Oma's Küche

Mein erster schöner Eindruck dieses Tages ist: Es hat nicht geregnet! Alles ist trocken und ich krieche in einem schönen, sonnigen Morgen aus dem Zelt. Das Packen gelingt mir einigermaßen routiniert. Während hinter der hohen Mauer des Übrungsplatzes immer noch die Gewehre klackern, fahre ich in Richtung Paderborn. Noch einmal kurz zur Bäckerei wobei ich den Postboten nach dem Weg frage. Ich mache dieses Mal wieder genau die gleichen Erfahrungen, wie auf meiner letzten Tour in dieser Gegend. Die Leute begegnen mir auf mein gepacktes Fahrrad besonders freundlich und interessiert - wünschen mir auch gute Weiterreise. Wie der Postbote mich nach meinem Weg fragt, antworte ich nur, dass es einfach in Richtung Iatlien geht. Nun, ob ich das selbst noch so ernst nehme? Ich freue mich schon seit gestern darauf, dass ich heute bei meiner Oma ankommen werde. Ein gemütliches Bett und gutes Essen wird's bestimmt geben. Seit beginn der Tour gab es das nicht mehr und der Qaurkkuchen aus der letzten Tankstelle hat wie ein Sack Zucker geschmeckt.

Es bewölkt sich und im Gewirr der Innenstadt verliere ich die Sonne als Orientierungspunkt. So verfahre ich mich um mehrere Kilometer in eine vollkommen falsche Richtung, bemerke es aber dennoch glücklicherweise früh genug.

Dieses Mal möchte ich nicht die vielen Land -und Nebenstraßen nehmen und wähle den Alme-Radweg, der mich bis nach Büren führen soll. Folgend dem kleinen Fluss ziehen sich an den Seiten die Felder immer höher. Bis der Weg mitten durch ein Tal führt. Natürlich muss es anfangen zu Regnen! Die Regenklamotten angezogen und weiter geht's. Jetzt stellt sich auch heraus, dass meine 'biszumgehtnichtmehr' imprägnierte Regenhose doch undicht ist. Doch so weit bis zum Ziel ist es ja zum Glück heute nicht.

Über einen Versehentlichen Umweg komme ich an der Wewelsburg vorbei. Der - wie ich später erfahre - ehemalige Sitz der SS. An der Anderen Seite des Tales kann ich schwach in der diesigen Luft den auf dem Horizont liegenden Paderborner Flughafen ausmachen. Dann folgt eine Abfahrt, während der ich meine Karte verliere. Ich klemme sie für üblich immer hinter den Getränkehalter, doch Dummerweise halten die Karten nicht immer. Und mir fällt das ausgerechnet wieder erst auf, wie ich unten angekommen bin. Also mit dem ganzen Gepäck wieder nach oben und die Karte suchen. Dies wird leider nicht das letzte Mal sein, dass mir so was passiert...

Die Wewelsburg bei Büren
Die Wewelsburg bei Büren

Die Karte ist wiedergefunden und auf dem letzten Stück Schotterweg fahre ich nach Büren. Von Büren trete ich wieder - wie beim letztenmal - den Berg zur Harthöhe rauf. Oben auf der Hart angekommen stehe ich auf einer kleinen 'Hochebene', worauf eine Steile Abfahrt in das Almetal folgt. Die Auffahrt hat mich ziemlich viel Anstrengung gekostet. Während ich dem Verlauf des Schweißes folge, merke ich, dass mein T-Shirt inzwischen triefend nass ist. Doch wie ich den Pullover ausziehe, fange ich an zu frieren. So schloddere ich auf der Fahrt bergab, obwohl ich mir die Landkarte ausgebreitet unter das T-Shirt gesteckt habe. Unten an der Alme angekommen, muss ich diesen nassen Lappen erst einmal ausziehen und mir ein trockenes Shirt aus dem Gepäck nehmen.

Nachdem ich Ringelstein - den Geburtsort meiner Mutter - verlassen habe verläuft der weitere Weg über eine sich stark durch das Tal schlängelnde Straße zwischen Tannenwald. Der endlosen Talstraße überdrüssig komme ich endlich zur Einfahrt auf die B480. Diese Straße führt mich auf die Briloner Hochebene. Nach kurzer Fahrt durch das Möhnetal komme ich zur Abzweigung nach Scharfenberg - Der Wohnort meiner Oma. Etwa 150 Höhenmeter sind noch zu bewältigen, dann stehe ich endlich vor dem Haus.

Ich werde mal wieder umsorgend begrüßt und bringe mein Gepäck gleich auf das Gästezimmer auf dem Dachboden.

Zum Abendessen muss ich Opa und Oma mal wieder klar machen, dass ich Vegetarier bin. Diese Tatsache wird von ihnen einfach nicht akzeptiert. Ich bin bis heute noch am rätseln, ob sie es bei jedem Besuch wirklich vergisst...

Auf Anfrage bekomme ich immerhin eine warme Sargelsuppe. Meine erste warme Mahlzeit seit 3 Tagen. Ein Genuss...

Vorheriger Tag | Übersicht | Tage 4-6