Der Teutonengrill abseits der Teutonen
Wir starten in La Pobla de Lillet, wo wir die Nacht verbracht haben. Es ist diesig und von den zahlreichen Skulpturen, die Dalí und seine Schüler in diesem Ort erschaffen haben, ist leider nur wenig zu sehen. Bei Figueras wird die Landschaft flacher und die Straßen werden zu geraden sich durch die Landschaft ziehenden Bändern. Erst im Supermarkt fällt mir auf, dass hier alles Katalanisch ist. Alle Artikel sind in der Sprache Catalán beschrieben, sie lassen sich so gerade durch ein wenigen kombinieren zwischen Spanisch und Französisch interpretieren.
Auf der Küstenstraße N260 nähern wir uns der französischen Grenze. Ich protestiere dagegen, dass wir schon wieder zurück nach Frankreich fahren. Was sollen wir so schnell wieder dort, wo keiner von uns Französisch spricht und die Steckdosen eine so komische Form haben...? So suchen wir uns auf dem Campingplatz eines Küstendorfes mit dem vielsagenden Namen Colera ein Plätzen. Oder besser: Eine Parzelle. An der schroffen Küste herrscht Platzmangel und in fast jede Bucht hier zwängen sich dichte Siedlungen.
Der erste Eindruck von Colera lässt uns nicht gerade in Jubel verfallen. Es gibt zwar keine Discos und der Auflauf an Deutschen, die der Costa Brava den Namen "Teutonengrill" gegeben haben, ist hier im Norden nur sehr gering. Doch die wenigen Läden sind teuer und man merkt, dass man sich nach der einsamen Bergwelt der Pyrenäen plötzlich wieder in einem Tourismuszentrum befindet.
Das soll aber noch lange nicht heißen, dass es hier keine schönen Ecken gibt. Bei einem kleinen Ausflug mit meiner Mutter zum Strand stelle ich fest, dass neben dem kleinen Hafen ein Wanderweg den Berg hinauf führt. Von hier oben bietet sich bereits ein toller Ausblick auf die Bucht von Colera. Aus den Bergen wehen heftige Sturmböen über das Dorf hinab. Immer wieder muss ich Halt vor ihnen suchen und genieße den Ausblick auf das aufgewühlte Meer. Hoffentlich kommt heute kein Gewitter, denn seit einiger Zeit zieht ein dichtes Wolkenband knapp an uns vorbei.
| Die Costa Brava nahe Colera |
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Am Nachmittag ist von einem Gewitter weder etwas zu hören noch etwas zu sehen. Also beschließen Raphael und ich uns aufzumachen, um den beim Hafenbecken startenden Wanderweg zu erkunden. Direkt am Campingplatz führt ein breiter betonierter Wasserkanal entlang. Durch ein kleines Loch in der Mauer gelangen wir in den trockenen Kanal und können wunderbar die paar hundert Meter bis zum Hafenbecken fahren, dort wo der Kanal ins Meer führt. Jetzt nur hoffen, dass in den Bergen gerade kein Wolkenbruch ist...
Doch wir kommen gut am Hafenbecken an, stellen unsere Räder ab und machen uns zu Fuß weiter auf den Weg. Nach einiger Zeit erreichen wir an eine Steilküste von wo sich ein grandioser Ausblick auf das Meer bietet. Weiter unten sehen wir eine kleine Felsinsel, die durch das flache Wasser sicher leicht zu erreichen ist. Also folgen wir der abfallenden Steilküste noch ein wenig bis zum Strand und laufen zurück zum Felsen. Von hier aus können wir dort bereits ein paar Fischer sitzen sehen. Ok, wir sind also nicht die einzigen, die diese verrückte Idee haben. Dumm ist jetzt nur, dass des scharfkantige Lavergestein im Wasser haufenweise schwarze Flecken zeigt. Es sind Seeigel, die sich massenhaft in jede Spalte zwängen! Trotzdem ziehen wir unsere Schuhe aus und versuchen irgendwie durch das flache Wasser zu kommen ohne auf eines dieser stacheligen Biester zu treten. Wir haben Glück und kommen unversehrt auf der kleinen Felsinsel an.
"El otro Peņo" - "Der andere Felsen". Das ist die heutige Titelschlagzeile der landesweit erscheinenden Zeitung el periódico, die eindeutig auf Gibraltar anspielt. Doch hier geht es nicht um das ewige politische Tauziehen um die britische Kronkolonie Gibraltar im Süden Spaniens, sondern um die Isla Perejil oder den Deutschen inzwischen auch unter der Bezeichnung "Petersilieninsel" bekannt. Der "Petersilienkrise" werden die ersten 6 Seiten gewidmet und dabei geht es nur um ein kleines Stückchen Fels vor der marokkanischen Küste. Ok, ein paar marokkanische Soldaten haben verbotenerweise ein Feuerchen auf der Insel gemacht! Aber ob das die ein paar Tage später stattfindende Stürmung der Insel durch spanische Eliteeinheiten rechtfertigt? Sie ist ja nicht einmal Naturschutzgebiet...
Auf unserem peņo dagegen geht es momentan weitaus friedlicher zu. Einige Angler warten in aller Ruhe darauf, dass etwas anbeißt und ein paar Meter weiter sind Seeigelsammler am Werke. Und auch ein Feuerchen macht hier niemand. Wir erklimmen nach und nach die kleine Insel. Das scharfkantige Gestein bietet sich wunderbar zum kleinen Training in Freeclimbing an. An einigen Stellen ist es dann doch recht heikel, da unter unseren Füßen kräftige Wellen gegen die Felsen schlagen.
Oben auf dem Felsen angekommen müssen wir immer wieder Schutz suchen. Der Wind fegt in derart starken Böen über die die Insel hinweg, dass wir uns nur selten dabei auf den Füßen halten können. Mit der Zeit bekommen wir den Dreh raus. Bevor die nächste Böe kommt, spritzt sie in der Bucht Gischt in große Höhe und nähert sich dann. Dann krallen wir uns immer an einer schützenden Stelle an den Felsen und lassen die Böe über uns ergehen.
Durch den starken Wind erweist sich der Rückweg als gar nicht so einfach. Inzwischen hat er das Meer so weit aufgewühlt, dass wir an der Furt zurück den passenden Moment abwarten müssen, da sonst das Wasser zu tief uns wellig ist. Um diesen Moment nicht zu verpassen, springe ich mit Schuhen in das kurzzeitig seichte Wasser. Doch es steigt es schnell wieder an und am Ufer angekommen sind meine Schuhe dann doch klatschnass. Raphael hat kaum mehr Glück. Pech eben...
| Naturgewalten |
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Über der Steilküste vergnügen sich ein italienischer Vater und sein Sohn. Sie versuchen, sich verkrampft auf eine der antiken Kanonen zu stellen um dabei vom Wind nicht umgeblasen zu werden. Der eine krallt sich am anderen Fest und schnell liegen sie wieder auf dem Boden, wobei sich der Kleine vor Kichern kaum halten kann.
Die Kanonen sind Zeugnisse von ehemaligen Grenzkonflikten mit dem nur wenige Kilometer entfernten Frankreich. Und dorthin geht es morgen. Nur wohin genau? Das werden wir sehen...
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