Durch die 'Zivilisation'
Von einer ruhigen Nacht kann nicht gerade die Rede sein. Ich bin x-Mal druch das geknistere dieser beschissenen Plane über meinem Zelt wach geworden. Wobei ich für normal nicht einmal von leichten Erdbeben zu wecken bin... Ich habe mir die Plane in Brilon als Ersatz für den verlorengegangenen Überzug gekauft, konnte aber nicht wissen, dass sie so papierdünn ist und bei jedem Lufthauch ein Knistern mit sich bringt.
Der Morgen beginnt recht ruhig. Die Sonne steigt den Himmel herauf. So verspricht es wieder ein heißer Tag zu werden. Heute müsste ich in Frankfurt ankommen. Mal sehen. Über den mehr oder weniger existierenden Lahn-Radweg komme ich schnell nach Gießen. Dort verlässt mich mal wieder schnell der Orientierungssinn. Doch ein kurzer Blick auf die Karte genügt und schon kommen zwei Passanten an, die mir helfen möchten. Das dauert zwar seine 10 Minuten. Ein Gespräch zwischendurch erfreut mich aber mal wieder. Irgendwie kam mir einer der beiden von Aussehen her so vor, wie ein Kandidat der Grünen... hmm...
Es ist etwas schwierig, sich die vielen Einzelheiten der Wegbeschreibung zu merken. Doch so kompliziert sie auch ist, sie ist richtig! Um sicher zu gehen, frage ich noch einmal einen Passanten, der mir mit einem starken alkoholgetränkten Nuscheln versichern kann, dass ich in "Giesche" bin... Ah ja!
In Butzbach ist besonders die schöne Altstadt sehenswert. Für mich natürlich nur im vorbeifahren. Einige Zeit später stehe ich vor Bad Nauheim. Ein Radfahrer beschreibt mir den Weg, den ich fahren soll. An einem Golfplatz vorbei usw. Dummerweise verwechsele ich den Golfplatz mit einem Tennisplatz, fahre quer durch einen Fußgängerpark und finde mich so im Nachbarort Friedberg wieder.
Warum musste ich nur diese Route wählen? Warum? In Ockstadt qäulen mich unzählige Plakate, die SAFTIGE Kirschen anpreisen. Vom Geruch ganz zu schweigen! Gerade wo mir die Getränke ausgegeangen sind!
Auf einmal finde ich mich auf einem Flohmarkt wieder. Wie ich es endlich heraus geschaffe, habe ich keine Motivation mehr. Doch was dann! Ich fahre wieder einen der kleinen seichten Hügel herauf und: Die Skyline von Mainhattan!!! Seit Srunden habe ich darauf gewartet. Jetzt steht sie endlich vor mir. Ein Orientierungspunkt mehr. Nur der Weg wird nicht gerade leichter. So erfahre ich im kurze Zeit später den härtesten geplasterten Weg, den ich je gesehen habe.

Auf
dem Weg nach Mainhattan
Stunde um Stunde wird die Skyline jetzt größer. Auf der rechten Seite ist der stark von Wald bewachsene Taunus zu sehen. Die kleinen Orte werden immer zahlreicher, bis ich dann endlich in Frankfurt bin. Ich habe eine bestimmte Straße angepeilt, die entlang einer Bahnlinie fast geradeaus ohne Probleme durch das Zentrum führen müsste. Um auch sicher auf diese Straße zu kommen, frage ich wieder einen Passanten, der mich ein bisschen an die Wiedergeburt von Hitler erinnert. Scheitel, Schnurbärtchen und eine rasselnde befehlige Stimme. Der Weg ist trotzdem richtig. Die Straße ist abgesehen von den vielen Ampeln an diesem Sonntag wunderbar zu befahren. Glück, dass ich dies nicht zur Feierabendszeit mache. Dann muss hier die Hölle los sein. Es lässt sich in einer so großen Stadt natürlich nicht vermeiden, dass ich mich beobachtet fühle. Von allen seiten starren mich die Leute an. Wie oft sieht man hier wohl einen Reiseradler mit viel Gepäck? Mitten in der Innenstadt - zwischen den Wolkenkratzern - komme ich plötzlich auf die irrsinnige Idee, dass ich mir mal die Börse ansehen könnte. Dumm ist nur, dass ich nicht im geringsten weiß, wo die liegt. Wenigstens finde ich das ähnlich aussehende Gebäude der Dresdner Bank. Das ist es ja schon - fast!
Auf einer Brücke über den Main werfe ich noch einmal einen Blick zurück. Riesig. Die Wolkenkratzer sind so wie man sie von Foto's kennt. Nur viel größer.

Skyline
Auf der Südlichen Seite des Mains wirkt die Stadt dann etwas ärmlicher. Viele Wohnblöcke und dreckige kleine Bahnhöfe. Irgendwie schaffe ich es aber doch in das südlich von Frankfurt gelegene Waldgebiet. Trotz Hilfe von Spaziergängern finde ich keinen richtigen Weg. Zudem sind nicht alle Wege und Bahnlinien in meiner Karte eingezeichnet. So finde ich mich in Zeppelinheim wieder. Am Imbiss stille ich erst einmal meinen Hunger und rufe erst einmal kurz zu Hause an. Hier ist in der Karte ein Weg eigezeichnet, den es überhaupt nicht gibt und so schlage ich eine Andere Richtung ein. In Walldorf gibt es den Campingplatz Gundhof. Vorher muss ich aber noch Geld von der Bank holen. Doch was mich daran hindert, ist die Sturheit des Automaten bei der Sparkasse (ich bin bei der Volksbank), der mir hier angeblich um diese Uhrzeit kein Geld ausgeben kann. Eine Volksbank finde ich nicht und so fahre ich erst einmal zum Campingplatz. Er wirkt auf den ersten Blick wieder einmal nicht besonders behaglich. Wieder so ein 'Spießer-Camp'. In einem der Wohnmobile treffe ich das mies gelangweilte Besitzerehepaar bei der typischen Dauercampertätigkeit. Wobei wohl? Fernsehen! Auf die Frage, ob ich wenigstens mein Gepäck hier lassen kann, bis ich einen Geldautomaten gefunden habe, weist mich die Besitzerin - eine braungebrannte 40er-Jahre - "Schönheit" - störrisch ab. So muss ich mir das nun auch nicht bieten lassen! Ich möchte gern mal wissen wie die ihre Kunden hier behält...
Also fahre ich weiter zum Campinglatz Möhrfelden am Autobahnkreuz. Vorher finde ich auch noch eine Volksbank im Ort. Hier erfahre ich das totale Gegenteil zum vorherigen Campingplatz. Der Besitzer ist freundlich und führt mich mit seinem alten klapprigen Rad zu einem schönen Platz. Neu motiviert baue ich mein Zelt auf, räume schnell das Gepäck heraus und mache mich kurze Zeit später auf den Weg zum Frankfurter Flughafen. Den möchte ich mir heute gerne noch für ein paar Foto's ansehen. Durch den Tunnel unter der Nord-Süd-Landebahn komme ich zur Einflugsschneise für die Jumbos, die mit donnernden Turbinen über einen hinwegdüsen. Viele 'Schaulustige' stehen hier und beobachten das Schauspiel. Nun möchte ich weiter zu den Terminals und auf die Aussichtsterasse. Der Weg zieht sich unglaublich lang. Ich hätte nicht gedacht wie lang eine solche Landebahn sein kann. In goßen Abständen folgen die Fracht-Gates, von denen es an der Zahl etwa 25 gibt. Es zieht an den Nerven, die einzelnen Gates liegen weit auseinander. Dann komme ich endlich zu den Terminals. Über das Straßenwirrwar finde ich auch einen Weg auf die höhergelegene Ebene und schließe mein Fahrrad (das einzige weit und breit...) an. Im Terminal stehe ich plötzlich in einer riesigen, geschäftigen Halle. Überall laufen Menschen herum. Polizisten, Angestellte der Fluggesellschaften, wartende und eilige Passagiere......
Ich kaufe noch eben eine Telefonkarte im Postamt. Der Angestellten ist es wohl auch nie passiert, dass jemand mit seinem Fahrrad von Hamburg bis hierher gekommen ist. Die Aussichtsterasse ist nicht gerade leicht zu finden. Ich frage sogar welche der zahlreichen Polizisten und finde sie dann endlich. Mein großes Pech ist aber, dass sie seit 10 Minuten geschlossen ist. Zu spät! Grummel!!!
An der Ostseite des Flughafens vorbei fahre ich wieder zurück zum Campingplatz. Ich beobachte noch ein paar startende Flugzeuge und komme über dem falschen Weg zufällig zum Stützpunkt der US-Airforce. Ein riesiges Schild vor dem Eingang lässt die Basis nicht übersehen. Irgendwie ist aber keiner zu sehen und so...Knips! ein Foto mehr. Ob das erlaubt ist oder nicht...

US-Airbase
Kurz vorm Campingplatz mache ich noch einmal einen Stop bei der Tankstelle und decke mich mit Lebensmitteln ein. Dann rufe ich noch einmal zu Hause an und schlage mir gemütlich im Zelt den Magen voll. Was für ein Tag!...