Heute unternehme ich mit meiner Tante eine "Sonntagsradtour". Der Name spricht schon für sich...
Das Wetter ist wieder wunderbar. Der blaue Himmel lässt schon am Morgen einen sehr warmen Tag erahnen. Wir haben vor, zum Flugplatz Schleißheim zu fahren. Heute will ich es mir nicht nehmen lassen ein paar Luftfotos von München und Umgebung zu machen. Meine Tante drückt mir einen weiteren Film in die Hand - den sie später im Fotolabor entwickeln wird - und hat auch vor einmal zu fliegen. Nach einigen Schwierigkeiten sind wir im Sonntagsfahrstil (bloß nicht über 15km/h - grauenvoll) am Flugplatz angekommen. Bei den Segelfliegern erfahre ich dann leider, dass sich die 25,- heute nicht lohnen würden. Am Himmel sind - kaum erkennbar - in großen Höhen leichte Schleierwolken, die die Sonnenintensität und somit auch ausgerechnet die Thermik negativ beeinflussen. An einen Flug über 5 Minuten hinaus ist nicht zu denken. So lasse ich es nur sehr ungern mit dem Flug sein und setze mich mit meiner Tante in den Biergarten. Sie spendiert mir einen Kuchen und schon geht's mir wieder was besser. Mit Segelfliegen und Fotos scheine ich hier echt kein Glück zu haben. Gestern der Film und heute das Wetter. Morgen ist das Wochenende vorbei und ich möchte weiterfahren - in die Alpen. Östlich von Innsbruck machen alte Bekannte von mir Urlaub. Auf eine weitere Segelflugmöglichkeit in München kann ich kaum noch hoffen.
Weiter gehen soll es zum großen Münchener Flughafen, der etwa 25km von hier entfernt liegt. In den Isarauen bieten die Bäume viel Schatten, nur die vielen Sonntagsfahrer auf dem Radweg nerven mich. Ist ja schon klar, dass ich etwas von der Landschaft sehen möchte, doch am Boden krabbelnde Insekten will ich eigentlich nicht studieren. Bei diesem Tempo, was die meisten drauflegen, kippt man ja fast um! Ok, zugegeben, meine Tante fährt auch nicht viel schneller. Gewöhnungssache...
Der Weg verläuft durch und durch auf guten Waldwegen. Auf den Kiesbänken der Isar sieht man heute viele Leute in Badehosen, die sich ins kühle Nass stürzen.
Nach einer unendlich erscheinenden Zeitspanne kommen wir am Flughafen an.
Wir sehen uns etwas auf dem Flughafen um, und gehen ein dringend benötigtes Eis essen - bei dieser Hitze. Nachdem wir uns den Verkehr vom Besucherhügel aus angesehen haben, fahren wir durch den Tunnel unter dem Vorfeld durch zu den Terminals. Ab hier wollen wir die Bahn zurück nach München nehmen. Irgendwie ist der Bahnhof jedoch verdammt schwer zu finden und ich merke mal wieder, dass ein Flughafen - wie in Frankfurt - überhaupt nicht auf Fahrräder eingereichtet ist. Nach langer erfolgloser Suche kommen wir zum neuen Terminal 4. Hier drinnen findet gerade eine riesige Feier zur Fertigstellung dieses neuen Bauwerkes statt. Man hat, wie im Hamburg Hauptbahnhof, einen guten Überblick über das Geschehen in der Menschenmasse dort unten. Doch von einer S-Bahn-Station ist immer noch nichts zu sehen. An einer Ecke treffe ich eine Aufsichtsbeamtin, die ich nach dem Weg zur S-Bahn frage. Für die Antwort lässt sie sich unangenehm viel Zeit und mustert mein dreckiges Fahrrad, das ich über den schönen, neuen, glänzenden Boden schiebe.
Vollkommen irritiert fragt sie mich: "Mit den Fahrrädern?". So viel scheint sie hier nicht mit Radfahrern zu tun zu haben. Nach einigem Gewühl, an reisenden und Geschäftsleuten vorbei, geht es wieder eine weitere Treppe zum S-Bahnhof runter. Jetzt gibt es schon wieder ein Problem. Eigentlich darf man dieses Gebiet nicht ohne Fahrkarte betreten. Also geht meine Tante noch einmal hoch und sucht einen Fahrkartenautomaten. Ein Englisch sprechender Reisender fragt mich nach einem bestimmten Weg, ich kann leider nicht weiterhelfen. Das war meine Probe im Praxis-Englisch. Und ich will ins Ausland mit meinem Rad...
Wir schaffen es noch eine der halbstündigen Bahnen kurz vor Abfahrt zu bekommen und machen uns auf den Rückweg. Wieder in der Wohnung angekommen scheint die Sonne immer noch so stark, als wenn sie heute gar nicht mehr untergehen würde. Ich sehe mir noch einmal die Alpen aus dem Wohnzimmerfenster an. Jetzt kann mich nichts mehr zurückhalten. Morgen geht's weiter!