Fjell und Möwen



Am Morgen hat sich unter der Außenhülle des Zeltes wieder Unmengen von Morgentau gebildet. Ich habe Mühe, das Zelt trocken zu bekommen.

In Norwegen scheint es mehr Elch-Schilder zu geben als Elche selbst...
In Norwegen scheint es mehr Elch-Schilder zu geben als Elche selbst...

Es geht wieder auf der E16 weiter. Auf diesem Teilstück ist sie wieder äußerst spärlich befahren. Ich treffe höchstens alle 2 Minuten auf ein Auto. Am See Vangsmjøsa vorbei ferläuft die Straße ohne Steigungen. Ich fahre das erste Mal durch einen Tunnel der glücklicherweise recht kurz ist. Grauenhaft!
Dann beginnt der Anstieg. Auf etwa 10km müssen 500 Höhenmeter zugelegt werden. Danach soll es nach Karte 69km stetig leicht bergab bis zum Fjord gehen.

See Vangsmjøsa
See Vangsmjøsa

Nach dem ersten Bauernhof fängt die Geschichte mit den Fliegen wieder an. Und dazu noch viel schlimmer als gestern. Es ist zum verzweifeln. Die Straße steigt immer steiler an und die Fliegen mehren sich mehr und mehr. Mit der Zeit schwirrt ein so großer Schwarm um mich, dass er auch durch die vorbeifahrenden Autofahrer sichtbar sein müsste. Die mistigen Viecher setzen sich einfach überall hin. Ins Gesicht auf die Arme, den Lenker, das Gepäck – ich sehe nur noch Fliegen. Wenigstens lenkt meine Wut ein wenig von Aufstieg ab, so dass ich mich oben fast wundere, schon angekommen zu sein.
Die Straße verläuft gerade weiter über das Fillefjell. Hinter dem See Otrøvatn ist eine wunderbare Kulisse von teils schneebedeckten Bergen zu sehen. Die 1013 Höhenmeter sind erklommen.

Fillefjell
Fillefjell

An einem Rastplatz treffe ich auf zwei Motorradfahrer. Einer fragt, ob er ein Foto von mir machen kann, da er bis jetzt noch keinen Reiseradler gesehen hat. Kann er schon, aber bin ich denn total falsch hier?

Dann geht es endlich merkbar bergab. Seichte Talebenen wechseln sich mit kurvenreichen Abfahrten ab. Diese Abfahrten verlaufen meistens durch tiefe Schluchten. Neben einem rauscht das Wasser und kleine Tunnel müssen durchfahren werden. Für heute habe ich mir Lærdalsøri, ein am Fjord liegendes Städtchen als Ziel vorgenommen. Morgen möchte ich dann weiter über den Pass nach Aurlandvangen. Dieser ist aber zur Zeit geschlossen. Als Alternative gibt es nur den 4km langen Tunnel nach Norden und die Fähre nach Gudvangen. Ich entscheide mich für die Fähre. Nach Aurlandvangen wird zur Zeit der längste Autotunnel der Welt gebaut. Stolze 28km lang! Das ganze Gebiet scheint zur Zeit verkehrstechnisch vollkommen umgebaut zu werden, da nur weniges mit den Angaben in meinem Plan übereinstimmt. An der Straße stehen aber Informationsschilder, die einem den Weg weisen.
Dann ist es soweit; Die erste Möwe! Bis Lærdalsøri ist es jetzt nicht mehr weit. Am Fährterminal kann ich den ersten Blick auf den Fjord Lærdalsfjorden werfen. Steil ragen an seinen Seiten die Berge auf. Ich entschließe mich morgen früh die 11.10 Uhr Fähre zu nehmen. Auf der 4 Stunden langen Fahrt wird es sicherlich auch noch einiges zu sehen geben.

Ich quartiere mich auf dem komfortablen Campingplatz ein und lasse den Tag mal wieder ausklingen.
Als seltsamer Zufall wird sich herausstellen, dass meine Eltern in ein paar Wochen mit dem Wohnmobil auf dem gleichen Campingplatz nur 6 Meter weiter Halt machen werden...
Wie gesagt, die Welt ist klein...

 

Strecke: 366 km

Reine Fahrzeit: 24:40

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