Anhängliche
Insekten
Das morgendliche Wetter
ist wieder einmal wunderbar. Der Beginn meiner Strecke verläuft
weiter auf der E16. Der Verkehr ist sehr spärlich und so lässt
es sich entspannt fahren. Neben der Straße sind nur der Fluss
und die die Berghänge aufragenden Tannenwälder zu sehen. Der
Anstieg der Straße, der sich am Fluss aufwärts orientiert ist
auch nicht weiter nennenswert. In dem Ort Bagn gibt es dann aber
doch Probleme.

Fluss Bagna
Die Straße ist von hier
aus für einige Kilometer für Autos ausgebaut und für Radfahrer
verboten. Ich muss nichts böses ahnend die
Nebenstrecke nehmen. Der Steile Anstieg entpuppt sich nach einer
Kurve als die reinste Serpentinenstraße, deren Anstieg auf den
nächsten paar Kilometern nicht enden wird und deren Hunderte von
Höhenmetern erst einmal erklommen sein wollen.
Und dann passiert, was
mir nicht das einzige mal auf dieser Tour geschehen soll. Nach
jeder Kuhwiese, an der ich vorbeifahre, mehren sich die fliegen
um mich herum. Ich kann mich gegen die immer dreister werdenden
Viecher kaum wehren, da ich erstens mit meinen 10 km/h kaum vor
ihnen flüchten kann und außerdem schweißgebadet mit dem
Aufstieg beschäftigt bin. Endlich ganz oben im Dorf angekommen
geht es langsam wieder bergab. Immer wieder schlage ich nur noch
so um mich um die lästigen Scheißhausfliegen loszuwerden. Bei
40 km/h bergab, sehe ich den Schwarm immer noch hinter mit her
schwirren, habe es dann aber endlich geschafft.

Blick auf die Jotunheimen
Ab hier wird die alte E16
zur Schotterstraße. Ein paar hundert Meter weiter sehe ich ein
paar Schafe, die von einem Auto regelrecht mit der Stoßstange
weggestupst werden müssen. Ein Fahrrad mit Gepäck haben sie
wohl erst selten gesehen oder schlechte Erfahrungen mit selbem
gemacht. Vor mir flüchten sie in alle Himmelsrichtungen.

Schafe auf der alten E16
Bei einer Pause an einem
kleinen See zeigen die Fliegen mal wieder was sie drauf haben,
indem sie versuchen sich über mein Essen herzumachen.
Bei Aurdal komme ich an
einer Motorkross-Rennstrecke vorbei, auf der gerade ein Rennen
stattfindet. Im kleinen Dorf Leira mündet der Weg wieder auf die
normale E16 und es nur noch ein paar Kilometer bis Fagernes. Hier
setze ich mich erst einmal auf eine Bank, falte den Plan
auseinander und versuche mich für eine weitere Strecke zu
entscheiden. Da es mit meiner Motivation nicht mehr beim besten
steht, verzichte ich auf die abzweigende Straße zu den
Jotunheimen. Nach dem Anruf zu Hause entscheide ich mich weiter
auf der E16 in Richtung Fjordnorwegen zu fahren. Vorbei an den
Seen Slidefjorden und Strondafjorden geht es weiter in Richtung
Nordwesten. Die Landschaft hier wird von vielen hölzernen
Bauernhöfen bestimmt, die von hügeligen Wiesen umgeben sind.
Der Verkehr auf diesem Abschnitt der E16 ist wieder einmal nicht
erwähnenswert. Er scheint nur zwischen nahe nebeneinander
liegenden größeren Orten vorhanden zu sein.

Pause...
Abends bin ich dann so
ausgelaugt, dass ich noch an einem Campingplatz vorbeifahren
kann, den nächsten 2km weiter aber sofort anfahre. Dieser liegt
wie der gestrige auch am Fluss Bagna, die hier rauschend über
die vielen sich ihr in den Weg stellenden Steine fließt. Angler
stehen am Ufer und versuchen Forellen zu fangen.
Die Dusche ist im Preis
für eine Übernachtung (60 NOK) nicht enthalten zumindest
kein Warmwasser.
Was solls, denke
ich. Kaltwasser härtet ab und ich spare Geld. Wenn ich das
Gewusst hätte...
Die Leitung scheint
direkt vom Gletscherwasser bis hier hin zu führen. Es ist so
kalt, dass ich gleich an das wohlig wärmere Wasser in einem
österreichischen Bergsee denken muss. Jedenfalls muss ich nach
dem Duschen wohl über weite Teile des Körpers blau angelaufen
sein. Gemeinheit!
Und noch einmal die
Geschichte mit dem Handy: Meine Eltern haben darauf bestanden,
dass ich eins mitnehme um immer erreichbar zu sein. Obwohl ich
die Dinger hasse. Beim Abendessen sehe den Berliner gegenüber
vor seinem Wohnmobil mit Handy telefonieren. Also gehe ich nach
dem Essen einfach mal zu ihm rüber und frage ihn warum es denn
bei ihm funktioniert. Er kennt sich natürlich genauso wenig
damit aus wie ich und ruft seine 16jährige Tochter aus dem
Wagen. Schlauer bin ich danach auch nicht, da auch sie mir nicht
weiterhelfen kann.
Während ich das Zelt
aufräume, werde ich von der Mutter zu einem kleinen
Schwatz eingeladen. Die Mutter zeigt sich dabei besonders
geschwätzig und erwähnt natürlich auch, dass sie vor Sorgen
eingehen würde, wenn ihre Tochter auch einmal eine solche
Radtour machen würde. Das alte Klagelied der Mütter...
Sie haben heute oben auf
dem Bergpass eine Reiseradlerin gesehen. Nur ich bin bisher auf
keinen einzigen Reiseradler getroffen. Obwohl mir gesagt wurde,
dass man die in Norwegen haufenweise trifft. So langsam finde ich
das seltsam...
Strecke: 255,9 km
Reine Fahrzeit: 17:44