Im Hotel erwartet uns eine weitere Überraschung. Besonders für mich, der die Urlaube der letzten Jahre im Zelt gehaust hat, ist dieser Luxus schier unglaublich. Die Autotür muss nicht selbst öffnen. Der Portier kommt sofort vor die Tür gesprungen, öffnet sie und streckt mir seine in Samthandschuhe gekleidete Hand entgegen. Er ist ein sehr dunkler Inder, dessen Zahnlächeln schon fast blendend wirkt. Ganz zu schweigen von seiner weißen, englischen Safari-Uniform mit ihren kurzen Enden und langen Kniestrümpfen. Nicht einmal mein Gepäck darf ich anpacken. Zwei Pagen laden es gleich auf den Gepäckwagen und bringen es auf unsere Zimmer. Ich bin total verwirrt, weiß gar nicht wo ich meine Hände lassen soll. Die Autotür durfte ich nicht öffnen, mein Gepäck durfte ich nicht tragen und die schwere Eingangstür wird ebenfalls vor meiner Nase von einem lächelnden Portier geöffnet. Die riesige Eingangshalle mit ihren großen Säulen lässt mich ein weiteres Mal verstummen. Während unsere Eltern an der marmorverkleideten Rezeption einchecken, blicken mein kleiner Bruder und ich ungläubig auf die vielen Auszeichnungen des 5-Sterne Hotels. "Best Hotel of Southeast Asia" und ähnliche Dinge sind dort zu lesen. Mir wird ganz mulmig beim Anblick dieses riesigen Luxus. Die meisten Gäste laufen elegant gekleidet herum. Keiner von ihnen in T-Shirt und Turnschuhen. Ob so viele Sterne nicht doch etwas zu hoch gegriffen sind? Am liebsten würde ich mein Zelt packen und neben dem Wasserfall am Restaurant aufbauen. Aber dann könnte ich ja einen der sündhaft teuren Fische dort erschrecken. Die Pagen hüten sich, mit uns in einen der goldverkleideten Aufzüge zu gehen. Das Gepäck ist bei unserer Ankunft bereits auf den Zimmern. Über die noble Einrichtung verliere ich besser keine weiteren Worte. Aus dem Zimmer haben wir Ausblick auf verspiegelte Hochhäuser und Wohnhäuser, die durchweg von dichten tropischen Gärten umgeben sind. Unter meinen Füßen sehe ich die Autos auf der Straße vorbeirauschen.
Der Morgen bringt den nächsten Lehrgang in Sachen Luxus: Das Frühstück. Gleich am Eingang des Restaurants erwartet uns eine Kellnerin in ihrem schicken Anzug und fragt nach Namen und Zimmernummer. Wir werden zu unserem Tisch geleitet und bekommen gleich Kaffe auf Wunsch. Wie mir eine Gabel herunterfällt, habe ich 5 Sekunden später eine neue in der Hand. Die Stoffserviette - lasse ich mir sagen - muss auf der Stuhllehne liegen. Auf dem Buffet sehe ich Essen, das ich noch nie gesehen habe. Hausgemachter Kaya, frische exotische Früchte (keine Äpfel), Sojamilch... Der Orangensaft ist mit so viel Fruchtfleisch versehen, dass eine Kellnerin kommten muss um den verstopften Getränkehahn wieder zu reinigen. Überall huschen Kellner um das stille Restaurant. Kaum ist ein Teller leer, ist er auch schon weggeräumt. Jeder von der Angestellten hat seine zugewiesene Aufgabe. Es gibt sogar einen eigenen Koch für Rührei...