|Thailand - 5. Die Khlongs und ihre Tierwelt|

Sky Train
Sky Train

Am Morgen machen wir uns per Sky Train auf den Weg nach Saphan Taksin, der letzten Station vor dem Fluss Mae Nam Chao Phraya. Hier sind die Schienen zu Ende, nur die Brückenpfeiler stehen fertiggestellt im Wasser. Am Pier informieren wir uns über Flussrundfahrten und werden gleich von den Anbietern ins Visier genommen. Das Leben hier "unter der Brücke" ist schon ärmlicher. Einige Menschen haben sich hier eingerichtet. Einer von ihnen kocht gerade über einem kleinen Feuerchen sein Essen.
Wir gehen schließlich auf das Angebot eines Long Boat Fahrers ein und entschließen uns, mit ihm eine Tour durch über den Mae Nam Chao Phraya und durch die anliegenden Khlongs - die Kanäle - zu machen.
Das Long Boat ist eine Art Kanu mit weit hinten liegendem Motor, was besonders von den Bewohnern der Khlongs als Fortbewegungsmittel genutzt wird. Den Fluss entlang geht es erst einmal südwärts, immer durch den Schiffsverkehr hindurch. An den Ufern sind mehrere Schiffe zu sehen, die ihre besten Jahre schon längst hinter sich haben. An einem unscheinbaren Kanal biegt unser Fahrer ein. Abwassergeruch kommt in unsere Nasen. Das Wasser unter uns ist nur noch eine miefige Brühe und nach Kurzem ist auch schon das erste tote Tier - ein auf dem Wasser schwimmender Hund - zu sehen. Die Behausungen wirken ärmlich, doch die Leute hier machen keinesfalls einen unglücklichen Eindruck. Sie haben im Gegensatz zu vielen anderen Einwohnern dieser Stadt sogar ein eigenes Haus. An der Wasserseite der Häuser hängt die gesamte Kleidung der Menschen. Eine Art "Freiluft-Kleiderschrank". Die beste Art, der hier herrschenden Feuchtigkeit und Pilzbefall auf den Stoffen zu begegnen.

Häuser am Khlong
Häuser am Khlong

Unter riesigen Palmenblättern am Ufer erwarten uns schwimmende Verkäuferrinnen. Unser Fahrer macht einen offenbar eingeplanten Stopp und eine von ihnen kommt auf uns zugepaddelt. Sie bietet die üblichen Thai-Souvenirs, wie zum Beispiel einen Holzkalender mit eingeschnitzten Elefanten, an. Zuerst starrt sie begeistert auf meinen kleinen Bruder mit seinen von Gel stehenden Haaren und tätschelt ihn auf den Kopf. War das nicht verboten in Thailand? Nun ja, warum sollten sich die Thais ihre Kultur von Reiseführern diktieren lassen? Überhaupt wird die Frisur von meinem Bruder hier mit viel Begeisterung, bzw. Belustigung aufgenommen. Da ließen sich eine ganze Menge Geschichten erzählen. Im Einkaufszentrum stand z.B. eine der zahlreichen Verteilerinnen von Flyern vor einem Food Center und hat es nicht mehr geschafft, ihm einen Flyer in die Hand zu drücken. Sie konnte ihr Kichern nur sehr schwer zurückhalten und hat sich vorher noch mit dem Kopf zur Wand gedreht um es endlich rauszulassen.
Hier in den Khlongs scheint diese Frisur noch besser anzukommen. Mehrere Leute, besonders Kinder, winken uns spontan aus ihren Boten und und vom Ufer aus zu.

Schwimmende Verkäuferin
Schwimmende Verkäuferin

Während unsere Eltern noch mit der Verkäuferin verhandeln, sehe ich am Ufer hinter uns einen etwa 1 Meter langen Waran aus dem Wasser kriechen. Also gibt es hier doch noch Leben im Wasser! Hmm, sind Warane nicht Assfresser?
Eine kurze Fahrzeit später erreichen wir die sogenannte Snake Farm, die im Programm unserer Tour dazugehört. Der Eintritt kostet extra. Mit anderen Touristen werden wir mit gebrochenem Englisch über Mikro in eine kleine Arena gerufen um uns die Schlangenshow anzusehen. Die erste Schlange wird aus ihrem Kartoffelsack geholt und letztendlich hat der Dompteur verschiedene Schlangen wie Pythons und Kobras vor sich. Er reizt sie ständig mit irgendwelchen Bewegungen, so dass sie mit einem schnellen Biss zuschlagen wollen. Mit einstudierten Bewegungen weicht er ihnen aus, doch manchmal wird er dann doch getroffen. Nun, also entweder haben die Schlangen keine Giftzähne mehr oder der Dompteur hat verdammt dicke Hornhaut an den Knien...
Zum Finale der Show wird die Schlange "gemolken".

Schwimmende Verkäuferin
Schlangenshow

Gift 'melken'
Gift "melken"

Nach der Show machen wir einen kurzen Rundgang durch diesem kleinen Zoo. Ein deutscher Tierschützer würde hier wahrscheinlich einen Tobsuchtsanfall oder Herzinfarkt bekommen. Die Schlangen für die Show werden in Kartoffelsäcken gehalten, ein Adler kreischt wie ein Huhn und sitzt mit zersausten Federn auf dem Boden eines viel zu kleinen Käfigs, zwei asiatische Tiger laufen in ihrem Käfig immer im Kreis und viele andere Tiere sehen auch nicht glücklicher aus.

Hugh! Amerikaner gegen Monkey
Hugh! Amerikaner gegen Monkey

Glücklich?
Glücklich?

Die hier vor sich hin schmorenden Tiere können einem leid tun und ich bin froh, wie wir hier wieder raus sind. Am Anlegesteg wieder ein Bild des Lebens; Kinder springen freudig von einem Boot ins Wasser und schwimmen quer durch den Kanal.

Frei laufende Hunde
Frei laufende Hunde

Auf dem Weg zurück zum Fluss Mae Nam Chao Phraya erleben wir an einem provisorischen Badeufer wieder einen Aufschrei der Begeisterung...

Noch nie einen kleinen Europäer mit Stehhaaren gesehen?
Noch nie einen kleinen Europäer mit Stehhaaren gesehen?

Über den Fluss geht es wieder zurück zum Pier. Dieses Mal von Norden her an der historischen Innenstadt vorbei. An den Ufern zeigen sich alte Kolonialbauten zwischen hochmodernen Bürogebäuden. Abermals Gegensätze.

Gegensätze
Gegensätze


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Stand: 22.4.2002