Ich kann es immer noch kaum glauben. Nun soll es mich also tatsächlich nach Asien verschlagen. Kaum habe ich die Eindrücke von meiner "Pilgerreise" nach Santiago de Compostela verarbeitet, geht es auch schon wieder in die weite Welt. Dieses Mal leider ohne Fahrrad. Noch im letzten Moment haben es meine Eltern ermöglicht, dass die ganze Familie mit mir auf die Reise geht. Nun, Familienurlaub mag bei mir nicht besonders große Begeisterung hervorrufen. Doch bei diesem Ziel bin ich für alles zu haben! Nun sitzen wir also am Hamburger Flughafen und die Tortour kann beginnen. Auch wenn ich dieses Mal mein Urlaubsziel nicht per Fahrrad erreiche, ich hätte gar nicht erwartet, wie anstrengend eine solch lange Flugreise sein kann.
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Die gesamte Flugzeit mit Umsteigen und dem südlichen Umweg an Afghanistan vorbei wird in etwa 18 Stunden betragen. Das Wetter heute ist einfach nur zum wegfliegen. Es ist das typisch diesige Hamburg-Wetter mit. Grauer Himmel ohne auch nur einen Sonnenstrahl. Dem Anblick der wunderbar scheinenden Sonne über den Wolken macht auch die Enge des kleinen Jets der Tyrolean Airlines keinen Abbruch. In Wien ist das Wetter nicht anders. Also weiter! Nachdem wir gerade noch mit österreichischem Gebäck verwöhnt wurden, wird es auch schon asiatisch. Mit der EVA-Air, einer taiwanesischen Fluggesellschaft, soll es auf der nächsten Etappe bis nach Bangkok gehen.
Das Flugzeug ist eine ganze Ecke größer. Auf 9 Sitzreihen drängeln sich 271 Passagiere. Ich sitze alleine neben einem grimmigen Geschäftsmann aus Thailand, doch genieße so die ganze Zeit den Blick aus dem Fenster. Da ziehen die exotischsten Landschaften an mir vorbei, die mit dem Fahrrad bis jetzt unerreichbar schienen. Der Bosporus mit der großen Brücke von Istanbul. Das türkische Innlandsgebirge. Zypern. Jordanien mit seinen weiten Wüsten und dann der Sonnenuntergang...
Pustekuchen, denke ich mir. Was soll ich jetzt im Dunkeln noch sehen?, denke ich. Doch vor meinen Augen breitet sich die Arabische Wüste in ihrer verschwenderischen Beleuchtung aus. Ich sehe Städte, die in einem unglaublichen Lichterglanz strahlen, brennendes Öl, unendlich beleuchtete Straßen... Im übrigen scheint der Geschäftsmann neben mir scheint nicht zu verstehen, warum ich von den netten asiatischen Stewardessen immer als erstes mein Essen bekomme. Nun, als Vegetarier hat man es einfach besser... bis zu gewissen Grenzen. Wie sich der Flug endlich dem Ende zuneigt, kann ich kein Tofu mehr sehen, geschweige denn das beiliegende asiatische Gemüse. Noch vor der Ankunft in Asien ist mir alle Freude auf asiatisches Essen genommen. Auf die Lichter Arabiens folgt die unendlich erscheinende Dunkelheit des indischen Ozeans, das Lichterchaos Indiens mit Bombay und abermals unendliche Dunkelheit.
Nach einer langen Nacht schließlich der Anflug auf Bangkok. In der Ferne lässt sich bereits die Dämmerung ausmachen und im Süden flackern gewaltige Gewitter am Horizont. Ein Schauspiel, das man niemals mit dem Fotoapparat aufnehmen könnte. Während das Flugzeug sinkt, erhalte ich einen immer besseren Blick auf die unter mir vorbeiziehende Landschaft. Das also ist Thailand. Von geraden Straßen durchzogen, mit Autos die auf der linken Straßenseite fahren. Überall sind Reisfelder zu sehen, die in gerader Linie von kleinen Zufahrtsstraßen der Bauernhäuser durchschnitten sind. Es sind die Kleinigkeiten. Ein mit Warnblinklicht fahrender LKW auf einer verstopften Straße. Die Palmen, überall. Die Bilder huschen viel zu schnell an mir vorbei um ein eindeutiges Bild dieses Landes in mir entstehen zu lassen. Nachdem wir 10 Stunden von der Luft getragen wurden, setzt uns ein hartes Rumpeln wieder auf den Boden der Tatsachen auf. Kurz bemerken wir den Hitzeschwall, der zwischen Fluggastbrücke und Flugzeugtür durch den Spalt strömt. Und das also ist Bangkok. Als Erstes ekelt mich der Geruch des Flughafens an. Überall stinkt es nach dem Gemüse, das ich im Flugzeug so verteufelt habe. Das Land des Lächelns. In einem Zeitschriftenladen sehe ich direkt neben dem neuesten Harry Potter ein Buch mit dem Titel "The Greatest Sex". Man könnte sagen: "Willkommen in Thailand". Daneben die Fußmassage für ein paar Baht, von einer Frau deren letztes Lächeln sicher eine ganze Weile her ist. In einer Polizeistation sehe ich einen Polizisten, der schreiend auf einen Verbrecher (?) eindrescht. Nun... Mentalitäten sind eben anders. Und das ist eben erst mein erster Eindruck.
Es geht weiter nach Singapur.
Die Maschine der Thai Airlines steigt in der warmen Luft schnell nach oben. Ein starker Knall... Vibrieren... ähem... Haben die Mechaniker nicht kurz vor dem Start dort unten in aller Ruhe Reifen gewechselt? Offenbar nicht alle Reifen...
Auf der rechten Seite ist die Metropole Bangkok zu sehen, bis sich deren graues Bild langsam entfernt, durch Sumpfland abgewechselt wird und schließlich nur noch das blaue Wasser des Golf von Siam zu erkennen ist. Ein unglaublich intensives Blau. Nach einiger Zeit taucht auch die Küste Malaysias auf. Lange Strände, hinter denen dicke Wolken ihre scharfkantigen Schatten auf dem tief grünen Urwald abzeichnen. Dazwischen ein brauner, von Schlamm gezeichneter Fluss.
Im Anflug auf Singapur sind die kleinen Inseln immer besser zu erkennen. Paradiese. Kleine grüne Kuppeln, die sich mit hellen weißen Stränden von dem dunkelblauen Wasser abgeheben. Dabei Palmen in Mengen. Palmen scheint es hier überhaupt überall zu geben. Ganze Wälder. Nur Palmen. Ich blicke nur noch aus dem Fenster. Noch nie habe ich so viele Palmen gesehen. Ein stärkeres Rumpeln als üblich und das Flugzeug hat aufgesetzt. Der Flughafen Singapore Changi ist erreicht.
Schon beim Aussteigen erwartet uns eine unglaublich gepflegte Umgebung. Mit dem Flughafen Bangkok gar nicht mehr zu vergleichen. Überall wird Service groß geschrieben. Müll? Fehlanzeige. Es scheint, als hätten die Menschen hier gar keinen Müll. Am Gepäckband liest uns ein Angestellter die Sorgen von den Gesichtern ab. Er fragt was denn wäre. Eine Tasche fehlt. Keine 30 Sekunden später erhalten wir über Funkgerät die Antwort. Die Tasche ist in Frankfurt. Und wer ist der Glückspilz? Ich natürlich! Es war ja nicht anders zu erwarten. In der Gepäckabfertigung nimmt man sich meiner an und befragt mich über das Aussehen und den Inhalt der Tasche. Sie wäre bereits auf dem Weg hierhin und ich müsse sie auch nicht abholen. Das nenne ich Service! Hierbei fällt mir zum ersten Mal das multikulturelle Singapur auf. Die Mitarbeiter aus verschiedenen Nationen sprechen Englisch untereinander. Dies aber mit einem so herrlich klingenden chinesisch-indischen Akzent, dass ich bereits Probleme mit dem Verständnis bekomme.
Ein Taxi bringt uns zum Hotel. Der Fahrer redet die ganze Zeit mit uns. Er gibt uns Tipps, kann aber andererseits kaum verstehen, wie wir es hier länger als 4 Tage aushalten könnten. Erst einmal bin ich nur beeindruckt von dem Blick aus dem Fenster und frage ihn, ob er sich für uns eine spezielle Touristen-Route ausgesucht hat. Warumist das alles SO sauber? Es scheint, als würde er uns auf dieser Schnellstraße durch einen Botanischen Garten fahren. Nicht eine Tüte, nicht ein Kaugummi, nichts auf der Straße. Nichts! Nur der Fahrstreifen auf dem Asphalt. Der Fahrer erklärt uns auch das Mautsystem hier in der Innenstadt. Noch während das Taxi eine Lichtschranke zur Innenstadt passiert, werden von einem kleinen Zähler im Auto 2,50S$ abgezogen. Er nennt dieses Gerät "Den Moskito".