Auf dem Weg zur ersten Tempelanlage erzählt uns unser Reiseleiter einiges über Bangkok und Thailand. Was mich dabei besonders wundert, ist die Mächteverteilung in Thailand. Das Militär habe die meiste Macht, logisch, also stände es auch ganz oben. Danach kämen die Politiker und dann die Religion. Eine für europäisches Rechtsempfinden schwer zu verstehende Machtverteilung. Offiziell ist die Staatsform eine Konstituelle Monarchie.
Schon der erste Tempel zeigt sich touristisch gut erschlossen. Es gibt Verkaufssstände mit ausreichend Postkarten und Negativ-Filmen, sowie einige Postkartenverkäufer, die einem sofort hinterherlaufen. Die Statuen im Tempel sind imponierend, doch ist es schade, dass die glänzende Goldverzierung im laufe der Zeit von ihnen absplittert. Die Hände einiger Statuen sind scheinbar um ein paar Spenden betend ausgehalten und es finden sich immer auch ein paar Baht darin.
An die Namen der beiden folgenden Tempel kann ich mich leider nicht mehr erinnern. Sie sind alle ganz interessant anzusehen, jedoch habe ich noch nie eine sonderliche Schwäche für religiöse Prunkbauten gehabt. Diese Tempel mögen zwar einiges an Thai-Kultur darstellen, jedoch ist der Unterschied zu der heutigen Realität in in diesem Land einfach zu gravierend. Unter den vielen Touristen sind nur noch wenige gläubige Menschen zu finden. Sie zünden Räucherkerzen an und beten an heiligen Orten.
Der Königspalast samt dem riesigen Tempel-Areal zeichnet sich besonders durch strenge Eintrittsvorkehrungen am Eingang aus. Ein Schild weißt darauf hin, dass der Abstand zwischen Hosenbeinen und geschlossenen (!) Schuhen nicht mehr als exakt 4 Inch betragen darf. Meine Mutter muss sich erst mal neues Schuhwerk besorgen. Ihre Sandalen zeigen zuviel vom nackten Fuß. Auch dafür haben sich schon pfiffige Händler am Eingang zusammengefunden.
Die Militärs sind hier besonders präsent und betrachten die meisten Eintretenden mit prüfendem Blick.
Der Königstempel zeichnet sich durch besonders großzügige Goldverzierungen aus. In und an manchen Gebäuden ist so viel Gold vorhanden, dass ihr überaus starker Glanz unter der Mittagssonne in den Augen brennt. Etwas abseits von den großen Touristenmassen können die Bauten viel intensiver betrachtet werden. In einigen Mauern fallen mir eingemeißelte, nur noch schwach zu erkennende Bilder auf. Sie zeigen Menschen bei der Arbeit auf dem Feld und sonstigen alltägliche Tätigkeiten. Ich frage unseren Reiseleiter ein wenig über die Bedeutung verschiedener Bauten und Figuren aus. Dabei erfahren wir zudem, dass er früher einmal wohl als Rucksacktourist auf dem Weg nach Europa war und welche Probleme er zum Beispiel auf dem Flughafen in Belgrad gehabt hat.
Nach den Tempeln folgt die bereits angekündigte "Shopping-Tour" in eine "Diamantenfabrik". Mir schwant schon Böses. Wir werden in unseren klimatisierten Kleinbus gesteckt und unser Reiseführer muss sich von nun an leider von uns verabschieden. Die Shopping-Führung würde für uns ein anderer Führer übernehmen. Es folgt der übliche Kommerz:
Als einzige deutsche Urlauber werden wir in den Kinosaal der "Diamantenfabrik" gebracht, wo uns ein Film über die so hochwertigen thailändischen Edelsteine abgespielt wird. Wir erfahren, dass man sie früher in Schächten unter großer körperlicher Anstrengung abgebaut hat. Doch heute wäre das anders und nun wird mit modernen, und fortschrittlichen Mitteln abgebaut. Im nächsten Bild sehen wir einen im Schlamm watschenden Arbeiter, der mit seinem Hochdruckreiniger die Edelsteine umweltschonend vom Rest trennt. Das nächste Bild zeigt eine halbnackte Frau, die doch um so vieles schöner mit ihren Edelsteinen aussieht. Nach dem Film folgt die "Shopping-Tour". Unsere Eltern werden schnell von einem Deutsch sprechenden Verkäufer in die Mangel genommen und dürfen sich Schmuck ansehen. Der Verkaufsraum ist so aufgebaut, dass außen die "billigen" Schmuckstücke zu finden sind und es ins zur Mitte hin immer anspruchsvoller wird. Dort steht ein etwa 2x2 Meter großes Aquarium, in dem zwei Haifische schon ganz verkümmert ihre Runden drehen. Kurz nachdem ich abgedrückt habe, wird mir auch schon eine Hand auf die Linse gehalten. Fotografieren verboten.
Wir haben letztendlich nichts gekauft und mit Murren wird uns der kostenlose Rücktransport zum Hotel gewährt. So eine tolle Shopping-Tour kann einem die ganze Laune verderben...