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Französische Atlantikküste
In der untergehenden Sonne schiebe ich mein Fahrrad durch den tiefen feinkörnigen Sand. Er ist warm. Es ist angenehm mit den Füßen darin zu laufen. Aufgrund der Tiefe ist nur nicht mehr an Fahren zu denken. Was mache ich hier gerade? Ich unterziehe mein Fahrrad seinem ersten Test unter "Wüstenbedingungen".
Das flach einfallende Licht der untergehenden Sonne erzeugt feine Muster auf der Sandfläche, die denen des allgemein bekannten "Sahara-Klischees entsprechen - nur dass diese Dünen bei genauerer Betrachtung bedeutend kleiner sind.
Ein kleiner Cocker-Spaniel trottet mit tollpatschigen Schritten seinem Herrchen im tiefen Sand hinterher. Aus dem Umfeld ist der einer jeden Sprache typische Akzent in Französisch, Englisch, Deutsch, und Spanisch zu vernehmen. Genauer: Wir befinden uns hier in Moliets-Plage, dem letzten Stück Sandstrand, an Frankreichs südlicher Atlantikküste.
Und wieder, meinen ganzen Gewohnheiten entgegen, habe ich mich für einen Urlaub mit der Familie entschieden. Wobei aber - um ganz ehrlich zu sein - der finanzielle Aspekt keine unbedeutende Rolle gespielt hat. Und nun - Schande über mein Haupt - befinden wir uns hier nach einer dreitägigen Anreise per Wohnmobil. Natürlich ist mein Fahrrad trotzdem dabei. So ist mein erster Gedanke nach der Ankunft, das Fahrrad aus der Fahrradgarage im Wohnmobil zu zerren, und wenigstens die letzten 300 Meter zum Atlantik im Sattel zurückzulegen. Ein Genuss, worauf ich letztes Jahr verzichten musste. Nach über 3000 km holte mich in Santiago de Compostella die Erschöpfung ein und hinderte mich daran die letzten 30 km zum Atlantik an die Finisterre, das "Ende der Welt" zurückzulegen.
Nach einem verregneten Tag präsentiert sich der Atlantik mit seinen hoch aufbrausenden Wellen unter blauem Himmel. Auf den Schaumkronen der Wellen sind Surfer zu erkennen. Im Norden nimmt der Sandstrand gar kein Ende, während im Süden die im Dunst liegenden Ausläufer der Pyrenäen zu erkennen sind.
Die Sonne versinkt langsam hinter den am Horizont liegenden Wolken. Ihre letzten Strahlen tauchen den Strand in eine unglaublich intensive Farbe...
Am nächsten Morgen sind orangene Fahnen gehisst. Der Wellengang ist recht hoch und das Baden ist nur auf einem etwa 100 Meter breit markierten Strandabschnitt zugelassen. An dessen Grenzen stehen die Aussichtstürme der Rettungsschwimmer. Und wehe dem, der es auch nur wagt den markierten Bereich zu verlassen. Sofort ertönt die schrille Trillerpfeife des Wächters und der Abweichling wird mit fuchtelnden Armen in den markierten Badebereich zurück diktiert.
Dass man an diesem mehrere hundert Kilometer langen Strand nur auf diesem kleinen Stück baden darf, verdirbt mir verdammt die Laune. Ich überwinde mich schließlich doch zum schwimmen gehen. Und siehe da: Die bis zu 3 Meter hohen Wellen sind derart heftig, dass man schnell mal aus der Puste kommt. Zudem versucht ständig eine reißende Strömung einen an den beiden Begrenzungen der Badestelle ins Meer zu ziehen. Nur wenn man sich kräftig mit den Füßen am Grund abstößt, ist ein Entweichen möglich. Dagegen anschwimmen wäre unmöglich. Ok, irgendwo hatte diese Begrenzung auf einen bestimmten Strandabschnitt wohl doch ihre Berechtigung...
Der Atlantik mit seiner Kraft relativiert noch einmal meine Vorstellung von Naturgewalten.
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