Meer
und Berge
Die allmorgendliche
Routine: Frühstücken, Gepäck packen, Zähne und Besteck
putzen, weiter packen, aufpacken aufs Rad und losfahren.
Um 11 Uhr komme ich für
70 NOK auf die Fähre nach Gudvangen. Eine nüchterne Fährfahrt
kann man sich unter dieser kaum vorstellen.
Der Wind weht eisig und
die Sonne ist heute morgen kaum zu sehen. Die Atmosphäre wird
vom etwas beleibteren Busfahrer einer Reisegruppe
älterer Zypraner aufgewärmt. Er fragt fast jeden Passagier nach
seinem woher und wohin aus. Dazu hebt auch sein akzentreiches
Englisch die Stimmung. Die Zypraner sind einfach das totale
Gegenteil von den sich so sehr zurückhaltenden Norwegern.
Von der
Landschaftskulisse ganz zu schweigen gleicht die Fahrt eher einer
Erlebnisfahrt denn einer Fährfahrt.
Erst das Anlegen an das
verträumte Fischerdörfchen Kaupanger. Dann schwimmen uns
plötzlich Schweinswale mit ihren majestätischen Rückenflossen
über den Weg. Es wird noch ein unplanmäßiger Stopp in
Frøningen dazwischengeschoben. Diese Ansammlung von Gehöften
scheint vollkommen von der Außenwelt abgeschnitten und ist
obwohl es auf dem Festland liegt nur vom Wasser aus
erreichbar.

Dorf Frøningen
Dann wird noch mitten auf
dem Fjord an die Schnellfähre nach Aurland angedockt, damit drei
Passagiere umsteigen können. Einmal eine ganz andere Perspektive
einer Radreise.
Vor Gudvangen wird die
Landschaft man kann nur noch sagen spektakulär. Am
nur etwa 200 Meter breiten Fjord ragen an beiden Seiten über
1000 Meter hohe Felswände hinauf.

Fjordlandschaften
So ist es fast schon
schade, dass ich nach der Ankunft in Gudvangen wieder in die
Pedale treten muss. Die Straße steigt seicht talaufwärts an.
Doch plötzlich verschwindet die Straße in einem mehrere
Kilometer langen Tunnel.
Busse und Radfahrer
müssen die sich steil am Hang empor schlängelnde
Serpentinenstraße fahren. Und was für eine!
Die Straße hat
mindestens 15% Steigung. So schaffe ich es gerade im Laufen das
Rad vorwärts zu stemmen indem ich den Lenken stark umklammere.
Die Busse höre ich irgendwann auf zu zählen. Jedes Mal sehen
einen die Leute durch die Scheiben an winken auch
manchmal. Dumm ist, dass die Busse meistens gerade einmal einen
halben Meter schmaler sind als die Straße auf der sie sich hoch
schleichen.
Inzwischen hat es
angefangen zu regnen und ich kann das erste Mal meine
Regenklamotten gebrauchen. So ist die 300,- DM teure Regenjacke
auch nicht umsonst gewesen. Nach 450 Höhenmetern endlich oben
angekommen treffe ich auf ein Hotel mit Aussichtspunkt.
Bustouristen klatschen vor den Bussen stehend in die Hände wie
sie mich kommen sehen. Na, das nenne ich Anerkennung!
Nach dem See
Oppheimsvatnet geht es dann wieder durchgehend bergab bis zu
Kleinstadt Voss. Hier kaufe ich schnell etwas ein, rufe kurz zu
Hause an und fahre dann weiter. Hier verlasse ich die E16
entgültig, die von hier nun weiter nach Bergen führt. Die 200
Höhenmeter anstieg sind recht milde. Zwei jüngere Jugendliche
mit modischen Expeditionshüten und Hosen, breiter als
Müllsäcke, versuche mich immer wieder zu überholen bleiben
aber immer wieder vollkommen außer Puste stehen. Ich habe also
doch ein wenig Ausdauerkraft gewonnen.

Bei Voss
Am Höchstpunkt der
Straße ist ein Campingplatz, der mir aber nicht besonders
zusagt. Also lasse ich mich auf der anderen Seite wieder bergab
rollen. Der Radweg wurde genau auf die alte Bahntrasse gelegt. Es
hat schon etwas belustigendes, wenn man von Rad aus die
Perspektive alter Berglokomotiven einnehmen kann, durch
verfallene Haltestellen und kleine Tunnel fährt. Dann verliert
sich die Straße in steil abfallenden Serpentinen bis hinunter
zum nächsten Campingplatz...

Meine bei Insekten sehr beliebten Füße...
Strecke: 440,01
Reine Fahrzeit: 29:18