Ausland...
Jetzt fehlt es eigentlich nur noch, dass dieses Haus aus Lebkuchen gebaut ist. Erst die alleinlebende Herbergsmutter und dann diese scheiß Katze. Am Abend hat es angefangen, dass ich vor der Tür so ein komisches, nicht aufhören wollendes Knarzen hörte. So konnte ich die ganze Nacht über kaum schlafen. Um 5 Uhr bin ich es dann leid. Wut entschlossen stampfe ich zur Tür. Dazu fähig alles umzubringen, was dieses Geräusch verursacht. Ich wollte ja eigentlich nur mal wieder ruhig schlafen. Aber nee! Was saß da vor der Tür? So eine beschissene miauende Katze! Erst einmal bin ich ziemlich verdutzt und jage dieses Scheißvieh dann, in der Hoffnung dass es nie mehr wiederkommt, bis in den nächsten Stock. Doch nach einer halben Stunde ist meine neu gewonnene Ruhe wieder vorbei.
Am morgen sitze ich dann als einzige Person in der iresigen Kantine. Nachdem ich um 8(!) Uhr geweckt wurde. Schon etwas merkwürdig. Die Heizung scheint man für mich auch nicht angedreht zu haben. Ich friere wie bescheuert.
Das einsammeln der aufgehängten Klamotten dauert noch bis 10 Uhr. Dazu sind die meisten immer noch zum auswringen nass.
Wie ich endlich fahre, kommt auch die erwartete Gruppe Schüler. Das ist mir ja zum Glück was erspart geblieben. Eine riesige Gruppe von kleinen Kindern. Die wären noch schlimmer gewesen als die scheiß Katze.
Kurz nach Abfahrt kommt ein historischer Moment! Mein Tacho steht auf Kilometerstand 1000!

Kilometerstand
1000
Kaum bin ich aus dem Tal raus, steht die beeindruckende Schwäbische Alb vor mir. Die Berge sehen ziemlich untypisch aus für Deutschland. Sie bieten eine wunderbare Kulisse. Sie sehen aus, wie überdimensionale Baumstümpfe mit einer Hochebene darauf. An ihnen zieht sich Wald wie Moos hoch. Gekrönt wird alles durch langgezogene dünne Wölkchen, die darüber schweben.
Hinter Weiler kommt dann auch schon die erste Steigung von gleich 18%. Ziemlich unangenehm. Doch der Blick über zurückliegende Landschaft entschädigt für alles. Oben habe ich dann zu ersten Mal einen offiziellen Pass mit meinem Fahrrad bezwungen. Den 630m hohen Furtlepass. Na ja. Winterberg hat höher gelegen. Doch die Landschaft hier ist dafür beeindruckender und dünner besiedelt.

Am
Furtlepass
Über eine holprige, kleine Straße fahre ich wieder bergab bis nach Lauternstein. Der Ort ist inmitten der recht steil ansteigenden Berge gelegen. Auf der stark befahrenen B466 muss ich dann wieder bergauf bis nach Böhmenkrich. Die erwartete Abfahrt bleibt aus. Der Ort liegt inmitten auf einer Art Hochebene. Stören sollte mich das nicht sehr. Ich werde von einer leichten Brise Gegenwind abgekühlt und ist hinter dicken Wolken verschwunden. Es fängt für kurze Zeit sogar leicht an zu regnen und die Temperaturen kühlen so weit ab, dass ich mir meine Jacke anziehen muss.
Auf der weiteren Strecke geht es durchgehend leicht bergab bis nach Heidenheim. Ich weiß nicht so recht, ob ich mir das einbilde... Aber die Leute - besonders die Autofahrer - werden hier deutlich unfreundlicher. Ich weiß nicht, wie oft ich hier den Mittelfinger 'vorgezeigt' habe. Vom hupenden Mercedes-Fahrer bis zum meckernden Rentner. Meine Wut steigert sich darüber so in die Höhe, dass ich in meinen Gedanken die Stadt mit Freuden abfackeln sehe...
Weiter geht es bis nach Giengen zur Bayrischen Grenze. Bis hier hin wirken die Leute alle sehr unfreundlich. Ich bin echt ratlos, was denen ihre Laune verdorben haben könnte.

Nahe
der Donau
Bei Gundelfingen treffe ich an die Donau und somit auch auf den beinahe legendären Donau-Radweg. Einen so gut ausgeschilderten Radweg habe ich echt noch nie gesehen. Ich beneide die entlang der Donau reisenden Radfahrer schon ein wenig. Aber wo bleibt da auch der Spaß der unfreiwilligen 'Schnitzeljagt'.
Nach verlassen der Donau frage ich in dem kleinen Dorf Fristlingen ein altes Ehepaar nach dem Weg nach Augsburg. Sie arbeiten gerade im Garten und der Mann spontan ausführlich auf meine Frage ein. Zu ausführlich für meinen Geschmack. Er liefert sich mit seiner Frau eine Diskussion von mindestens einer viertel Stunde; welcher denn nun der beste Weg für mich wäre. Dabei staunt er über meine Herkunft schon ein wenig und erwähnt, dass er noch nie über Frankfurt hinausgekommen wäre. Das es so was noch gibt! Auch scheint er darauf sehr stolz zu sein, dass man hier grundsätzlich statt 17 Uhr 5 Uhr mittags sagt. Nun, genug dazu...
Der gewählte Weg meidet nahezu jeden Hügel. So komme ich schnell nach Biberbach, wo ich meine Fahrt auf der "Romantischen (Rad-)Straße" weiterführe. Mein heutiges Ziel soll einer der Campingplätze am Flughafen Augsburg, nordöstlich der Stadt, sein. Vorher habe ich noch die Ehre, 5 Kilometer auf einem "besonders massierenden" Schotterweg am Lech zurückzulegen. Von dieser Strapaze erholt, steuere ich endlich auf einen Campingplatz zu. Zwischendurch wird mir noch ein anderer empfohlen, der etwas weiter weg liegt. Also fahre ich ihn an. Es ist ein recht großes Campinggelände mit einer Art Verwaltung und einem Campingladen. Bis zur Anmeldung darf ich noch längere Zeit auf die Besitzerin warten und sehe mich ein bisschen im Laden um. Die Angestellte hilft mir verzweifelt einen billigen Campingkocher zu finden. Ewig kalte Mahlzeiten sollen endlich mal ein Ende haben! Leider finden wir keinen und ich muss weiter ohne warmes Essen auskommen. Was der Verkäuferin sehr peinlich zu sein scheint.
Nach der Anmeldung stelle ich mein Zelt direkt neben dem von zwei Amerikanern auf, die ebenfalls mit dem Rad hier sind. Ich habe sie bisher nur flüchtig gesehen. Ich würde sie gerne fragen, welche Strecke sie hier in Deutschland fahren. Ein bisschen Informationsaustausch unter Gleichgesinnten wäre sicherlich nicht schlecht. Bisher habe ich nicht einen Reiseradler auf einem Campingplatz getroffen.
Am Stadtrand von Augsburg versuche ich noch eine Tankstelle zu finden. Nach erfolgloser Suche wende ich mich an eine Familie, die gerade im Vorgarten arbeitet. Der etwas ältere Sohn schwingt sich spontan aufs Rad und führt mich über mehrere Schleichwege zu einer Autobahntankstelle. Ich muss dringend noch Batterien kaufen, sonst stehe ich gleich im Dunkeln in meinem Zelt. Unter 9,- ist keine 4er-Packung zu bekommen. Ich frage den Verkäufer, warum die denn so teuer wären. Nach einigen Ausschweifungen gibt er es dann indirekt zu, dass sie hier eben Wucher sind. Billiger bekomme ich sie leider dennoch nicht.
Dann fahre ich noch kurz zum Augsburger Flughafen, der heute abend wenig Betrieb hat. Die Sonne steht schon tief am Horizont und bevor es dunkel wird, sollte ich die Taschenlampe in meinem Zelt doch noch finden können.

Flughafen
Augsburg
Wie ich zu meinem Zelt komme, steht da plötzlich die Verkäuferin aus dem Laden vorhin, davor. Sie hält eine kleine Blechbox und eine schon geöffnete Packung Teelicher in den Händen. Mit ihrem tschechischen Akzent versucht sie mir zu erklären, wofür die kleine Box gut ist. Es ist ein kleiner aufklappbarer Militärkocher aus Tschechien, den sie von ihrem Mann hat. Das kein Campingkocher im Laden vorhanden war, scheint ihr wohl so zu Herzen gegangen zu sein, dass sie hier mit diesen beiden Geschenken vor meinem Zelt gewartet hat. Ich nehme die beiden Sachen mehrfach dankend entgegen. Auf dem Campingkocher steht irgendeine seltsame Aufschrift. Er ist aber so sauber, dass er wohl noch nie benutzt wurde. Ein Geschenk dass ich später noch sehr oft gebrauchen werde. Nur die Teelichter werden mir noch eine unangenehme Zeit bereiten...
Das Dumme ist nur: Jetzt habe ich einen so wunderbar anzusehenden Kocher und nichts zum kochen.
Hoffentlich bekomme ich morgen in München eine warme Mahlzeit. Wenn ich bei meiner Tante ankomme.