Chiang Mai

Trotz der ruckelnden Fahrt haben wir herrlich gut geschlafen. Als wir am Morgen aus dem Fenster sehen, ziehen Berge und große Reisfelder an uns vorbei. Darin stehen Bauern mit den so typischen Strohhüten und dahinter ihre mit Stroh und Blättern gedeckten Häuser. Endlich sind wir aus Bangkok raus! Endlich haben wir diesen Moloch hinter uns gelassen. So langsam wird mir bewusst, was ich bei meinem letzten Aufenthalt in Thailand, der praktisch nur in Bangkok stattgefunden hat, verpasst haben muss.



In Chiang Mai treffen wir wieder auf knatternde Mofas und viel Verkehr. Doch abgesehen davon erweist es sich als eine sehr angenehme Stadt. Kein Provinznest, aber auch bei weitem kein Moloch wie Bangkok.
Am Bahnhof beginnt wieder das Buhlen der Schlepper um Kunden. Zu unserer Freude ist auf einem der hochgehaltenen Schilder auch das Guesthouse zu sehen, welches wir uns in unserem schlauen Buch auf der Bahnfahrt in den Norden ausgesucht haben: Das Eagle Guesthouse. In einer äußerst beschaulichen und sehr untouristischen Nachbarschaft liegt es irgendwo in einem normalen Wohnviertel, aber trotzdem noch realitiv zentrumsnah. In Gemeinschaftsarbeit des Thailänders Pon und der Irländerin Anette ist hier ein äußerst familiäres Guesthouse entstanden. Am Kühlschrank dürfen wir uns bis 8 Uhr abends immer mit Wasserflaschen zudecken, schreiben sie dann selbst auf die Rechnung, und genauso geht es bei dem äußerst günstigen und leckeren Essen, was einem hier gerne zubereitet wird. Lediglich die Zimmer selbst modern schon seit einigen Jahren vor sich hin. Und wir stellen immer neue Rekorde im Entdecken neuer, noch größerer Mitbewohner im Badezimmer auf. Das Schlafen ohne Klimaanlage erfordert zuerst ein wenig Gewöhnung, doch nach ein paar Tagen geht es.


Was ist Hund, was ist Schlange?

Zu den gewöhnungsbedürftigen Dingen in der Stadt gehört allerdings die Essensbeschaffung. Während Sebastian nach wie vor allem von Häagen Dazs bis McDonalds den Vorzug gibt, schleppe ich ihn immer wieder in kleine Garküchen und Restaurants, in denen niemand Englisch spricht. Wir zeigen dann immer auf das Essen des nächstbesten Sitznachbarn, dessen Suppe annehmbar aussieht. Als Reultat kann ich meinem vegetarischen Vorsatz nicht so wirklich treu bleiben. Wir wissen nie genau, ob wir gerade auf Huhn, Hund oder Schlange herumknabbern, und was der Suppe die dunkle würzige Färbung gibt. Aber wenigstens die Nudeln und das Gemüse sind echt. Und um die gerade grassierende Hühnergrippe scheint sich hier sowieso niemand Sorgen zu machen.
Wir lernen auch, warum es keine dicken Thailänder gibt. Mit diesen kleinen Stäbchen kann man keine großen Mengen in sich hineinstopfen. Und sollte es einem doch gelingen, so ist man durch das ganze Gezwirbele mit den Fingern nach kurzer Zeit so erschöpft, dass man schon wieder mehr Kalorien verbraucht als man zugenommen hat.




Sebastian im Kreuzverhör

Ein anderes Kapitel sind die Telefonate nach Hause. Sebastian versucht nach wie vor täglich zu Hause anzurufen. Ich weiß nicht wie viele Telefonkarten er schon verflucht, und wie viele Telefonhörer er wieder fluchend in die Aufhängung geknallt hat. Zusammen gehen wir die mehrseitigen Anleitungen zu jeder Telefonkarte durch und können trotzdem keinen so wirklichen Erfolg erzielen. Meistens muss man komplizierte Nummernkombinationen wie 00152637491630049407816381 oder Ähnliches wählen. Funktionieren tut es dann trotzdem nicht. Es ist zum Mäusemelken! Nach einer Weile besinnen wir uns wieder des guten alten Internets - wenigstens ein Kommunikationsweg mit Verlässlichkeit in Asien. Dabei müssen wir uns zwar hin und wieder die PCs mit ganzen Schulklassen teilen, aber was nimmt man nicht alles für die Kommunikation mit den Lieben im verregnete Deutschland in Kauf...


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Ein äußerst gutes Bild von sich haben übrigens die Polizisten. Adrett gekleitet, stets gute Manieren, immer hilfsbereit und Retter in der Not und dazu sogar noch DIN-genormt! In welchem Land hat man das noch? Oder sind es vielleicht doch alles nur Außerirdische?











...doch bei der Bewahrung der guten Sitten haben sie eines offensichtlich noch nicht ganz im Griff:


...die schmutzigen Namen.

Tag 5:
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