Von Echo zum Parque nacional de Ordesa

Wir verlassen den Campingplatz in Richtung Echo, wo wir erst einmal einkaufen und das Dorf besichtigen wollen. Es ist gerade Markt und obwohl gerade Hauptsaison ist, sind unter den wenigen Leuten hier kaum Touristen zu sehen. Wir machen uns auf die Suche nach einer vernünftigen Straßenkarte, da wir für den östlichen Teil der Pyrenäen bis jetzt keine gefunden haben. Durch Bambusgardinen treten wir in einen kleinen dunklen Laden, der uns am ehesten nach Landkarten aussieht. In zwei Räumen gibt es ein großes Sortiment von Lebensmitteln bis zu Baumarktartikeln, sortiert in altersschwachen Regalen und Kartons. Ich frage einen alten Mann nach Straßenkarten. Langsam bewegt er sich mit seiner Krücke zu einem Tresen und holt ein paar Karten aus der Schublade. Er muss erst mal den Staub von ihnen pusten. Leider stellt sich heraus, dass er nur welche vom Dorf und Umgebung hat. Abseits vom Dorf hört die Welt für die Menschen hier scheinbar auf.





| Bergdorf Echo |




Wir kaufen noch kurz etwas Gemüse und Obst auf dem kleinen Markt ein und machen uns dann wieder auf den Weg.
Erst einmal geht es immer weiter südlich, bis wir auf die HU 212 abbiegen, die uns in das Valle de Canfranc führen soll. Auf der Karte ist es wieder einmal der kürzeste Weg, die Zeitersparnis wird sich dabei aber eher in grenzen halten. Doch werden wir auf der holprigen Strecke durch beeindruckende Naturlandschaft entschädigt. Neben dem Wohnmobil kann ich unter uns einen Geier im Flug beobachten. Mit wenigen Flügelschlägen hält er locker unsere Geschwindigkeit und überholt uns dann mit Leichtigkeit.





| Die "kürzesten" Wege... |




Im Bergdorf Jasa endet die Straße plötzlich auf dem Dorfplatz. Weiter geradeaus geht es nicht. Wir müssen ziemlich ratlos aussehen und schon nach wenigen Sekunden hält ein Jeep neben uns und der Fahrer weiß liefert uns sofort die Antwort auf unsere nicht gestellte Frage. Ob wir weiter nach Aisa wollen? Alternativen gibt es hier sowieso keine. Das wäre ganz einfach. Wir müssten nur die nächste Gasse rechts abbiegen. Mit dem großen Wohnwagen ist das leichter gesagt als getan. Knapp passt er zwischen den Häuserwänden durch, bis die Gasse sich endlich zur weiterführenden Landstraße ausbreitet.
An einer Stelle stutzen wir schon wieder. Ein Erdrutsch scheint im letzten Frühling die Straße weggespült zu haben und wurde sie wurde nur provisorisch durch Schutt und Kies wiederhergestellt. Uns wird schon etwas mulmig, wie wir mit dem schweren Gefährt auf dieser Piste am Abhang entlang fahren.
Nur wenig später liegt das Valle de Canfranc mit seiner gewaltigen Gebirgskulisse vor uns. Hier gibt es den Bahnhof mit dem angeblich längsten Bahnsteig der Welt. Dumm nur, dass die Strecke nicht mehr in Betrieb ist und die Strecke nie, wie geplant, bis nach Frankreich ausgebaut wurde.



| Valle de Canfranc und Bujaruelo |


An Provinzhauptstadt Jaca vorbei fahren wir weiter nach Osten. Hier ist der Boden schon um einiges trockener und das Thermometer steigt beträchtlich. Es ist beeindruckend, wie intensiv in dieser dürren Gegend Landwirtschaft betrieben wird.
Wir folgen der N260 nach Torla, die hinter Biescas zu einer kleinen kurvigen Gebirgsstraße mit vielen Tunneln wird. Biescas ist 1996 durch die Überflutung eines Campingplatzes weltweit bekannt geworden. 80 Menschen starben bei dieser Tragödie. Hier möchten wir natürlich ungern campen zumal die Gegend nicht außergewöhnlich spektakulär ist.
Nach kurvenreicher Anfahrt erreichen wir schließlich Torla. Hier trifft uns der Tourismus mit voller Härte. Gleich am Ortseingang gibt es einen kostenpflichtigen Parkplatz, auf dem bereits Unmengen an Autos stehen. Warum? Dieser Ort ist das Tor zum bekannten Nationalpark von Ordesa. Laut den Reiseführern ein Highlight, das jeder Pyrenäen-Besucher gesehen haben sollte. Die Leute hier sind bei weitem nicht so freundlich wie die in den kleinen Bergdörfern. Man merkt schnell, dass man in den vielen Souvenirgeschäften nur als Geldbringer betrachtet wird.



| Valle de Bujaruelo |


Wir machen uns auf die Suche nach einem passenden Campingplatz. Wieder möchten wir auf einem Campingplatz in den Bergen übernachten, doch dummerweise führt uns die Straße in eine Sackgasse. Zu unserer Rechten haben wir den Schlagbaum des Nationalparks und zu unserer Linken ist die Zufahrt zum Campingplatz von Bujaruelo - entlang einer schmalen Schotterpiste durch eine Schlucht. Und schnell fällt uns auch das Verbotsschild für Wohnmobile ins Auge.
Uns bleibt nichts anderes übrig als umzukehren. Doch nur einige hundert Meter zurück gibt es noch einen Campingplatz. Dazu noch ein sehr schöner mit sauberen Sanitäranlagen und schöner Lage.

Von hier starten wir am Nachmittag eine Radtour nach Bujaruelo. Am tosenden Rio Ara entlang geht es durch die Schlucht. Die Straße ist eng an die Felsklippen geschmiegt und immer wieder müssen wir Rücksicht auf die recht zahlreichen Pkws nehmen, die über die Schotterpiste holpern. Während unsere Eltern wieder zurückfahren, setzen Raphael und ich unsere Tour fort. Weiter und weiter geht es auf dem schwierigen Untergrund bergauf. Irgendwo sehe ich eine verletzte Kuh am Straßenrand liegen. Sie ist dreckig und sieht auch ziemlich verwahrlost aus. Wahrscheinlich ist sie vor ein Auto gekommen oder am Hang abgerutscht. Ich weiß nicht, wie ich helfen soll und fahre mit schlechtem Gewissen weiter. Auf der Rückfahrt ist sie weg.
An der Ermita de Sta Elena vorbei kommen wir weiter nach Bujaruelo. Neben dem Campingplatz gibt es ebenfalls eine kleine Ermita. Über die Puente de Salud - die Brücke der Gesundheit - kehren gerade viele Wanderer von ihrer Wanderung durch den Nationalpark zurück um sich kurz darauf in der Ermita de San Nicolas zu stärken.
Hinter Bujaruelo nimmt die Menge an Wanderern schnell ab und wir sind die meiste Zeit alleine. Und das gerade hier, wo sich der Fluss durch wunderschön grünen Tal windet. Im Norden ist Frankreich nicht mehr weit. Wir ziehen uns die Schuhe aus und nehmen ein erfrischendes Fußbad im Fluss, dessen Strömung hier oben bereits weniger reißend ist. Außerdem bleibt uns dieser Luxus im Nationalpark verwehrt, da man dort nicht in den Flüssen baden darf. Hier befinden wir uns nicht weit vom Nationalpark entfernt, einem Gebiet, wo sich die Wanderer fast auf die Füße treten. Und trotzdem ist es hier wunderschön und wird durch den Nationalpark selbst kaum zu steigern sein...