"Beendung der Etappe 1 mit Medienrummel!"

Nach zwei Tagen schlafloser Nächte habe ich endlich mal wieder gut geschlafen. Draußen scheint die Sonne und es sind nur ein paar Wölkchen zu sehen - bis jetzt. Die Amis neben mir sind mal wieder nicht zu sehen. Bis zur Abreise werde ich sie auch nicht mehr zu sehen bekommen. Da stellt sich doch die Frage, wie die überhaupt vorwärts kommen. Aber das sollte mich ja nichts angehen.

Erst um etwa 11 Uhr fahre ich los. Über dem hügeligen Vorland von München machen sich langsam dunkle Wolken breit, die auf Regen nicht lange warten lassen. Diese Landschaft hier ist einmal etwas ganz anderes. Eigentlich ein starker Kontrast zum nahegelegenen München. Ich durchfahre Unzählige Bauerndörfer mit kleinen Tante-Emma-Lädchen und Leuten mit merkbar bayrischen Akzent. Doch mit besonderen Reizen lockt diese Landschaft meiner Meinung nach nicht gerade. Vielleicht liegt es auch einfach an dem schlechten Wetter, dass ich hier erleben darf. Meine Regenklamotten sind dabei durch den Schweiß von innen fast feuchter als von außen.

In einem Dorf muss ich erst einmal wieder einkaufen.

So, eine Schokolade, Müllermilch und ein paar Brötchen. Wie es mir morgens langsam zur Gewohnheit wird. Während der Verkäufer mit der Kundin vor mir einen Schwatz hält, verstehe ich praktisch gar nichts. Doch bei mir kommt man gleich wieder auf das gepackte Fahrrad. "Hamburg?" Er - der Verkäufer - meint dass er einen Cousin aus dem Rheinland hat, der einmal mit dem Fahrrad zu ihm gekommen wäre. An einem Tag!!! Da fühle ich mich doch etwas mickrig mit seinen 130km am Tag. Na dafür schleppe ich mein Gepäck selbst! Nach Wünschen zu guter Weiterreise mache ich mich auf nach Fürstenfeldbruck.

Fürstenfeldbruck
Fürstenfeldbruck

Ich lasse es mir natürlich nicht nehmen, den auf der Strecke gelegenen Militärflugplatz einmal zu umfahren. Leider aber ist außer der Kaserne und Soldaten nicht viel zu sehen. Dabei hätte ich echt gerne einmal einen dieser Tornado-Kamfjets starten sehen. Schade, aber lässt sich wohl nichts dran machen. Dafür hat die Sonne es sich wohl anders überlegt und beginnt mich in meinen Regenklamotten regelrecht zu braten.

Ab jetzt folge ich der S-Bahnstrecke bis nach München.

Der Ortseingang kommt ziemlich unerwartet. Es hätte genauso gut eines dieser kleinen Dörfer von vorhin sein können. Doch: Ich bin da! Die Strecke Hamburg-München habe ich endlich geschafft! Ich kann meine Freude überhaupt nicht unterdrücken, hüpfe erst einmal vom Rad und mache ein stolzes Foto. Meine Zufriedenheit muss man mir ansehen können. Ein Auto fährt vorbei und eine Frau ruft freundlich aus dem Fenster: "Prima gmacht!" Ich bin in München!

Ankunft in München
Ankunft in München

Auf den anfänglichen Höhenflug folgt natürlich wieder die Ernüchterung. Jetzt gilt es, sich mit einer Radkarte durch die vielen Stadtteile Münchens zu wühlen.

Dabei komme ich an einem alten Haus vorbei, an dem eine große Ansammlung Menschen steht. Das Schild "Durchfahrt verboten" hatte also doch etwas zu bedeuten. Kurz davor werde ich hastig von einem Angestellten gestoppt. Das stoppende Hinterrad schlurft durch den Kies und bleibt gerade noch rechtzeitig stehen. Von hinten höre ich leise Flüche und am Haus Schüsse. Ups! Da habe ich wohl irgendwas versaut! Man kann ja nicht alles vorhersehen. Hier (sollte) eigentlich eine weitere Szene zu einer neuen Actionserie bei RTL entstehen. Kleinlaut fahre ich nach Öffnung der Absperrung weiter, werfe noch einen Blick zurück und mache mich davon.

Na wenigstens bin ich jetzt auch indirekt im Fernsehen... Actionserie? Pah! Meine Radtour ist die einzig wahre Action...

Am Ende fahre ich noch durch ein paar noble Villengegenden. Dort muss man immer Angst davor haben, dass man an der nächsten Ecke von einem Tennis -oder Golfball erschlagen wird.

Nach eifrigem Studieren der Karte erreiche ich endlich die Wohnung meiner Tante. Nach sehr freundlicher Begrüßung hilft mir einer meiner Cousins (mehr oder weniger freiwillig...), das Gepäck in den 6. Stock (!) zu tragen. Einen Aufzug gibt es ausgerechnet hier nicht. Ein etwas mulmiges Gefühl habe ich, wie mein Cousin erwähnt, dass ich das Rad hier im Keller auf jeden fall abschließen sollte.

Jetzt werde ich mich erst einmal zwei Tage ausruhen und dann soll es weiter nach Österreich gehen. Erst einmal kann ich wieder den Luxus einer Matratze, warmem Essens und einer - wenn auch von der Katze beanspruchten - Bettdecke genießen.

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