Am morgen melde ich mich bei dem netten Ehepaar, dem der Campingplatz gehört, ab. Wie ich gerade auf das Rad steige, taucht hinter mir der Mann auf und fragt, ob er mich nicht mit dem Wagen zum Radstädter Tauern hochfahren soll. Ich bin am überlegen, lehne aber dankend ab. Er kann das überhaupt nicht verstehen und ich kann ihm kaum begreiflich machen, dass ich da lieber selbst hochfahren möchte. Doch ich denke darüber nach. Auch dass ich es kaum noch in der geplanten Zeit schaffen kann, bis ins Ötztal zu kommen. Meine Eltern kommen in 4 Tagen im Ötztal an und wollen dort noch ihren Urlaub mit mir verbringen. Das Hotelzimmer ist bereits gebucht. Also lasse ich mich von dem Besitzer überreden und mich mit dem Wagen nach oben fahren. Das Fahrrad findet in seinem Kleinbus locker Platz. Während der Fahrt schaue ich mir die meiste Zeit die Landschaft an und denke nach, was ich verpasst haben könnte. Oben angekommen bedanke ich mich vielmals und er macht sich gleich auf den Rückweg zum Campingplatz.
Auf dem Berg treffe ich auf eine Gruppe slovenischer Radreisender. Sie können recht gut Deutsch und ich unterhalte mich mit ihnen eine Zeit lang. Dabei bieten sie mir leckere Schoki an. Jetzt weiß ich was mir immer gefehlt hat! Sie wollen heute nach Bischofshofen und dann weiter nach Bayern und fragen mich, ob ich mit ihnen fahren möchte. Doch leider liegt das nicht auf meiner Strecke. Ich wäre wirklich gerne mit ihnen gefahren. Schade.
Vom im Tal gelegenen Radstadt führt es mich weiter in Richtung St.Johann. Die Straße geht durch tiefen Wald und über den Baumwipfeln sehe ich einen Hubschrauber Tiefflugübungen vollführen. In St.Johann suche ich den nächsten Buchladen auf um mir eine weitere Radwanderkarte zu kaufen. Die einzigen guten Karten, die ich für Österreich kenne, sind die "BikeLine". Bei Innsbruck wurde mir erzählt, dass sie nicht mehr aufgelegt würden. Hier habe ich die freie Wahl und könnte gar welche nachbestellen lassen.
An der Liechtensteinklamm vorbei fahre ich durch das Salzachtal. Hin -und wieder weiche ich dabei der Hauptstraße auf kleineren Nebenstraßen aus. Nach einigen Kilometern führt eine davon führt zu meiner Verwunderung direkt IN den Salzach. Also umkehren...
Streckenweise gibt es keine Alternative zur Hauptstraße, die zum Glück an großen Teilen durch eine Autobahn entlastet wird. Das Tal ist teilweise so eng, dass neben mir Felswände hoch aufragen.
Die Abfahrt bietet schöne Ausblicke. Teils führt sie mich durch kleine Schluchten, wo die Straße in Felswände geschlagen wurde.
Am Abend ist es soweit. Nach 9 Tagen erreiche ich wieder Zell am See. Den Ort, von wo aus ich zu meiner Großglockner-Überquerung aufgebrochen bin. Auf dem Campingplatz bekomme ich nur noch mit Mühe einen Platz. Alles ist so voll, dass ich mich erst auf die Suche nach einem solchen machen muss. Eine nette Frau hat nichts dagegen, dass ich mein Zelt daneben aufbaue. Sie und ihre zwei Kinder kommen aus Kiel und ich unterhalte mich am Abend noch recht lange mit ihnen.