Tag 35: Haiming - Sölden (17.Geburtstag)

Heute ist mein 17. Geburtstag. Es regnet. Ich packe das feuchte Zelt zusammen und mache mich auf den Weg ins Ötztal. Ich habe einen durchgehenden Anstieg vor mir und werde bis heute Abend in die Pedalen treten müssen. Doch schon eine Stunde nach der Abfahrt lockern sich die Wolken auf und der blaue Himmel kommt zum Vorschein. Im ersten Ort im Ötztal gibt es eine Touristeninformation, von wo ich mir eine kostenlose Landkarte mitnehmen darf.

Die Sonne kommt zum Vorschein
Die Sonne kommt zum Vorschein

Die Anstiege folgen nur stufenweise. Dazwischen ist das Tal beinahe flach. Ich versuche immer wieder die Hauptstraße zu verlassen und ein wenig den Wegen abseits zu folgen. An einer Stelle endet das in einem felsigen Wald. Neben mir steigt die tosende Gischt der reißenden Ötztaler Ache auf. Zum Glück liegt ein Geländer zwischen mir und dem Bach. Ich male mir unbewusst aus, wie jemand aussehen muss, wenn er durch diesen Bach gespült unten im Inntal ankommen muss. Auch für Rafting ist die Strömung hier sicher zu gewaltig...
Der Weg ist schlammig und wird immer wieder von Felsbrocken versperrt. An einigen von ihnen bin ich versucht aufzugeben, da ich mit dem Rad auf der Schulter immer wieder abrutsche. Doch zurück wäre es bestimmt nicht leichter. Ich gerate immer tiefer in den Wald und höre nach unendlicher Plackerei endlich ein Auto auf der nahe gelegenen Straße fahren. Endlich wieder Asphalt unter den Reifen!

Im Ötztal
Im Ötztal

In Huben biege ich zum Campingplatz ab. Doch ich habe kein gutes Gefühl dabei und mir wird plötzlich bewusst, dass die Tour damit zu Ende wäre. Also gönne ich mir noch einige Kilometer mehr plus einen letzten Anstieg bis nach Sölden. Dort melde ich mich auf dem höchstgelegenen Campingplatz der Welt an. Klammheimlich werden mir 98 Schilling Rabatt auf die Rechnung geschrieben. Mitleid? Für nur umgerechnet 13,- DM genieße ich diesen Campingplatz richtig - besonders die sauberen Duschen.
Beim Zeltaufbau hilft mir wieder ein nettes Holländisches Paar und wir unterhalten uns einige Zeit. Wie sie mitbekommen, dass ich Geburtstag habe, bekomme ich gleich ein Snickers als Geburtstagskuchen. Darüber freue ich mich wirklich sehr.
Zum Geburtstag also der Abschluss dieser Tour und ein Snickers. Mehr hätte ich mir ehrlich nicht gewünscht. Doch will ich überhaupt ein Ende dieser Reise?
Morgen werden meine Eltern vorbeikommen und mich abholen.


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