An der Küste und unter dem Meer



Am Morgen ist das Wetter immer noch nicht besser. Es regnet immer wieder. Auf dem Weg zur Fähre ist der Himmel immer noch grau in grau bewölkt. Am Fährterminal angekommen muss ich nicht lange warten. Ich kaufe mir ein Ticket für die Überfahrt nach Mortavika auf der Halbinsel Rennesøy. Die Fährfart über sitze ich größtenteils im warmen Schiffsinneren. Bei der Ankunft frage ich die Fährleute wie ich denn mit dem Rad nach Stavanger komme. Als ich mir gestern im Zelt noch einmal genauer den Streckenverlauf angesehen habe viel mir auf, dass zwei mehrere Kilometer lange Tunnel die vor mir liegenden Inseln miteinander verbinden, was auf den ersten Blick nicht rein ersichtlich war. Diese Tunnel sind natürlich unmöglich mit dem Fahrrad zu durchqueren und so erkundige ich mich jetzt was es für Weitefahrtsmöglichkeiten gibt. Die beiden sind sich nicht ganz sicher, empfehlen mir aber in Vikevåg den Bus zu nehmen.
So fahre ich noch ein Stück über die kahle Insel Rennesøy bis ich in dem kleinen Ort angekommen bin. Das Weiterfahren ist für Radfahrer ab dem Tunneleingang selbstverständlich verboten. Daneben ist eine Bushaltestelle und laut dem Fahrplan habe ich glück. Ich muss nur eine halbe Stunde auf den 4 Mal am Tag fahrenden Bus warten. So lange stehe ich im Regen denke nach und esse ein wenig. Dann kommt der Bus schließlich. Ich stelle mich neben das Fahrrad klappe den Ständer hoch und – er fährt vorbei!

Was soll denn das für ein Mist verdammte Scheiße noch mal!? Soll ich jetzt etwa 4 Stunden auf den nächsten Bus warten? Ohne Aussicht darauf, dass der mich auch mitnimmt! Ich bin gerade dabei aus der Haut zu fahren und mache mich erst einmal auf die Suche nach einem Telefon. Irgendwelche Möglichkeiten muss es ja geben. Dann sehe ich etwa 200 Meter weiter eine andere Bushaltestelle. Das soll erst mal einer verstehen. Da habe ich wohl an der Bushaltestelle für „Wohlhabendere Geschäftsreisende“ gestanden. Deswegen war die Bus auch so nobel, der an mir vorbeigefahren ist. Die andere ist die normale Haltestelle und der nächste Bus kommt auch schon in 5 Minuten.
Bei diesem Bus läuft alles ohne Probleme. Ich hebe mein Fahrrad hinten rein, kaufe für mich und das Rad Tickets nach Stavanger und kann ohne Probleme mitfahren. Das Ticket für mich kostet 40 NOK, das „Spesialbillett“ für mein Fahrrad 15 NOK. Das hält sich noch im erträglichen Rahmen.

Es stimmt. Die Tunnel wollen schon bei der Fahrt mit dem Bus gar kein Ende nehmen. Genauso wie der Regen außerhalb der Tunnel. In der Innenstadt von Stavanger angekommen versuche ich erst einmal den Bahnhof zu finden. Mir ist zwischenzeitlich eingefallen, dass die Wochenenden bei den Fährgesellschaften Norwegen-Dänemark schon morgen – also Freitags – beginnen. Und während dieser Zeit sind die Überfahrten bekanntlich teurer. Auf der Suche nach dem Bahnhof komme ich zufällig zum Gebäude der Fjordline. Diese fährt aber von hier aus nur nach England. Und dort wird das Wetter auch nicht viel besser sein...
Ich erkundige mich über die Abfahrtszeiten in Egersund. Wie ich den Bahnhof endlich gefunden habe, finde ich heraus, dass die nächste Bahn nur 10 Minuten vor der letzten heute fahrenden Fähre in Egersund ankommen wird. Das ist eindeutig zu knapp. Also komme ich morgen wohl nicht daran vorbei mir ein Ticket mit Wochenendsaufschlag kaufen zu müssen.
Ab jetzt versuche ich nur noch aus dem großen Stadtgebiet Stavangers herauszukommen. Mit mehrerem Hin –und Her schaffe ich es schließlich die Rcihtige Straße zu finden um aus der Stadt zu kommen. Während der fahrt holt mich ein Norweger auf seinem Mountainbike auf. Er spricht mich an und erzählt, dass er erst vor ein paar Tagen mit seinem Rad am Nordkap war. Meine Stimmung ist so niedergeschlagen, dass ich nur sehr spärlich antworte. Ich will einfach nichts mehr von Norwegen wissen im Moment. Im Nachhinein tut es mir schon leid, ihn so abwertend behandelt zu haben. Er verabschiedet sich trotzdem freundlich und fährt in schnellerem Tempo weiter. Immerhin der erste Radfahrer mit dem ich in Kontakt gekommen bin wenn auch kein Reiseradler.

Meine Blase drückt langsam unerbittlich und ich finde einfach keine stille Ecke. Hier ist alles zu dicht besiedelt. Das in Norwegen wovon man das gar nicht so gewohnt ist. Schließlich kann ich meine Blase endlich entleeren und fahre um ein paar Liter erleichtert weiter.
Die Landschaft hier ist wenig spektakulär. So etwas wie die Kornkammer Norwegens. Überall nur Felder und Wiesen auf einer Hügellandschaft mit einzelnen Bauernhöfen dazwischen. Kein einziger Berg. Die Straße umläuft die meisten Orte und es gibt nichts anderes zu sehen als ein paar die Wiesen abgrenzende Steinmauern, Kühe und Schafe. Hinzu weht noch ein ständiger Gegenwind vom Meer her. Die verdammte Zahl auf dem Tacho scheint einfach nicht steigen zu wollen und hält sich hartnäckig unter der 20.

Flache Landschaft
Flache Landschaft

Rechts auf dem Meer sehe ich die Tankerschiffe an mir vorbeischippern. Eine Ewigkeit scheint vergangen zu sein wie ich endlich den Campingplatz Brusand erreiche. Die Besitzer scheinen es den Leute wohl anzusehen wenn sie auf dem Rückweg und total fertig sind. So werden mir jetzt noch einmal stolze 110 NOK (ca. 28,- DM!) für eine Übernachtung abgeknüpft!

Nachdem ich das Zelt aufgebaut habe fahre ich noch einmal ohne Gepäck in den Ort, doch alle Einkaufsmöglichkeiten haben schon geschlossen. Der Kiosk auf dem Campingplatz jedenfalls ist mir eindeutig zu teuer. Das Wetter ist immer noch nicht besser, doch mein Essen bekomme ich so gerade noch gekocht. Für heute bin ich erst einmal total fertig. Egersund liegt ja nur noch 30 km von hier entfernt.

Strecke: 758,79 km

Reine Fahrzeit: 50:56

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