Der Morgen im Wald ist recht kühl, jedoch sehr angenehm. Zurück im Ort erkundige ich mich am Bahnhof nach einem Ticket nach Villach in Österreich. Gar nicht so einfach, da der kauzige Schalterbeamte kein Wort Englisch kann oder Versteht. Ich mache ihm freundlich begreiflich, mir doch bitte etwas zu schreiben zu geben. Daraufhin zeichne ich mein Fahrrad. Ich möchte mein Rad mitnehmen. Er schreibt mir die Fahrzeiten und Preise auf das Zettelchen und nach einer langen Prozedur halte ich schließlich das Ticket nach Österreich in den Händen. Ich bedanke mich freundlich und kann dem murrednden Schalterbeamten noch ein versehentliches (?) Lächeln entlocken.
In der Bahn stelle ich mein Rad wieder im hinteren Teil des Zuges ab und alles verläuft ohne Probleme. Ich klebe die ganze Zeit am Fenster und betrachte die schöne slovenische Landschaft an mir vorbeiziehen. Wie gern wäre ich hier doch mit dem Rad durchgefahren. Doch dem Willen meiner Mutter und dem Zeitdruck musste ich mich wohl irgendwann mal beugen. Inzwischen bin ich über 4 Wochen unterwegs. Das Ende der Reise scheint langsam absehbar. Mit gemischten Gefühlen danke ich daran.
Ich weiß es jetzt schon. Ich werde in dieses Land sicher zurückkehren.
Nach vielen Kilometern, die ich aus dem Fenster schaue, erreiche ich am Abend schließlich Villach. Nach einem kurzen Einkauf mache ich mich auf den Weg zum Millstätter See. Ein paar Kilometer müssen auch heute noch mit dem Rad zurückgelegt werden. Nun bin ich wieder in den Alpen. Dieses Gebirge kommt mir jetzt schon fast vertraut vor. Dummerweise habe ich bei der Wegplanung die Höhenangabe auf meiner Karte nicht richtig beachtet. Es sind vor dem See noch 300 Höhenmeter zu bewältigen. So ein Mist! Aber da ich heute kaum gefahren bin, schaffe ich diese Anhöhe problemlos.
Am See angekommen melde ich mich auf dem Campingplatz in Döbriach an. Der alte Besitzer will meinen Pass nicht haben und murrt: "Mach zu, dass Du Dein Zelt aufbaust!". Sein dialektreiches Genuschel ist kaum zu verstehen und freundlich ist er keinesfalls. So stelle ich mir einen Menschen vor, der sein ganzes Leben lang Kopfschmerzen gehabt haben muss.
Ich suche mir ein nettes Plätzchen direkt am See und höre nach dem Aufbau unter vorgehaltener Hand von den Leuten neben mir, dass ich das unmöglich aufgebaut hätte. Da habe ich wohl jemandem die romantische Seesicht genommen. Nun ja, es gibt ja noch die Satellitenschüssel am Wohnwagen mit der sie sich den Abend versüßen können, gelle? Seltsame Leute hier...