Tag 31: Döbriach - Hammer

Wie ich mich abmelden und zahlen möchte, finde ich an der Tür der Rezeption nur das Schild: "Zu Mittagessen von 12-13 Uhr". Es ist gerade 9 Uhr, dieser Miesling hat meinen Pass nicht und ich habe hier nichts mehr verloren. Also fahre ich ohne zu zahlen. An der nächsten Bank tausche ich erst einmal meine restlichen Tolar in Schilling. Ich lege einen großen Batzen Scheine auf den Tisch. Die Angestellte ist selbst überrascht, wie sie mir den Wechselwert des vielen Geldes nennt. Ich würde dafür 18 Schilling bekommen - keine 3 Mark. Die Povision abgezogen wären es noch weniger als die hälfte. Sie ist dann doch so freundlich und tauscht das Geld ohne Provision anzurechnen. Ich bekomme den tatsächlichen Gegenwert in Schilling...
Heute habe ich einen weiteren Bergpass vor mir. Und der hat es in sich. Auf der Karte sind mehr Pfeile für extreme Steigungen eingezeichnet, als beim Großglockner. Der Weg zum Katschberg selbst ist ganz angenehm. Mit leichter Steigung geht es über ca. 40 Kilometer durch das Tal. Die Autobahn verläuft über meinem Kopf auf Stelzen und es ist zu meiner Verwunderung kein Motorenlärm zu hören. Ich treffe passiere im Tal das angeblich einzige Babydorf Europas. Was immer das sein soll. Ich habe dort nur eine Menge Hotels und noch mehr Spielplätze gesehen.

Im Liesertal
Im Liesertal

Vor dem Anstieg zum Katschberg wird das Tal für ein Stückchen breiter und es gibt auch einige Wiesen. Doch ich finde keine Ecke, wo ich mein dringendes Geschäft erledigen könnte. Grummel...
Am Katschberg selbst wird es dann richtig lustig. Die Straße verläuft in wenigen Kehren steil nach oben. Einige versuchen sich mit ihren Wohnmobilen an der Steigung zu messen und versagen in der Regel kläglich oder verursachen lange Staus. Zwei andere Autos sehe ich mit rauchenden Motoren am Straßenrand stehen. Wie schön habe ich es doch als Radfahrer. Doch fahren kann auch ich hier nicht mehr. Das Fahrrad droht mit dem vielen Gepäck hintenüber zu stürzen. Also schiebe ich, besser gesagt stemme, das Fahrrad die meiste Zeit nach oben. Der Anstieg von gut 20% bleibt bis zur Passhöhe erhalten. Oben treffe ich auf einen Ort mit vielen Hotels, wo es mich nicht lange hält. Schnell mache ich mich wieder auf die Abfahrt.

Die Katschberghöhe
Die Katschberghöhe

Die Abfahrt bietet schöne Ausblicke. Teils führt sie mich durch kleine Schluchten, wo die Straße in Felswände geschlagen wurde.

Der nächste Ort, den ich erreiche, ist St. Michael. Dort suche ich erst einmal einen Fahrradhändler auf, da eine meiner Pedalen defekt ist. Der Angestellte ist ein paar Jahre älter als ich und sieht mein Rad mit einem Blick aus Begeisterung und "Der muss doch verrückt sein" an. Mir wird schnell geholfen und ich mache mich auf das letzte Stück für heute. Auf der Straße nach Mauterndorf passiere ich einen Unfallort, an dem zwei Wagen übel ineinander geraten sind.
Der Campingplatz befindet sich etwas außerhalb und liegt direkt am Taurach. Auf der Wiese sind nur wenige Camper und mir kommt der Platz sehr sympathisch vor. Die Besitzer helfen mir gerne und ich darf auch die Waschküche benutzen. Wird dringend mal wieder Zeit.
Wie ich am späten Abend die Wäsche aus dem Trockner hole, habe ich Probleme, den Weg zu meinem Zelt zu finden. Eine so starke Dunkelheit habe ich selten erlebt. Ich tappe mich langsam vorwärts und finde das Zelt schließlich. Der neben dem Zelt fließende Bach bietet eine wunderbare Melodie zum Einschlafen...

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