|Thailand - 4. Einkaufen in Bangkok|

Einkaufen in Bangkok. Das bedeutet eine so große Vielseitigkeit, dass nur schwer Grenzen gezogen werden können. Ganz Vorweg: Wenn ich das Thema Prostitution in dieses Kapitel mit aufnehme, soll das nicht heißen "Wo kaufe ich mir die billigste Nutte", sondern ist dies alleine am Beispiel Patpong nur schwer vom shopping zu trennen. Dieser Stadtteil Bangkoks, früher einschlägiger Sündennabel mit wilden Schlägereien, Betrügern, härtester Kriminalität, und, und, und ist mittlerweile zu einer Art Mix aus Kiez, Jahrmarkt und Touristenattraktion geworden.

Patpong
Patpong

Nach einem frommen Tag voller Tempelbesichtigungen wollen wir uns auch mal diesen Stadtteil antun. Wir kommen kurz nach der Dämmerung an. Die Verkäufer sind gerade noch dabei beim Aufbau ihrer Stände und alles sieht aus wie eine riesige Baustelle. Während wir uns einen Weg durch die überall im Weg stehenden Kisten mit verschiedenstem Inhalt bahnen, können wir bereits in alle Ruhe den Blick über das Angebotene schweifen lassen. Noch bevor wir die volle Aufmerksamkeit der Verkäufer haben. Das Viertel erwacht langsam. Mit der Zeit erscheinen die ersten weiblichen Schlepper vor den Gogo-Bars und wollen einen mit dem versprechen der geilsten Show Thailands dort hineinlocken. Ähem, wenigstens hat man weg von den Bars in den mittleren Gängen des Marktes ein wenig Ruhe und kann sich getrost umsehen. Wobei dann aber auch mal offenstehenden Lokale eines Blicks gewürdigt werden. Nun, die Tänzerinnen dort drinnen entsprechen in ihrer Motivation nicht gerade den weiblichen Schlepperinnen vor der Tür und wirken eher übernächtigt als tanzfreudig. Meine Ausbeute auf dem Markt heute Abend: Drei Boxershorts, angeblich Seide (hach, wie gemütlich! Leider beginnen sie ein paar Wochen später auseinander zu fallen. Wohl doch nur für die Länge eines Sex-Urlaubes gedacht). Und dazu ein Bin Laden vs. Bush T-Shirt. Der 11. September ist gerade einmal 6 Wochen vorbei und schon haben findige Verkäufer die ersten Bin Laden-T-Shirts in ihren Sortimenten. Das beweist wohl eine ganz andere Sichtweise der Asiaten. Warum soll man es ihnen verbieten? Ich entscheide mich für Neutralität, also möchte ich mir ein T-Shirt mit Bin Laden und Bush kaufen. Ich verhandle mit dem Verkäufer und wie wir uns schließlich auf einen Preis geeinigt haben, fragt er noch einmal, welches T-Shirt ich möchte. Oh! Das? Nein, das geht nicht! Das wollen ja alle so gerne haben! Als ich nach 10 Minuten noch mal vorbeikomme, einigen wir uns in der Mitte des Preises.

T-Shirts? Von McShit bis Bin Laden...
T-Shirts? Von McShit bis Bin Laden...

Wir verlassen den Markt über eine Seitenstraße, in der fast nur noch einschlägige Lokale vorhanden sind. Dort gehen wir in ein kleines Internetcafé. Von beiden Seiten hämmert das Gedröhne der nebenliegenden Tanzbars an die Wände. Nachdem wir für einen Spottpreis unsere Mails nach Hause geschickt haben, werden besonders mein Vater und ich von ein paar netten Mädchen in die Mangel genommen und irgendwie halten sie sich besonders bei mir besonders lange. Da werden die Arme um einen geschlungen, der Körper fest herangedrückt und ganz ungeniert kommt die Frage "Do you wanna fuck me?" (Hm, von mir aus, aber unter solchen Umständen?). Nicht mal mein kleiner Bruder bleibt verschont. So nach dem Motto; "Nehmen wir ihn mal in die Mangel und da vorne ist ja auch gleich der Vater mit dem dicken Portemonnaie". Mein Vater kann sich schnell aus der Affäre ziehen, indem er sich auf die Fragen der Schlepperinnen ihn nur fragend zu meiner Mutter umdreht: "Was hältst Du davon? Sollen wir da reingehen?". Damit sind 80% der Schlepperinnen schon einmal abgeschreckt, doch die restlichen 20% beharren weiter darauf. "Mama" könne doch ruhig mit reinkommen.
Während die anderen schon vorausgehen, werde ich immer noch von einer verfolgt, die nicht von mir ablassen möchte. Und sie ist sicher nicht älter als ich. Immer wieder will sie wissen "Where do you want to go to now?". "To the train station". "And then?", "To the train station", "And theeen?", "Hmpf, to the hotel". "Do you have anything against it if I come with you?"...
Herrje, bin ich froh, wie ich sie letztendlich doch mit netten Worten losgeworden bin und sie mit einem mir unverständlichen, schallenden Gelächter, zurück zu ihren Kolleginnen läuft.. Familienurlaub also...


Zurück zum Einkaufen. Eines der größten und wohl interessantesten Einkaufszentren Bangkoks ist das Mah Boon Krong, gleich neben Sky-Train-Station National Stadium. Auch besonders interessant für jüngere Leute, da gerade hier die einheimischen Jugendlichen gerne einkaufen gehen. Alleine dieses Einkaufszentrum ist so riesig, dass wir an drei mehrstündigen Besuchen bei weitem nicht alles entdecken konnten. Die Größe lässt sich beim Zutritt von der Bahnstation aus gar nicht erahnen, da man zuerst in das japanische Kaufhaus Tokyu gerät. Also verlassen wir das Einkaufszentrum zuerst wieder und beraten vor dem Ausgang, wohin wir nun gehen wollen. Schon ist eine hilfsbereite Thailänderin zur Stelle und fragt uns, wie sie uns helfen kann. Sie könne uns herzlichst das Thai Trade Center empfehlen. Ich kann es auf meiner Karte leider nicht entdecken. Bekomme ich da denn auch Elektronikartikel und Filme für meine Kamera? Darauf geht sie gar nicht erst richtig ein und wiederholt, was für tollen Schmuck mein Vater seiner Frau dort kaufen könnte. Ihre Hand ist mit einigen Klunkern beschwert. Füt eine durchschnittliche Thailänderin doch etwas seltsam. Schon ist das erste Tuktuk herbeigerufen und wir machen uns zu 5 Leuten samt Fahrer in dem kleinen Gefährt auf den Weg zum Thai Trade Center. Bei der Ankunft fährt das Tuktuk gleich am Eingang vor. Unsere Eltern werden sofort von einem freundlichen Türsteher ins Kaufhaus geleitet. Bevor ich reingehe, sehe ich über mir auf einem großen Schild Thai Jewelery Center stehen. Wie war das noch mit dem Thai Trade Center?
Spätestens beim erblicken der Preise machen unsere Eltern halt und kehren um. Doch da wir ja nichts gekauft haben, ist es gar nicht so einfach ein Tuktuk zu finden. Dafür müssen wir schon ein wenig zu Fuß laufen. Kaum haben wir uns alle in das kleine Tuktuk gezwängt, wühlt der Fahrer ein Kärtchen heraus, auf dem sogar in Deutsch steht, worum er uns bittet. Der Text besagt, dass der Fahrer einen Gutschein für 3 Liter Sprit erhält, wenn er uns vor einem Juwelier abliefern darf. Unser Vater lässt sich nur mit starkem Widerwillen von ihm dazu überreden. Der Juwelier wäre direkt auf dem Weg zum Mah Boon Krong. Direkt an der Hauptstraße. Während der Fahrt verfolge ich den Weg auf der Karte und bemerke auf der etwa 1,5km langen Strecke einen Abstecher von fast einem Kilometer. Ich will ja nicht kleinlich sein, aber... Direkt an der Hauptstraße? Während mein kleiner Bruder und ich lieber draußen in der Hitze warten, dürfen unsere armen Eltern sich wieder Schmuck ansehen. Sie kommen stinksauer wieder heraus und wollen sofort weiter zum richtigen Einkaufszentrum. Widerwillig macht sich unser Fahrer mit uns auf den Weg. Gegenüber vom Einkaufszentrum setzt er uns schließlich ab. Mit bösem Blick und Fingerzeig auf das Einkaufszentrum. Den Weg über die mehrspurige Straße müssen wir schon selbst finden.

Mah Boon Krong
Mah Boon Krong

Nur widerwillig folge ich den anderen auf weiteren ausgedehnten Shopping-Touren. Dieses Einkaufszentrum unterscheidet sich vom größtenteils ärmlichen Bangkok zu stark, finde ich. Doch mit der Zeit finde auch ich in diesem riesigen Komplex auch immer mehr Interessantes. Es braucht schon einen guten Orientierungssinn, um sich nicht zu verlaufen. Einige Male verlieren wir uns und finden uns nur mit großer Mühe wieder. Man weiß dann nie, ob die Anderen gerade 6 Stockwerke unter einem sind oder nur einige Meter entfernt.

Dröhnende Lautstärke: Netzwerk-Gemetzel
Dröhnende Lautstärke: Netzwerk-Gemetzel

Am letzten Tag vor der Abreise entdecke ich endlich, was ich die ganze Zeit gesucht habe. Die Software-Abteilung. Einige Stockwerke über dem Tokyu-Kaufhaus finden sich Unmengen kleiner Shops, die Software, Video-CDs, Musik-CDs (einfach alle Datenträger, die man kopieren kann) anbieten. Für nur 560 Baht (14 EUR) erhalte ich 4 Software-CDs. Zum einen der Flight Simulator 2002 - der zu diesem Zeitpunkt erst in zwei Wochen erscheinen soll (!) - und ein weiteres Spiel. Der Kauf verläuft folgendermaßen: Die Covers der CDs sind wie Karteikarten an eine Wand gehängt. Man zeigt nur auf das entsprechende Cover, bekommt eine schriftliche Bestätigung nachdem man bezahlt hat und wartet etwa 20 Minuten. Danach bekommt man die CDs samt Inlett noch warm die Hände gedrückt. Frisch aus dem Brenner...
Jedoch kann hier nichts direkt auf Funktionstüchtigkeit überprüft werden. Eine CD des Flight Simulators war dann - wie sich erst zu Hause herausstellte - defekt.

Frisch aus dem CD-Brenner
Frisch aus dem CD-Brenner

Desweiteren erstehe ich noch einen Diskman mit ESP von "Sony" für etwa 55 EUR. Wieder zu Hause angekommen antworte ich auf Fragen, wie "Und? Wie waren die Thailänderinnen?" folgendermaßen: "Och, ich hatte mich zwischen einer Thailänderin und einem Diskman zu entscheiden." "Und???". "Ich hab' 'nen neuen Diskman..."

Homepage des Mah Boon Krong


Teil 3: Ein Zustand - Chaos - Bangkok | Übersicht | Teil 5: Die Khlongs und ihre Tierwelt

Stand: 22.4.2002