Wenige Stunden nach unserer Ankunft beginnen wir schon mit dem Tauchkurs. So geht es damit los, dass wir abends im Bungalow über unseren Lehrbüchern hocken und mehrere Kapitel Theorie büffeln. Die Bücher stammen von PADI, der weltweit größten Organisation, die Tauchscheine ausstellt. Dabei lernen wir nicht zuletzt, was für eine tolle Organisation PADI doch eigentlich ist. Nicht zuletzt, durch was für "unverzichtare" Dinge wir PADI noch mehr Geld geben können! Denn schließlich heißen die drei Grundregeln: Spaß haben! Leute kennenlernen! Und PADI noch reicher machen!
Naja, die letzte Grundregel steht nicht direkt im Lehrbuch, als gute Schüler verinnerlichen wir sie uns natürlich trotzdem. Dafür sind die ersten zwei Grundregeln als mögliche Antworten im Multiple-Choice-Test immer korrekt! Wenn Lernen doch immer so einfach wäre...
Am zweiten Tag starten wir mit den ersten Praxisübungen. An einem Hotel-Pool zeigt uns Ina, wie wir die Ausrüstung vorbereiten, sie anlegen und den letzten Sicherheitscheck durchführen. Alles in allem gesehen ist das Thema durchaus so komplex wie der Führerschein. Es lässt sich nur viel schneller erlernen (in Thailand zumindest :-))
So steigen wir dann tatsächlich mit der tonnenschweren Ausrüstung in den Pool und tauchen schließlich unter. Erst ist es wirklich noch sehr gewöhnungsbedürftig durch das Mundstück ein und auszuatmen. Besonders irritierend ist anfangs noch das laute Blubbern beim Ausatmen, wobei einem die Sicht ein wenig genommen wird. Von Stille unter Wasser kann also keine Rede sein. So werden wir später noch feststellen, dass wir in 20 Metern Tiefe Boote fahren hören, als wenn sie direkt neben uns wären. Sie sind allerdings nirgends zu erkennen, da sie in der Regel viel weiter weg sind. Der erste Lehrgang im Pool ist zumindest totale Entspannung. Während Ina Sebastian über Wasser noch ein wenig die Atemtechnik erklärt, juxe ich hier unten ein wenig mit zwei Kindern herum. Sie bedienen sich die ganze Zeit an meiner alternativen Luftversorgung. Ob die Eltern sich nicht so langsam wundern, dass die beiden gar nicht wieder auftauchen?
Ina: "So Jungs, jetzt habt euch mal gaaanz lieb!"...
...klick!
Am Nachmittag folgt noch weitere Theorie, und am nächsten Morgen geht es dann tatsächlich raus auf's Meer. Mit einem Fischerboot werden wir zu unserer "Divesite" gebracht: Den "Japanese Gardens". Auf Deck geht Ina mit uns noch einmal das Briefing für den Tauchgang durch. Tauchtiefe, wie wir abtauchen, wie wir auftauchen usw. Unter Wasser können wir uns nur noch mit Handzeichen verständigen. Von daher muss die ganze eigentliche Planung natürlich über Wasser stattfinden. Irgendwie fragen wir uns doch wie Ina es da unten so lange aushält ohne zu Reden. Ihr Freund Dan und ich haben hinter ihrem Rücken mal einen Rekord von 26,5 Sekunden gemessen. In der sie einmal nichts gesagt hat! Über Wasser... Dadurch, dass sie immer was zu erzählen hat, ist sie aber auch die perfekte Tauchlehrerin!

Dann geht es schließlich los: Das Boot hält an einer unscheinbaren Boje etwa 20 Meter von einem Felsufer entfernt. Und ich kann den Grund nicht sehen! Uahh... Bis jetzt hätte man mich eher in ein altes russisches Kunstflugzeug setzen können, als in mehr als 2 Meter tiefes Wasser zu schubsen. Und dann auch noch offenes Meer! Da stehe ich nun in watschelnden Schwimmflossen mit Gewichten um die Hüfte und einer sauschweren Sauerstoffflasche auf dem Rücken. Ich werde damit wie ein Stein auf den Grund des Meeres sinken! Dann werden die Haie kommen und mich auffuttern. Nachdem die kleinen goldigen Fische die letzten Fleischfetzen gefuttert haben, werden meine Knochenreste ein wunderbares Gerüst für Korallen abgeben.
Mir ist ganz schön mulmig zumute. Sobald ich hier wieder lebend herauskomme, werde ich Sebastian für diese Schnapsidee an die Gurgel springen! Hmm... sein Gesicht hat offensichtlich auch schon etwas Farbe verloren - das beruhigt mich...
Dann springt Ina mit einem großen Platscher ins Wasser und winkt mir zu, ich soll das Mundstück und die Weight Belts (Hüftgewichte) festhalten, und dann reinspringen. Mein Gesicht sieht jetzt sicherlich genauso aus wie auf dem obigen Foto.
Bibber... ich fühle mich wie ein Astronaut auf dem Mond. Ein kleiner Schritt für einen normalen Taucher, ein großer Schritt für einen Normann... Uaaah!!!
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