Heiß!

Von wegen trockene Wüstenluft!
Feuchte Saunaluft emfängt uns. Und erst langsam - zwischen Presslufthämmern und Taxis - wird mir bewusst: Wir sind im Urlaub!
Während Sebastian schon ein paar erste Stöhnlaute über die Hitze von sich gibt, breite ich die Arme aus und freue mich über die herrlich warme Luft. Bis ich merke, dass mir der Schweiß aus allen Körperteilen zu strömen scheint. Ok, also gleich ins nächste Taxi mit einer wohlig-nordischen Klimaanlage! Ähem...
In diesem Taxi mit DVD-Fernseher bringt man uns für geschlagene 10 Euro ins gebuchte Hotel. Still sitzen wir da und lassen alles auf uns einwirken. So viele neue Dinge, die auf einen einprasseln.
Das Hotel ist absolut beeindruckend. Misstrauisch gehen wir durch die gläserne Drehtür in das klimatisierte Innere. Ein bisschen verdutzt verharren wir noch ein paar Sekunden. Ist das wirklich unser Hotel? Überall Ledersessel, hier und da ein Geschäftsreisender mit Koffer, gedämpfte klassische Musik beschallt uns, und hinter einem riesigen Tresen befindet sich die Rezeption. In Deutschland wäre so etwas 5 Sterne wert. Hmm, der Name stimmt, also müssen wir richtig sein: Ibis. Wir checken also ein und zahlen "nur" 40 Euro für die Nacht. Gemessen an den Verhältnissen in Dubai offenbar ein Spottpreis - wir dürfen uns nämlich trotz Doppelzimmer die Bettdecke teilen...
Auf dem trotzdem recht noblen Zimmer angekommen, möchte ich erst einmal ein Foto machen. Doch wo habe ich meine Kamera wieder hingepackt?
"Hast Du zufällig meine Kamera gesehen?", frage ich Sebastian.
"Nö, du hältst sie doch immer so verkrampft in den Händen, als wenn sie an dich geklebt wäre."
In Windeseile schießt es mir durch den Kopf. Wo ist meine Kamera? Wo?? Wo??? Wo ist sie? Ich lasse die Ereignisse des Abends noch einmal rückwärts in meinem Kopf ablaufen. Das Taxi! Das verdammte Taxi! Ich habe meine Kamera im Taxi liegen gelassen!!!

Der Portier kann uns auch nicht weiterhelfen. Er versucht mich zu beruhigen, indem er mir versichert wie grundgütig liebe Menschen die Taxifahrer in Dubai doch seien. Man werde mir die Kamera sicher zurückbringen. Toll. Von da an habe ich nie wieder etwas von meiner Kamera gehört...

Es ist zwar schon nach zwölf Uhr abends, doch unsere innere Uhr hängt noch ein wenig hinterher. Wir sind einfach zu neugierig auf diese Stadt und machen also noch einen kleinen Spaziergang entlang der Sheik Zayed Road. Schon nach zwei Minuten sind wir von unten bis oben durchgeschwitzt. Wir sind die einzigen Menschen weit und breit, die sich ohne Auto blicken lassen. Die einzigen Menschen sehen wir am Eingang eines Nobelhotels und eines Nachtclubs - und innerhalb eines klimatisierten Burger Kings. Ich mag dieses Futter überhaupt nicht. Allerdings kann ich mich nicht gegen Sebastian wehren, da der Burger King eine unwiderstehlich kühle Klimaanlage bietet. Gar nicht daran zu denken, dass wir von hier aus den einen Kilometer zum Hotel wieder zurücklaufen müssen. Wir wollen es uns gar nicht ausmalen, wie die sich die Hitze morgen Mittag erst anfühlen wird...




Schatten, wo bist du?

Im Sitzen schwitzen

...Und zwar unbeschreiblich! Am nächsten Tag schlafen wir lange und möchten nach dem Aufstehen "so mal eben" die 3 Kilometer in die Innenstadt schlendern. Nun, um ehrlich zu sein: Nach 5 Minuten sind wir mit unseren Kräften am Ende. Die Sonne brennt auf uns nieder. Unsere Trekkinghosen sind so klatschnass, wie ein T-Shirt nach einer Stunde Dauerlauf (von den T-Shirts jetzt ganz zu schweigen) und wir versuchen nur noch irgendwo einen Schattenplatz zu finden. Ergo: Wir lassen uns von einem Taxi für 5 Euro in die Stadt bringen. Diese Stadt bringt selbst den geizigsten Rucksacktouristen um sein Geld. Das Außenthermometer im Taxi zeigt 46°C im Schatten an. Stolz erählt uns der Taxifahrer, dass wir heute wohl auch noch die 50°C-Marke erreichen werden. Nun ja, nichts gegen Rekorde - aber muss es denn gleich so viel sein?
Kurz vorm Gold Souk, dem Goldbasar, steigen wir aus. Wir befinden uns nun im Herzen Dubais: Der Altstadt namens Deira. In den kleinen Gassen sollten wir nun den bei Touristen so beliebten Basar vorfinden. Doch alles was wir finden, sind verschlossene Jalousien und Araber im Gebet. Es ist Mittagszeit und die Gebetsstunde hat gerade begonnen. Mittagszeit heißt auch, dass die Sonne jetzt im absoluten Zenit steht. Unsere Körper werfen kaum noch Schatten und der Schweiß beginnt zu fließen. Wie in Trance laufen wir von Schattenplatz zu Schattenplatz und von Getränkeautomat zu Getränkeladen. Wir versuchen unsere schwitzenden Körper zu beruhigen, indem wir uns, wie die Araber, ganz ruhig in eine Ecke setzen. Nichts hilft. Unter mir bildet sich langsam eine Pfütze aus Schweiß. Zusammen mit der feuchten Meeresluft bieten die heutigen 48°C eine teuflische Kombination. Wir wissen nicht mehr ein noch aus und treiben das nächste Taxi auf.


Der Gold-Souk ist leer...

...alle sind beim Gebet



Wir haben heute noch immer nichts gegessen und lassen uns in das Mercato-Einkaufszentrum fahren: Ein großer hochklimatisierter Komplex, dessen Architektur Venedig nachbilden soll. Doch satt werden wir hier nicht. Es ist wie mitten in der Wüste auf Wassersuche. Etwas Günstiges zu Essen gibt es nicht, und etwas arabisches neben Starbucks, Burger King & Co. schon gar nicht. Wir verlassen das Einkaufszentrum mit leeren Mägen und laufen die 200 Meter bis zum nächsten Einkaufszentrum. Dieses ist allerdings geschlossen. Wir haben Freitag, und da sind viele dieser Zentren nicht geöffnet.


Heiße Brühe

Nun gut, in der Hoffnung auf ein wenig Erfrischung gehen wie noch weitere 200 Meter bis zum Strand, kommen dort total verschwitzt an und wagen ein paar Schritte ins Wasser. Uaaah!!! Nein, es liegt nicht an dem zu kalten Wasser! Diese salzige Brühe ist mindestens 35°C heiß! Schattenspendende Palmen gibt es auch keine. Mit nacktem Oberkörper ist es keinen Deut kühler. Wer ist auch schon so dumm wie wir uns fliegt im Sommer nach Dubai...
Der gesamte Dubai-Aufenthalt endet in einer Odyssee auf der Suche nach den einzigen Sehenswürdigkeiten mit Klimaanlage: Den Einkaufszentren.

Nun, sehen wir auch einmal etwas Positives daran: Ich kann mir bei der Gelegenheit eine neue Kamera kaufen. :-)


Deira City Center


Ikea auf arabisch

Mit der neuen Kamera im Gepäck fliegen wir am nächsten Morgen weiter nach Bangkok. Langsam entschwindet die arabische Wüstenlandschaft unter uns im Dunst und wir legen in nur 6 Stunden die riesige Distanz von 4892 Kilometern Luftlinie zurück.

Tag 1:
Paderborn-Dubai
Tag 2:
Dubai
Tag 3:
Dubai-Bangkok


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