Tag 7: Palma - Aeropuerto de Palma de Mallorca

Um 8 klingelt der Wecker - wieder einmal... ausschlafen...
Eine halbe Stunde später quäle ich mich aus der schiefen Matratze, ziehe schlaftrunken den Tisch aus der Waschecke zu mir vors Bett und frühstücke erst einmal einen Liter Milch mit Müsli. Danach beginne ich mein Kabuff aufzuräumen und alles für den Aufbruch bereitzumachen. Beim Blick durch das Fenster zum Innenhof fällt mir auf, dass oben stralhend blauer Himmel ist. Noch ist die Sonne längst nicht in die tiefen Gassen der Altstadt gelangt.
Und auch mein Fahrrad hat die Nacht in den tiefen dunklen Gassen trotz der Sorgen des Herbergsmütterchens gut überstanden. Ich habe es extra am Balkon über dem Innenhof festgeschlossen. Ich verabschiede mich schließlich und mache im Anschluss eine morgendliche Sightseeing-Tour durch die Stadt. Zuerst gurke ich zwei Stunden lang durch die Gassen und über die großen, stark befahrenen Avenidas der Hauptstadt. Dass ich mit meinem vollbepackten Fahrrad selbst eine Touristenattraktion darstelle, lässt sich nicht vermeiden. Die eine oder andere Touristengruppe lässt mich das durch ihre schnell gezückten Fotoapparate wissen. Und es macht durchaus Spaß durch die engen Gassen der Altstadt das schwere Rad rauf und runter zu manövrieren. Von der alten Stadtmauer vor der Kathedrale bietet sich ein toller Ausblick auf den Hafen und das Gebirge im Westen.


Nach der Stadtbesichtigung mache ich mich wieder auf den Radweg an der Küste entlang, der noch für einige Kilometer in östlicher Richtung toll ausgebaut ist. In der Einflugsschneise der Landebahn 08R verliert er sich dann zwischen Sanddünen und Felsen. Ich habe noch vier Stunden bis zum Abflug. Also rufe ich doch lieber noch die Fluginformation an und lasse mir die Abflugszeit von 16:15 Uhr bestätigen. Bei mir war die Zeit 10 Minuten früher angegeben, aber mit 10 Minuten mehr auf Mallorca kann ich durchaus leben.
So fahre ich weiter an der Küste entlang und mache mir mal ein eigenes Bild von s'Arenal & Co. Am Ballermann 6 wäre ich fast vorbeigefahren. Dieser "Mythos" ist nicht mehr als eine von vielen kleinen Blechbuden, die sich an der Strandpromenade aufreihen. Das einzige, was die Nummer 6 hervorhebt, sind die sein "Territorium" abgrenzenden Blumenkästen. Nur die Gartenzwerge fehlen.






Den Rückweg laufe ich über weite Teile Barfuss durch die Brandung und schiebe dabei das Rad neben mir her. Der Sand hier ist viel fester als im Norden der Insel. Von einigen Touristen werde ich neugierig auf mein Rad hin angesprochen - Auf Deutsch versteht sich. Aber so muss es wohl sein an der Platja de Palma. Biergärten werben damit, dass sie alle "Sportereignisse live" übertragen und wenn man mal ein Wehwehchen hat, soll man gleich zum nächsten, übrigens gut ausgeschilderten, deutschen Arzt laufen.

Gegen zwei Uhr mache ich mich letztendlich auf den Weg zum Flughafen, den ich etwa eine halbe Stunde später erreichen will. Sich von hier zum Terminal durchzukämpfen, ist gar nicht so einfach, da es vom Osten aus keine fahrradfreundliche Zufahrt gibt. Meine Straße endet in einer Baustelle. Ich frage einen Bauarbeiter, wo lang ich denn am besten mit dem Fahrrad zu den Terminals komme. Na über die Baustelle! Er zeigt mir die Richtung, in der ich mich halten soll und ich mache mich auf den Weg. Und irgendwie komme ich tatsächlich durch, obwohl ich durch weiteres Nachfragen nicht schlauer werde. Die afrikanischen Bauarbeiter winken mir nur lächelnd zu und verstehen meine Frage scheinbar nicht.
Im Terminal angekommen beginnt wieder die große Pack- und Umpackorgie mit Gepäck und Rad. Mein Fahrrad möchte ich bitte zum "Special Baggage"-Schalter bringen, lässt man mich freundlich wissen. Dort werde ich weit weniger freundlich bedient. Die Pedale sollten aber ab! Ja, womit denn? Mit den Händen?
"Eso es la norma!" Die kann mir sonst wohin mit ihren Normen. Und meine Luft wäre auch nicht draußen? Wieso? Musste ich beim anderen Flug doch auch nicht und das war auch Condor. Das wäre aber nicht der "andere Flug". Doch bevor ich die Luft rauslassen kann, befördert sie das Fahrrad über das Gepäckband in den großen Schlund. Ich sehe mein Fahrrad noch in die tiefergelegene Gepäckabteilung krachen. Schluck...
Wenigstens verläuft das Einchecken danach ohne Probleme und nach einem langen Fußweg bin ich auch endlich am entsprechenden Gate. Dort habe ich die ganze Zeit ein waches Auge auf das Rad, als es auf einem der Gepäckwagen angerollt kommt und zu den Hundeboxen gepackt wird. Das geschieht zwar recht rüde, doch nach allem was ich sehen kann, ist noch alles heile. Dass jetzt ja nicht die Hunde das Fahrrad anknabbern!


Um 16.15 Uhr sitzen immer noch alle Passagiere in der Wartehalle. Es tritt Unruhe auf.
Schon laufen die ersten wichtigtuend und gestikulierend durch die Gegend und lassen alle anderen an ihrem Wissen teilhaben: Der Flug fällt angeblich aus! Flugzeug kaputt. Ich beobachte schon eine ganze Weile die angeregte Unterhaltung zwischen Piloten und Bodenpersonal. Und schließlich kommt ein Push-Back Wagen und schiebt das Flugzeug vom Gate weg. Ohne auch nur einen Passagier und mit meinem Fahrrad drin! Um 16.30 kommt endlich die erlösende Information über Lautsprecher. Das Flugzeug hat einen Vogelschlag abbekommen und darf nicht mehr starten. Ergo: Der Flug wird abgesagt. Aber - so lässt man uns wissen - es wurde bereits extra eine andere Maschine aus Frankfurt hierher beordert. Die wäre natürlich mit einer neuen Abflugszeit verbunden. Und zwar 20.45 Uhr.
Ein lautes Raunen geht durch die Menge. Man hört, wie sich die ersten lautstark am Schalter beschweren. Die haben Probleme! Ich frage mich wer von denen - wie ich - um 5 Uhr morgen früh zur Arbeit aufstehen darf. Morgen ist Samstag. Toll ist es auch, dass unser Gate am anderen Ende des Flughafens liegt. Aber wir haben ja Zeit... Außerdem erklärt sich Thomas Cook bzw. Condor bereit, allen Passagieren ein Essen auszugeben. Als Beruhigungsmittel sozusagen. Und dieses Essen fällt deftiger aus als gedacht und plötzlich sind alle ruhig und alle Beschwerden sind vergessen. Alle haben sozusagen das Maul gestopft bekommen. Das schöne ist, dass sich nun auch mal die Möglichkeit bietet, "zwangsweise" auch mal andere Passagiere kennenzulernen. Leid verbindet bekanntlich und man wird während der langen Wartezeit zwangsläufig in Gespräche verwickelt. Eigentlich eine ganz schöne Sache, die die Wartezeit angenehm verkürzt. Top-Thema sind natürlich verspätete Flüge. So nach dem Motto: Wer am meisten erlebt hat in Hinsicht Betrug vom Reiseveranstalter und die dreckigsten Hotels ohne Meerblick (jaja...), der hat gewonnen. Ich versuche das Ganze etwas distanziert zu sehen und mache mir mit anderen einen Spaß daraus, die deutschen Passagiere mit anderen zu vergleichen.
Aus 20.45 Uhr wird natürlich doch nichts und letztendlich weiß in dieser ganzen Gerüchteküche kaum noch jemand, was jetzt eigentlich Sache ist. Um 20.45 Uhr zeigen die Anzeigetafeln dann 21.55 Uhr an. Dumm nur, dass es in Hamburg nach 23.00 Uhr keine Landeerlaubnis mehr gibt und der Flug über zweieinhalb Stunden dauern wird. Schon munkeln die ersten, dass wir wohl in Hannover landen werden und den Rest der Reise mit dem Bus zurücklegen müssen.
Doch tatsächlich! Irgendwann nach 21 Uhr fliegt dann tatsächlich eine Condor-Maschine ein, die auch tatsächlich zu unserem Gate rollt. Man lässt uns wissen, dass die Maschine wirklich nach Hamburg fliege und man dort eine Sondererlaubnis erhalten habe. Sofort stürmen alle zum Eingang und Ruck-Zuck ist der Flieger voll. Wie schnell es doch gehen kann...

Der Kapitän erklärt uns noch einmal den gesamten Sachverhalt. Das gesamte Personal wurde mit ihm aus der Bereitschaft geholt und sie würden sich natürlich freuen uns nach Hause fliegen zu dürfen. Ein unverhohlenes Gelächter geht durch die Sitzreihen, was auch die Stewardessen mit Humor sehen. Wer lässt sich schon an einem Freitagabend gerne zur Bereitschaft einberufen?
Neben mir sitzen ein Geschäftsmann und eine Art Weltreisender. Der Geschäftsmann ist morgens in Madrid abgeflogen und hat seinen Anschlussflug in Palma wegen Verspätung verpasst. Da kam es ihm gerade in den Kram, dass unser Flieger verspätet war. Der "Weltreisende", ein Cargo-Lockführer aus Maschen, ist heute Morgen in Almería gestartet und hat jetzt insgesamt für den Flug nach Hause einen ganzen Tag gebraucht. Beide unterhalten sich den ganzen Flug über angeregt über das kubanische Rotlichtmilieu, dass sie beide kennen. Nun ja...
Doch trotz alle Strapazen wird es ein recht erholsamer Flug. Im Anflug auf Hamburg beginnen wieder die Turbulenzen und der Pilot lässt uns wissen, dass das Wetter in Hamburg genauso ist, wie man es haben möchte: Mistwetter mit sehr geringer Sicht, es ist feucht, es ist kalt, es regnet. Was auch sonst?
Nach einer recht harten Landung werden hinter uns am Flughafen die Lichter Stück für Stück abgeschaltet. Ein komisches Gefühl. Der sonst so belebte Flughafen ist total ausgestorben und nur ein paar Servicefahrzeuge warten auf dem Vorfeld auf uns. Ein Gate kann jetzt nichts mehr betriebsbereit gemacht werden und wir müssen ein Stück durch den Regen laufen. Wenigstens war es ein erlebnisreicher Flug. Am Gepäckband verabschiede ich mich von Leuten, die ich vorher gar nicht gekannt habe. Und zu allem Glück kommt mein Fahrrad unbeschadet an. Meine Eltern warten schon auf mich und es geht wieder nach Hause...

In weniger als 5 Stunden geht es wieder zur Arbeit. Ein wunderschöner Urlaub ist zu Ende.

Heute gefahren:
30,60 km
Gesamt: 395,18 km


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