Rückspiegel und sage zu Sebastian: "Oje, ein Militärlaster..."
Für eine Sekunde sehe ich, wie die Farbe aus seinem Gesicht entweicht "WO?!"... hmm... ein herrlicher Scherz... ;-)
Eine Abfahrt später versuche ich es noch einmal. Doch die Straße wird immer schlechter und endet schließlich in einer üblen Wellblechpiste und tiefem Sand. Es sind nur noch Kameltreiber und ein paar Jeeps zu sehen. Passend dazu lässt mich Sebastian wissen, dass die Verkaufsschlager seines Vaters in den arabischen Emiraten Stoßdämpfer sind. Na, vielen dank auch...
Wenigstens die Kameltreiber erheitert die Anwesenheit von ein paar seltsamen Touristen in dieser Gegend. Sie winken uns fröhlich zu. Im Schrittempo fahren wir über eine wellige Salzpiste noch ein paar Kilometer, bis wir endlich wieder auf eine asphaltierte Straße treffen.

Nach einer Fahrt durch das nächtliche Al-Ain kommen wir erst spät abends in Dubai an. Ich bin hundemüde und kann die Augen kaum noch offen halten, als endlich die Lichter von Dubai am Horizont erscheinen. Na endlich!
Doch angekommen sind wir noch lange nicht: Was jetzt folgt, ist noch eine lange Odysse durch das hochkomplexe Labyrinth von Schnellstraßen quer durch die Stadt...
| Tag 23: |
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Bangkok - Dubai - Abu Dhabi - Al Ain - Dubai |
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