|Thailand - 3. Ein Zustand - Chaos - Bangkok|

Roter Bus = Ohne elektronische Klimaanlage
Roter Bus = Ohne elektronische Klimaanlage

Bangkok - Krung Thep, die Stadt der Engel - ist wohl eine der interessantesten Metropolen weltweit. Ein so starkes Aufeinanderprallen von einheimischer mit westlicher Kultur gibt es besonders in asiatischen Städten wie dieser. Ich weiß gar nicht, wo ein bei einer so vielseitigen, komplexen Stadt wie dieser anfangen soll. Mit dem dreckigen armen Bangkok, oder der Faszination daran, Kultur oder großen Bauwerken.
Noch vorweg: Grundsätzliches, wie die Einwohnerzahl, Geschichte usw. werde ich hier nicht behandeln. Dafür gibt es einen sehr schönen Text auf der Homepage von Thomas Strähle: Link

Morgendliches Bangkok
Morgendliches Bangkok


Was jeden Bangkok-Besucher als erstes erschlägt, sind die Verkehrsverhältnisse. Erst einmal wäre da der Linksverkehr zu nennen, und, ganz wichtig, das Recht des Stärkeren. Hat man sich im letzten Urlaub noch über die halsbrecherische Fahrweise irgendwelcher Südeuropäer gewundert, so kommt es hier zum Super-GAU. Dem gegenüber treten Türken und Italiener schnell in den Schatten dieser Bangkok-Fahrweise. An großen Kreuzungen, im besten Fall auch noch zur Rushhour, stauen sich die Blechlawinen kilometerweit. Für die Fahrzeuge ist kaum noch ein Vorankommen möglich. Die Fußgänger sind zu Fuß bereits um ein Vielfaches schneller. Doch die haben keine Klimaanlage, wird sich so mancher Autofahrer denken und wartet geduldig auf die nächsten Meter Ashpalt, die sich irgendwann sicher einmal vor ihm freigeben werden. Ampeln, wenn es sie denn gibt, werden offensichtlich nur als zusätzliche straßenlampen beachtet. Meinen die Fahrer an der einen Seite an der Kreuzung zu lange gewartet zu haben, wagt sich der erste mutige durch den querenden Verkehr vorwärts. Alle hinter ihm folgen, sobald "die Anderen", der querende Verkehr, gestoppt ist. Ganz voreneweg rasen die Mopedfahrer in einem Affentempo los und lassen den am Straßenrand zurückschreckenden Fußgänger eiligst in einer dicken Abgaswolke stehen.

Lebensnotwendiges Equipment
Lebensnotwendiges Equipment

Sicherheitsvorkehrungen?
Sicherheitsvorkehrungen?

[Ohne Worte...]
[Ohne Worte...]


Dabei vermischen sich die Gerüche asiatischen Essens mit einem wohl viel prägnanteren Geruch von Abgasen, und in ärmeren Vierteln auch mit denen von Fäkalien und Müll. Wie denn wohl das einzige Auto heißt, das in Thailand produziert wird?, fragt uns unser Reiseleiter. Ohne es als solches zu erkennen, steht neben uns eines dieser dreirädrigen Gefährte. Das sagenumwobene Tuktuk. Reiseführer beschreiben sie als kleine Flitzer bei denen schon eine gehörige Portion Mut dazugehören soll, wenn man Fahrgast auf einem solchen Raser sein möchte. Alles halb so wild. Wenn die Fahrer nicht alle eine ausgeprägte kaufmännische Ader hätten. Denn mit einem Tuktuk-Fahrer den Fahrpreis auszuhalten erfordert eine solche Mange Geduld, wie sie die wenigsten haben.
Der Grund: Die Fahrer erhalten Gutscheine für Benzin, sobald sie Touristen an Juweliers oder ähnlichen Läden absetzen. Wie viele Liter sie letztendlich dafür bekommen, darüber haben wir ziemlich verschiedene Angaben erhalten. Laut unserem Reiseleiter sollen die Tuktuks durch Druck der Regierung auf Gas als Treibstoff umgestellt haben. Er kann sich ein schadenfreudiges Grinsen nicht verkneifen und zeichnet mit seinen Händen eine Detonation in die Luft: "Und wenn dann mal ein Unfall passiert, dann BUMM!".

Nationaler Stolz: Das Tuktuk
Nationaler Stolz: Das Tuktuk

Und will man tatsächlich mal einen Juwelier besuchen, so geht es mit dem Fahrpreis ganz einfach. Rein ins Tuktuk, 20 Baht (1 EUR) gezahlt und schon können 4 Fahrgäste quer durch die Stadt befördert werden. Wenn man jedoch ein ganz bestimmtes, für den Fahrer kein Geld einbringendes, Ziel hat, so wird es schon um einiges schwieriger. Dazu gibt es sicher eine Menge Geschichten. Zum Beispiel wollten wir uns vom Baiyoke Tower zurück zum Hotel bringen lassen. Der Fahrer macht mir verständlich, dass er wegen der Polizei nicht vier Leute transportieren darf. Höhö, als ob das ein Problem der Polizei wäre. Also fährt er uns ein paar hundert Meter - zu viert - zu seinem Englisch sprechenden Kollegen in einer abgelegenen Gasse. Kaum haben wir uns auf die beiden Tuktuks verteilt, beginnt die Diskussion über den Fahrpreis, den wir eigentlich Sicherheit schon vor dem Einsteigen vereinbart hatten. Unser Fahrer redet auf mich und meinen kleinen Bruder ein, während der Fahrer vor uns das Gleiche bei unseren Eltern versucht. Ich verweise nur auf meinen Vater. Und woher kann unser Fahrer plötzlich Englisch? In gewandten Worten bittet er darum doch einen Stopover bei einem "Shopping-Center" machen zu können (Tipp: Auf das Wort Stopover sollte jeder Tuktuk-Fahrgast allergisch reagieren. Solange man nicht an Schmuck interessiert ist...)
Nachdem bei meinem Vater alle Nerven zerrissen sind und die Fahrer uns keinen Fahrpreis ohne Stopover nennen wollten, machen wir uns zu Fuß auf den Weg. Ist auch gesünder...

Und ab geht's!
Und ab geht's!


Der Sky-Train
Der Sky-Train

Und da der Ausbau des Sky-Train Netzes schon vor einiger Zeit abgebrochen wurde, gibt es für einen Großteil der Stadt bis jetzt kaum alternativen außer Tuktuk und Taxi. Das Taxi ist nicht ganz so problematisch. Da hängt es ganz stark von Fahrer ab. Doch sollte der Fahrpreis trotz Taxameter im Wagen VOR der Abfahrt ausgehandelt werden. Trinkgeld wird erwartet.
Eigentlich schade die Sache mit dem Sky-Train. Dabei ist der Sky-Train genau das richtige, um dem Mief der Straßen zu entfliehen. Seine Schienen verlaufen über den Straßen und hier erinnert wieder alles an Singapur. ganz im Gegensatz zu unseren S-Bahnen, sollte man in Hinsicht auf Sauberkeit und Bequemlichkeit in Bangkok den Sky-Train vorziehen. Seit der Eröffnung ist nur ein Viertel der erwarteten Fahrgäste mit dem Sky-Train unterwegs gewesen. Grund sind zu hohe Fahrpreise. Für uns angesichts der Fahrpreise in deutschen Verkehrssystemen Spottpreise im Centbereich.

Sky-Train Homepage


Jungenschule
Jungenschule

Persönliches - Verkaufsstand von der Rückseite
Persönliches - Verkaufsstand von der Rückseite

Chinesisches Viertel
Chinesisches Viertel


Nudelsuppe und knusprige Käfer - Garküche
Nudelsuppe und knusprige Käfer - Garküche


Besorgniserregend ist, wie offensichtlich immer mehr Thai-Kultur durch europäische ersetzt wird. Gleich gegenüber von unserem Hotel ist ein Restaurant namens Ottos Schwarzwaldstube zu finden. Samt deutschem Tante-Emma-Laden. Ich möchte diese westlichen Einflüsse hier nicht verteufeln. Doch bleibt nur zu hoffen, dass beides auch in Zukunft harmonisch nebeneinander existieren kann.

Gutes aus dem Schwabenland?
Gutes aus dem Schwabenland?




Wer die Stadt einmal von oben sehen möchte, der muss in Bangkok nicht gleich per Flugzeug in die Luft gehen. Es reicht den Blick von einem der vielen Wolkenkratzer schweifen zu lassen. Wohl am besten dafür geeignet ist der Baiyoke 2 Tower. Er ist das mit 309 Metern höchste Bauwerk Thailands und das angeblich höchste Hotel der Welt. Weniger als 1 Minute braucht man, um per Außenaufzug (!) in den 77. Stock befördert zu werden. Und danach bietet sich ein Ausblick, der seinesgleichen sucht...

Quelle: http://klskyscrapers.tripod.com/
Baiyoke 2 Tower

Blick nach Südosten
Blick nach Südosten

Stadtplanung?
Stadtplanung?

Wer hat hier Vorfahrt?
Wer hat hier Vorfahrt?

Spuren der Asien-Krise
Spuren der Asien-Krise

Stadtplaner und Elektriker in dieser Stadt müssen dicke Nerven haben. Während der Asien-Krise hat man hunderte Baustellen so stehen gelassen wie sie gerade waren. Viele Unternehmen haben Bankrott gemacht und nun stehen eine Menge Wolkenkratzer des Nachts unbeleuchtet in dieser sonst so leuchtenden Stadt. Geisterhäuser könnte man sagen. Die Aussichten darauf, dass diese vor sich hin modernden Bauwerke eines Tages fertiggestellt werden, sind eher gering. So dienen sie bestenfalls noch als Spielplatz für Kinder oder Schlafplatz für die Obdachlose. Auch der Wohnungsmarkt ist in Mitleidenschaft gezogen worden. Es gibt einen hohen Überschuss an komfortablen Wohnungen. Doch kaum einer kann sie sich leisten.

Komplizierte Elektronik
Komplizierte Elektronik


Was gäbe es sonst noch zu erwähnen? Bangkok ist eine dermaßen vielseitige Stadt, dass ich sie in diesem Reisebericht bereits in Kapitel unterteilen musste. Unsere Woche Aufenthalt dort hat bei weitem nicht gereicht, um intensiv alles kennenzulernen. Dafür wird man sicher mehr als ein Leben brauchen.
Da wären noch Kleinigkeiten zu nennen. Wie zum Beispiek die Toiletten in vielen Restaurants und Cafés. In der Regel ist keine Spülung vorhanden. In komfortabelsten Fall ist noch ein Duschkopf vorhanden, mit dem man den Mist dann auf seinen Weg schicken kann. Wenn nicht, sollte man zumindest mit einem Schälchen Wasser aus einem nebenstehenden Eimer schöpfen können, um die "Handspülung" zu betätigen. Alles gewöhnungsbedürftig, aber durchaus machbar.

Und wer Bangkok nicht auf den ersten Blick hasst, den wird es faszinieren, oder er wird es vielleicht sogar lieben.







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Stand: 22.4.2002