Abschied vom Neckar und andere "Verrückte" wie ich

Bis 9 Uhr ausschlafen und die Sonne ist noch nicht ins Tal gekommen. Wunderbar! Das Zelt wird an diesem Morgen noch nicht so früh aufgeheizt. So kann ich mich in aller Ruhe dem Frühstuck und den anderen sich allmorgendlich ergebenden Pflichten widmen. Bei dem schönen Wetter würde ich ja gerne noch mal ein paar runden im vorhandenen Swimmingpool schwimmen. Er ist aber um diese Uhrzeit leider noch nicht geöffnet und so darf ich mit weiterhin nur mit Duschen begnügen. Wobei ich auf dieser Radtour des öfteren an Freibädern vorbeigefahren bin und kurz davor war bei dieser Hitze ins Wasser zu springen. Doch dann hätten sich natürlich wieder die üblichen Probleme ergeben: Wohin mit dem, Gepäck, dem Fahrrad.... Ärgerlich!

Auf der Fähre
Auf der Fähre

Heute kann ich ja wie gesagt meine ganzen Pläne für Stuttgart über den Haufen werfen und möchte es auf nordöstlichem Wege mit dem nächsten Ziel München umfahren. Doch erst einmal muss ich durch das Neckartal bis nach Neckarsulm kommen. Nach der Abmeldung in der Rezeption kaufe ich noch zweimal ein und folge weiter dem Neckar-Radweg. Er schmiegt sich durchgehend dicht an den Neckar und gleich auf der anderen Seite sind waldbewachsene Hänge.

Mit dem Weg kann ich zufrieden sein wie nie.... nur mit der Karte habe ich zu Recht noch so einige Probleme. Wie gestern, zeigt sie mal wieder an einer bestimmten Stelle eine Brücke an. Problem: Der Weg verläuft ohne Vorwarnung in seicht in den Neckar. Ich bleibe erst einmal verdutzt davor stehen. Auf der gleichen Seite weiterzuvahren ist wegen des Wegelosen Naturschutzgebietes unmöglich. Dann aber schon sehe ich eine kleine Fähre mit ratterndem Motor auf mich zutuckern. Sie läuft auf den in den Fluss führenden Weg auf, setzt eine Frau mit zwei Kindern ab und der Fährmann lässt mich aufsteigen. Das Ganze Kostet 1.50DM. Glück gehabt! Soviel habe ich gerade noch dabei. Der Fähmann erinnert mich ein bisschen an die alten, rauhen Seeleute der Nordsee. Er scheint hier ein wenig deplatziert. Die kleine Fähre schippert langsam, sich an einer Kette entlangziehend, auf das andere Ufer zu und läuft schließlich auf. Ich verabschiede mich und schon nach einigen Kilometern gibt es wieder eine Brücke auf die andere Seite...

Blick von einem der Wehre
Blick von einem der Wehre

Während einer keinen Pause fährt ein anderer Reiseradler an mir vorbei ohne mich zu bemerken. Ich bin gerade mit der Pause fertig und hole ihn auch schon nach kurzer Zeit ein. Ich fahre wieder einmal ein kleines Stück umbemerkt hinter dem anderen her, während er vor sich hin pfeift. Dann reden wir über das typische Woher und Wohin und unsere bisherigen Erfahrungen, während die wunderbare Landschaft an uns vorbeizieht. Ok, so ganz wunderbar ist sie auch nicht. Darunter war natürlich wieder einmal, ein für deutsche Landschaften nicht wegzudenkendes, AKW.

Bei Obrigheim verabschieden wir uns. Er möchte mit der Bahn zu seiner Freundin weiterfahren.

Die Berge um den Neckar werden immer niedriger und gehen schließlich vor Neckarsulm in seichtes Hügelland über. Zwischendurch beobachte ich einen gespielten Luftkamp zweier Düsenjets über dem Tal.

Östlich von Neckarsulm erstrecken sich wieder viele Weinberge. In der Stadt kaufe ich noch eine weitere benötigte Landkarte. Nach kurzer Fahrt über einige Weinberge komme ich auf den Kraichgau-Burgen-Radweg. Bis ins kleine Dörfchen Adolzfurt folge ich diesem Weg und verlasse ihn dort in Richtung Wüstenroth. Für mein heutiges Ziel - es ist schon Abend - habe ich mir den Campingplatz bei Kreuzle, einem kleinen Dorf, gesetzt. Ich suche mal wieder verzweifelt nach einer Ecke wo ich meine Blase entleeren kann. Danach komme ich in einen kleinen Ort mit Tante-Emma-Lädchen und kaufe mir ein paar Lebensmittel. Die Besitzerin kommt natürlich sofort mit über mein bepacktes Fahrrad ins Gespräch. Was ich nicht wusste, sollte jetzt kommen. Im Laden werde ich vorgewarnt und nun habe ich eine nicht enden wollende Steigung nach Kreuzle zu bewältigen. Im Endeffekt ca. 300 Höhenmeter! Keuchend oben in Kreuzle angekommen, frage ich einen Bauern nach dem Campingplatz und muss meine Anfrage drei Male wiederholen. Bis ich endlich aus dem Schwäbischen Geschwätz filtern kann, dass dieser Campingplatz nur für Dauercamper ist. Also weiter nach Wüstenroth. Mein erster Eindruck ist, dass die Menschen hier etwas rauh -undfreundlicher sind. Das sollte aber auf weniger gesprächig, in Bezug auf den Landwirte, erwähnt werden. Mit wird sogar noch ein eigentlich geschlossener Getränkemarkt geöffnet. Nur damit ich mir eine Flasche Cola kaufen kann. Das nenne ich Kundenservice!

Kreuzle
Kreuzle

Durch einen Wald komme ich schließlich zum Campingplatz von Wüstenroth. Der Name des Ortes hat übrigens wirklich etwas mit der für wohl jedem bekannten Bausparversicherung zu tun. Es gibt sogar ein Bausparmuseum! Der Campingplatz selbst wirkt für mich etwas schmuddelig. Eine Wiese neben einem kleinen Dorf-Freibad. Für die Toiletten gibt es einen Container. Die vielen Wohnwägen scheinen überhaupt nicht bewohnt zu sein. Außer einem einsamen Caravancamper scheint sich hier, einsam im Wald gelegen, diese Nacht überhaupt keiner aufzuhalten. Schauder! Dafür ist wenigstens der Preis von nur 8,- angemessen.

Ich fahre noch kurz in den Ort um nach Hause zu telefonieren und verkrieche mich direkt nach dem Zähneputzen in den Schlafsack. Bis zum Morgengrauen bringt mich hier hoffentlich, abgelegen in aller Dunkelheit, nichts raus - glaubte ich...

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