|Thailand - 6. Known unto god|

Heute verlassen wir Bangkok endlich mal für einen Tag und machen uns mit dem Touristenbus auf den Weg zur Brücke am "River Kwai" sowie den umliegenden Urwäldern. Den Meisten dürfte die Brücke aus dem Film Die Brücke am Kwai (Originaltitel: The Bridge on the River Kwai) bekannt sein; Einem Heldenepos über britische Kriegsgefangene unter der japanischen Besetzung Thailands.
Nachdem die verschiedenen Teilnehmer unserer Gruppe mit Kleinbussen von ihre Hotels zusammengebracht wurden, geht es mit dem Reisebus langsam raus aus dem Großstadtgewirr Bangkoks. Wir sind in einer Reisegruppe mit Touristen aus Australien, Neuseeland, den USA, Franzosen und anderen Teilen der Welt. Unser Reiseführer ist ein pummeliger Thailänder, der mich mit seinem ewig fröhlichen Gesichtsausdruck ein wenig an die Grinsekatze aus Alice im Wunderland erinnert.
Anfangs fällt es mir schwer sein Englisch überhaupt als solches, und nicht als Thai, zu erkennen. Sein Dialekt ist dermaßen stark, dass man daran schon Amüsantes finden kann. Zwischen seinen Erzählungen fängt er immer wieder an über eigene kleine Witze zu kichern. Nun, wenigstens haben wir einen fröhlichen Reiseleiter und nicht das ganze Unternehmen besteht aus Transvestiten. Die Dame, die uns gestern die Tickets verkaufte, kam mir in dieser Hinsicht schon etwas seltsam vor und hatte eine recht männliche Art sich zu bewegen. Soll jeder so leben, wie er es möchte.

Ich freue mich, endlich auch mal was von der thailändischen Landschaft sehen zu können. Kleine Bauernhäuser, die auf Stelzen in den überfluteten Reisfeldern stehen mit Unmengen an Palmen dazwischen. Vorbei an Banpong, der City of Nice People, erreichen wir schließlich Kanchanaburi. Wo früher nahezu ausschließlich Urwald war, steht nun diese große Stadt. Hier gibt es einen großen Soldatenfriedhof, auf dem besonders umgekommene Kriegsgefangene, aus dem Empire und den Niederlanden bestattet sind. Die Japaner versuchten im Zweiten Weltkrieg ohne Rücksicht auf Verluste innerhalb kürzester Zeit eine Bahnstrecke von Kanchanaburi nach Birma zu errichten, um die dort stationierten Truppen zu mit Nachschub zu versorgen. Die Invasion in Birma fand von der Seeseite her statt und nun musste dringend eine Landverbindung aufgebaut werden, um von Birma weiter in die englische Kolonie Indien vordringen zu können. Das Vorhaben scheiterte, da Japan den Krieg vor Fertigstellung der Strecke verlor. Bei diesem wahnsinnigen Vorhaben sind über 50.000 asiatische (die Schätzungen gehen weit auseinander) und 16.000 alliierte Kriegsgefangene an Malaria, Cholera, Unterernährung und Erschöpfung umgekommen.

Alliierter Soldatenfriedhof in Kanchanaburi
Alliierter Soldatenfriedhof in Kanchanaburi

Paradoxerweise wurde die Brücke dann 1945 von den Amerikanern zerstört und nach dem Krieg als Reparation von den Japanern wieder aufgebaut. Heute dient dieser Nachbau als eine große Touristenattraktion und alljährlich findet hier ein großes Festival statt. Wer's mag.
Um die Brücke herum ist ein großer Markt, der wohl nur von den hier herumschwirrenden Touristen lebt. Überall sind Österreicher, Japaner, Amerikaner, und, und, und mit ihren Videokameras zu sehen.

Fast in Burma...
Fast in Burma...

Ich versuche diesem Tumult zu entfliehen und gehe über die Brücke auf die andere Seite des Flusses. Nur noch wenige Touristen sind bis hier vorgestoßen und es ist schon deutlich ruhiger. Hier beginnt der Urwald und die Schienen verlieren sich zwischen den dichten Bäumen. Ich folge der Strecke noch ein wenig zu Fuß und gehe um die nächste Kurve. Wie ich wieder zurückkomme, fragt mich der Neuseeländer aus unserer Gruppe: "And? Have you been in Birma?". "Sure, close to, it's just over there...". Gleich hinter den Bergen beginnt das Land Birma, offiziell auch als Myanmar bekannt. Ein Land, das unter einer starken Miltärdiktatur leidet und von der Außenwelt nahezu abgeschnitten ist. Da ausländischen Journalisten der Zutritt verwehrt ist, gelangen Bilder über Massaker und sonstige Menschenrechtsverletzungen nur selten an die Außenwelt. Und wenn es doch jemand geschafft hat seine Bilder unter Lebensgefahr aus diesem Land zu schmuggeln, so landen sie in unseren Zeitungen, wenn überhaupt, unter der Rubrik "Aus Aller Welt". Gleich neben den neuesten Affären von Boris Becker und Co. Soviel zur Gerechtigkeit. Solange sich kein einflussreicher Redakteur oder Politiker dafür interessiert, werden die Menschen dort auch weiterhin unter dieser Diktatur leben müssen. Wer kennt dieses Land schon? Mich würde es unheimlich reizen, auch mal dieses wohl viel ursprünglichere Land zu besuchen. Nun ja, vielleicht beim nächsten Mal...

Mehr zu Burma, alias Birma, alias Myanmar auf diesen Seiten:
http://www.freeburmacoalition.org/
http://www.soros.org/burma/




Die Brücke am Kwai
Die Brücke am Kwai

Die Brücke am Kwai

Mit dem Bus geht es weiter zu einer kleinen Bahnstation nördlich von Kanchanaburi. Die Station liegt mitten im Nirgendwo in einer Ebene zwischen Bergen, wo alles grün ist. Die grandiose Landschaft erinnert mich mit den herausragenden Felsformationen an die aus Vietnam-Filmen. Leider scheint die Sonne senkrecht vom Himmel und für schöne Fotos ist das Licht viel zu stark. Unter Gehupe fährt nach einigen Minuten die Bahn nach Nam Tok ein. Nam Tok ist die letzte Station dieser Strecke, einige Kilometer von der Grenze zu Birma entfernt. Die Seitentüren und Fenster sind auch während der Fahrt geöffnet und man kann sich wunderbar den kühlen Fahrwind um die Ohren wehen lassen. Ich sitze die meiste Zeit auf der Türstufe und lasse mich bei der recht hohen Geschwindigkeit aus dem Zug. Nur nicht fallenlassen...
Anfangs geht die Fahrt noch durch große Felder, auf denen von "Thai-Gras" (Cannabis) bis Reis alles Mögliche angebaut wird.

Thai-Gras
Thai-Gras

Dann bremst der Zug ab und schleicht langsam an steilen Felswänden und über abenteuerlichen Holzviadukten den Fluss entlang. An kleinen Dörfern hält er kurz und es geht schnell weiter. An der Tür neben mir steht der grauhaarige Neuseeländer, der sich mit einem glücklichen Gesichtsausdruck ebenfalls den Wind um die Ohren sausen lässt. Auf dem Gegenüberliegenden Bergen ist eine riesige aus dem Urwald ragende Tempelanlage zu erkennen. Ich könnte hier stundenlang sitzen bleiben und die Landschaft an mit vorbeiziehen lassen.

Natürliche Klimaanlage
Natürliche Klimaanlage

Schaffner
Schaffner

Der River Kwai
Der River Kwai

Doch letztendlich ist auch diese Fahrt einmal zu Ende und wir fahren in den Bahnhof von Nam Tok ein. Ich hüpfe noch schnell auf der falschen Seite aus dem Zug um ein paar Steinchen der Bahnstrecke als Souvenir mitzunehmen. Irgendwann musste ich diesem Drang ja mal nachgeben.

Nam Tok
Nam Tok

Der Bus wartet bereits auf uns und schon werden wir zum River Kwai Village einige Kilometer weiter flussaufwärts kutschiert. Das River Kwai Village ist ein Touristendorf, streng durch Stacheldraht von der Außenwelt abgeschnitten. Genau eine dieser Einrichtungen, wie ich sie verachte. Vor der gibt es hier erst einmal Mittagessen. An einem Keyboard steht eine junge Thailänderin mit Kopftuch, die lustlos zu den Tastendrücken ein Englisches Lied herunterträllert. Routine.
Danach geht es zum Anlegesteg, wo die Fahrt mit dem Longboat beginnt.

Tochter des Long-Boat Fahrers am Anlegesteg
Tochter des Long-Boat Fahrers am Anlegesteg

Gegen die starke Strömung fahren wir etwa zwei Kilometer flussaufwärts und dann wieder zurück. Der Fluss ist an beiden Seiten von dichtem Urwald umgeben. Am Ufer ragen verzweigte Wurzeln aus dem schlammigen Wasser. Eine solche Vielfalt, die es zu entdecken gibt, dass mir die eine Woche hier in Thailand schon viel zu kurz erscheint.

Urwald
Urwald

Auf dem Weg zurück zum Bus müssen wir noch an einem Dodo vorbei, der einige Touristen auf Essbares hin untersucht. Die Rückfahrt nach Bangkok zieht sich. Man kann nur ein wenig vom Treiben auf dem Land beobachten. Ein Garagentor am Straßenrand ist mit der englischen, amerikanischen und deutschen Flagge im Großformat bemalt - die Deutsche hat Hammer und Sichel in der Mitte...
Jetzt am späten Nachmittag haben auch die Kinder schulfrei und man sieht vollbeladene Pick-Ups mit Schülern darauf nach Hause fahren. Ich frage mich jetzt noch, wie sich etwa 8 Kinder hintereinander auf einer Stoßstange stehend, am Wagen festhalten können. Doch es funktioniert.



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Stand: 23.4.2002