Regen...
Obwohl gestern Abend so
schön die Sonne geschienen hat, hat es in der Nacht angefangen
zu regnen. Und der Regen will gar nicht mehr aufhören. Ich packe
meine Sachen, kippe meine Spargelsuppe zu den Fischresten ins
Wasser und mache mich wieder auf.

Regen, Regen, Regen...
Alleine bis zur
Tankstelle dauert das schieben eine gute halbe Stunde. Das
Stückchen, das ich gestern in nicht einmal 5 Minuten bergab
gefahren bin. Von hier ist es nur noch ein kleiner Anstieg bis
zum nächsten Tunnel, danach geht es wieder bergab. Der
Stordalsvatnet hüllt sich in nebeliges Regenwetter. So richtig
deprimierendes grau in grau. Die Straße verläuft ab hier bis
Etne nur noch gerade oder bergab. Ich brauche wieder Geld und
gehe im Ort in die Bank um dort Reiseschecks einzutauschen. Das
ganze funktioniert ohne Probleme.
Da ich jetzt absolut
keinen Nerv mehr darauf habe noch weiter alleine durch Norwegen
zu fahren, bin ich schon länger auf dem Rückweg in Richtung
Süden. Mein endgültiges Ziel soll Egersund sein. Von dort will
ich mit der Fähre wieder zurück auf das europäische Festland
nach Dänemark.
Die Fahrt ist ab hier
recht wenig spektakulär, da es landschaftlich nichts besonderes
zu sehen gibt oder es hinter der Regenwand nicht zu sehen ist.
Über kleine Pässe komme ich recht gut voran.
Ich versuche die letzten
Tage in Norwegen zu genießen doch so richtig gelingen will mir
das nicht. Die Wolken hängen tief über den Bergen oder bedecken
sie ganz. Die Straße auf der ich jetzt fahre, die E11 ist wieder
mit einigen Tunneln gespickt, die sich aber zugig durchfahren
lassen. Wozu drinnen auch nicht mehr nasser ist als draußen.

Da
kommt Freude auf!
Die Landschaft wird immer
kahler, es gibt immer weniger Bäume obwohl die Berge tief unter
der Baumgrenze sind. Streckenweise gibt es nicht mehr als Felsen
auf denen ein wenig Gras und Moose wachsen.
Bevor ich vor Haugesund
auf die E1 fahre gibt es noch einige Probleme. Der Radweg ist so,
dass er plötzlich durch ein Stück Wald in ein Wohngebiet
mündet in dem ich mich vollkommen verfahre. Also fahre ich
wieder zurück und setze meine Fahrt auf der Straße weiter fort.
Nicht das einzige Verkehrstechnische Ärgernis für Radfahrer in
Norwegen.
Von hier aus ist der
nächste Campingplatz noch sehr weit entfernt auf der Halbinsel
Bokn. Bis dorthin sind es noch ca. 30 km. Da für mich die
Weiterfahrt auf der Hauptstraße verboten ist, muss ich auf eine
Nebenstraße ausweichen was gar nicht mal so schlecht ist. Es hat
inzwischen aufgehört zu regnen. Ich passiere kleine
Bauerndörfer mitten zwischen Wäldern. Die Strecke ist leicht
Hügelig und bietet einige extreme aber kurze Anstiege. An einer
Stelle werde ich schon wieder durch ein Radfahrerschild in ein
Wohngebiet geführt und muss einige mal steil bergan fahren bis
ich da wieder raus bin. Schluss! Ende! Aus! Ab jetzt bleibe ich
auf den Straßen und versuche mich nicht mehr irreführen zu
lassen.
Mitten im Nichts treffe
ich wieder auf die E1. Hier scheint wirklich gar nichts zu sein.
Sie führt über total kahles Gelände, auf dessen Felsen fast
nichts wächst. Weit und breit bestehen die Inselchen nur aus
nacktem Felsen. Die Küste ist jetzt immer öfter zu sehen. Dem
offenen Meer vorgelagert liegt die große Halbinsel Karmøy, die
offensichtlich auch den Küstenwind abhält.
Die E1 ist praktisch gar
nicht mehr befahren. Dieser Eindruck mag auch daher rühren, dass
sie so weitläufig durch leere Landschaft verläuft, doch nur
selten kommt ein Auto an mir vorbei. Die verbindet an dieser
Stelle mehrere Kleine Inselchen durch Brücken miteinander. Auf
Bokn angekommen fahre ich weiter zum Fährsteg an der Südspritze
der Insel. Das Dorf Arsvågen dort besteht aus nicht mehr als dem
Fährhaus und einer Wetterstation. Ich sehe nach welche Fähre
ich morgen nehmen kann und mache mich auf zum Campingplatz. Ich
fahre über einen kleinen Weg mitten durch die Felsenlandschaft.
An einer Verzeigung fährt mir eine ältere Norwegerin mit dem
Rad über den Weg. Und ich versuche ihr klar zu machen, dass ich
den Campingplatz suche. Sie zeigt in die Richtung, wohin sie
fährt und fährt an mir vorbei. Einige Zeit später sehe ich sie
oben auf einem Anstieg stehen. Sie zeigt auf den Campingplatz ich
bedanke mich und sie fährt weiter wo immer diese Straße auch
hinführen mag.
Der Campingplatz ist die
Hofwiese eines Bauernhofes. Für 50 NOK melde ich mich in der
Wohnung des Landwirtes an. Auf die Frage ob ich telefonieren kann
nur um kurz die Nummer durchzugeben drückt er mir das Telefon in
die Hand und zeigt mir ein Zettelchen mit der Nummer. Nachdem ich
fertig mit dem Gespräch bin frage ich, was ich bezahlen muss. Er
brummt nur mit einer abwertenden Handbewegung und lässt mich
mein Zelt aufbauen.
Die Toilette ist etwas
merkwürdig aber gepflegt. Es gibt nur eine Dusche und eine
Toilette für Männer und Frauen.
Beim Zeltaufbau fängt es
wieder an zu regnen. Der Regnen vertreibt wenigstens etwas die
lästigen kleinen Mücken. Eine ganz heimtückische Art. Kaum
habe ich mit dem Zeltaufbau angefangen überfallen mich die
kleinen Biester schon in Schwärmen die man nicht sehen kann. Man
spürt sie nur zu Hunderten auf der Haut pieksen und kann sich
nur mehrmals über die Arme und das Gesicht wischen um ebenso
viele loszuwerden. Dann kommen gleich wieder doppelt so viele,
die sich auch unter die Kopfhaare wühlen und überall hinkommen.
Grauenvoll!
Mit dem Regen hat das
glücklicherweise ein Ende.
Strecke: 673,01
Reine Fahrzeit: 44:48