Nach der anstrengenden Etappe gestern werde ich mir heute endlich wieder einen Ruhetag gönnen. Ich beschließe für heute Slovenien einen Besuch abzustatten. Beim Zoll zeige ich nur kurz meinen Pass vor und kann sofort passieren. Interessiert sehe ich mir Land und Menschen an. Wer redet hier von ehemaligen Jugoslawien, Bomben, Krieg und Armmut? Gleich hinter der Grenze erscheint es mir sauberer als Italien. Schöne, gepflegte Straßen und mehr Menschen, die Englisch sprechen können. Eine besonders schöne Abwechslung: Die Verkehrsschilder sind orangefarben hinterlegt.
Mein Entschluss steht fest. Ich werde meine Tour morgen in Slovenien fortsetzen. In der Hafenstadt Koper - die einzige Küstenstadt Sloveniens - gehe ich erst mal zum Geld wechseln in die Bank. Nach ewigem Warten komme ich endlich dran und erhalte die slowenischen Tolar. Einen ganzen Batzen Scheine - und dazu noch leicht umzurechnen. Mit einem Schein über 10 Tolar erhalte ich immerhin 10 Pfennig in meinen Händen...
Bevor ich den Grenzposten mit vollen Einkaufstüten passiere, entspanne ich mich noch wenige Meter vom Grenzübergang entfernt am Wasser. Dabei hole ich alte Tagebucheintragungen nach, die kaum ein Ende finden wollen. Ich liege damit bereits einige Tage zurück und finde kaum noch Zeit dazu. Nachdem ich den freundlichen Zollbeamten mit den schweren Tüten am Lenker fast überfahren hätte, kann ich passieren. Ich fahre am Mittag noch einmal nach Slovenien, um ein schöneres Stück Strand zu finden. Die Zollbeamten winken mich mittlerweile nur noch durch.
Gegen Abend kommt ein Österreichisches Paar, das hinter meinem ihr Zelt aufbaut. Sie erzählen mir, dass Slovenien tatsächlich sauberer und sicherer als Italien ist und geben mir noch ein paar Tipps für die Weiterfahrt.
Da ich nichts mehr zu lesen habe, wasche ich noch meine dreckige Wäsche. Dabei habe ich scheinbar das falsche Waschbecken genommen. Eine alte Italienerin zetert die ganze Zeit neben mir und trägt meinen Wäscheberg schließlich in ein anderes Becken. Hätte man aber auch freundlicher sagen können. Was hat sie denn nur gesagt...?
Die Sanitäreinrichtungen sind für den Campingpreis von 18,- DM die Nacht leider nicht die besten. Ich muss am Abend erst eine Dusche finden, deren Abfluss nicht vollkommen verstopft ist und wo ich nicht im der Dreckschicht anderer waten muss. Darin gleicht sich die eine Dusche mit der anderen aus.
Am Abend genieße ich noch einen beeindruckend schönen Sonnenuntergang. Bilder sagen mehr als Worte...