Tag 18: Weer - Innsbruck - Weer

Tageskarte

Am frühen Morgen schleichen die Sonnenstrahlen über die Bergspitzen ins Tal hinab. Nach dem Aufstehen hole ich mir in Weer frische Brötchen und Milch für das Frühstück. Heute sitze ich wieder einmal alleine hier. Also entschließe ich mich nach Innsbruck zu fahren. Die Strecke nach Innsbruck kenne ich schon vom letzten Jahr. Sie führt größtenteils an der Autobahn und dem Inn vorbei. Nicht gerade die Traumstraße der Alpen...
In Innsbruck verfahre ich mich mal wieder ordentlich. Dafür komme ich zufällig durch die Innenstadt und sehe einige Sehenswürdigkeiten. Darunter den Friedhof unter der Ski-(in Österreich "Schi") Sprungschanze...
Während meiner Ankunft am Flughafen ist wieder ziemlich diesiges Wetter, doch die Sonne behauptet sich ein wenig zwischen den Wolken und die Temperaturen sinken ebenfalls nicht. Für einen internationalen Flughafen ist dieser hier mehr als provinziell. Da ist ja auf dem kleinen Flugplatz bei mir zu Hause mindestens 10-mal so viel Betrieb! Und in der Flughafenbroschüre ist dann die Rede von einem expandierenden, angesehnen Flughafen. Ach ja, einige der Hauptstory's: Der Flughafen hat vor einem Monat für das Altenheim eine Führung durch die Gebäude gemacht und eine neue (die erste!) Bäckerei wurde in der "Ankunftshalle" eröffnet! Von Rundflügen ist leider nicht viel zu sehen. Auch bei den Segelfliegern auf der Nordseite des Flughafens scheint nur an den Wochenenden der Hauptsaison (wir haben Hauptsaison) etwas los zu sein. Doch vorher muss ich mir noch den Weg dorthin an einem bissigen Hund vorbei erkämpfen, der einen Bauernhof neben dem Flughafen bewacht.

Das Karvendelgebirge
Das Karvendelgebirge

Auf dem Rückweg informiere ich mich in Wattens über die Erhältlichkeit von Radfahrkarten für Österreich. Es sieht schlecht aus. Nichts Vernünftiges - abgesehen von den Wanderkarten - ist zu bekommen. Und bei deren Auflösung von 1:50.000 müsste ich mir fast alle 30km eine neue Karte für sage und schreibe nur 89 Schilling kaufen. Das entspricht etwa den Kosten einer Übernachtung auf einem Campingplatz.
Was ich immer wieder bemerke: Hier wird sehr viel Plakatwerbung gemacht. Demnächst sind hier wohl Wahlen und die Aufschriften sind aus deutscher Sicht teilweise unbegreiflich: "Der Beitritt zur Nato ist das Ende Österreichs" oder auch wie "Wir werden unsere Souveränität nicht aufgeben!" Auf vielen Hauswänden sehe ich auch Sprüche, die sich Eindeutig gegen den Beitritt Österreichs zur EU oder gegen Ausländer richten. Zwar schon veraltet, aber trotzdem auffallend. "Betritt zur EU und Österreich verschwind' im nu!" und all solche Sachen. An das Meiste kann ich mich jetzt nicht mehr erinnern. Ganz zu schweigen von den Plakaten der rechten FPÖ, die sich ihre Ausrichtung auf den meisten Plakaten in kaum einem Wort anmerken lässt. Der Heider wäre für niedrigere Mieten - wie in Kärnten. Durch seine dortige Landesmacht dort wohl schon geschehen. Es scheint, dass viele Österreicher nicht sehr viel nach dem zweiten Weltkrieg gelernt haben. Über dieses Thema könnte man noch viel schreiben und ich möchte nun auch nicht alle "Ösis" unter einen Teppich kehren. Man muss es schließlich auch einmal ansprechen. Vor allem, da Heider in den Bundeswahlen im folgenden Herbst beinahe die Hälfte aller Stimmen bekommen hat und somit eine entscheidende Rolle in der Regierung spielt.
Abends mache ich mir auf dem Kocher eine Dose mit Möhren und Bohnen warm und versuche erfolglos eine Spargelsuppe zu kochen. Die schlechteste, die ich je gegessen habe! Aber dafür bin ich satt wie lange nicht mehr.
Ich fahre noch mal zu Weigelts, mache mich aber recht schnell wieder auf den Rückweg zum Campingplatz. Der Gasthof hätte heute Ruhetag und ich würde ja eh nur stören. So langsam frage ich mich, warum ich nicht einfach weiterfahre. Viel hält mich hier wirklich nicht mehr.
Leider bekomme ich heute Abend doch noch einen triftigen Grund dafür hier zu bleiben. Im Zelt habe ich auf dem Kochgestell zwei Teelichter zum Lesen stehen. Darunter eine Zeitung, die eigentlich nur gegen tropfendes Wachs gedacht sein sollte. Ich halte es nicht für nötig die Teelichter während dem kurzen Zähneputzen auszumachen und verlasse das Zelt. Wie ich wieder zurückkomme, sehe ich schon aus der Entfernung, dass sie nicht mehr leuchten. Seltsam. Aber dann kann ja nichts Schlimmes passiert sein. Doch dann bekomme ich ein merkbar mulmiges Gefühl wie mein Zeltnachbar auf mich zukommt und ohne überaus große Wichtigkeit sagt: "Your tend was burning. I put it out, I put it out". Eine Millisekunde Grübelei in meinem Vokabular und mir kommt bei dem Wort "burning" eine Schauer über den Rücken gelaufen. Das darf doch nicht wahr sein, bitte nicht! Er zeigt mir eine total verkohlte Stelle an der Seite des Zeltes, die ich aus meiner Perspektive nur schwach erkenne. Ich sehe nur ein kleines Weggekohltes Stück der Stangenhalterung. Da ist wahrscheinlich zu viel Hitze rangekommen. Ich bedanke mich vielmals bei meinem Nachbarn für seine Einsatzbereitschaft. Er geht dann auch schon wieder zu seiner Freundin und kümmert sich nicht weiter darum.
Ich krieche ins Zelt um mir den Schaden etwas genauer anzusehen. Dann kommt der Schock. Fast ein Virtel der rechten Wand ist weg und ich habe einen tollen Blick auf mein Nachbarzelt! Als wenn das nicht genug wäre: Die ganze Mitte der Beiden Isomatten ist ebenfalls verschmort und stellt jetzt eine Verbindung mit dem auch angeschmorten Boden dar. Von der Zeitung ist praktisch nichts mehr zu sehen. Ich kann mir den Auslöser des Feuers einfach nicht erklären. Das einzig Erklärbare wäre, dass Wachs auf den Boden getropft ist und sich entzündet hat. Ich versuche die Isomatten vom Boden zu lösen und bringe sie in den Müllbehälter. Dabei gehen auch große Teile des darunter liegenden Bodens drauf. Die Frage ist, wie ich in diesem Zelt jetzt schlafen soll.
Nach kurzem Überlegen finde ich wenigstens eine provisorische Lösung. Ich nehme einen der Müllsacke aus der Fahrradtasche, in denen ich für üblich meine Klamotten wasserdicht verstaue. Auseinandergefaltet bietet sie ein Folienstück von gerade der Größe, mit der ich das Loch noch abdichten kann. Das mitgeführte Klebeband reicht gerade noch für das letzte Stück, doch gut halten tut es nicht gerade. Mit dem Schafsack auf dem harten Boden zu schlafen ist nicht gerade eine Wohltat. Aber was soll ich sonst machen? Der Gestank nach verschmortem Kunststoff ist nicht besonders erholsam. Hoffendlich kann ich hier überhaupt noch einschlafen. Und wenn es jetzt auch noch regnen sollte...
Morgen gibt's ein neues Zelt. Jetzt reichts!



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