| Tag 6: Valldemossa - Palma |
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Am Morgen kann ich endlich mal wieder so richtig ausschlafen, Frühstück gibt es erst um 9. Bis dahin habe ich mich längst geduscht und die Taschen sind gepackt. Das Frühstück ist leider ziemlich dürftig. ein Hörnchen, ein Zuckerbrötchen, ein Stück Butter und ein Schälchen Marmelade. Dazu Tee. Zum satt werden muss ich noch einigen privaten Süßkram essen.
Die Abfahrt von Valldemossa gestaltet sich einfach. Es geht erst einmal eine Weile lang bergab, doch dann kommt schon die erste Steigung. Und so geht es heute die ganze Zeit weiter im Gebirge. Nach jedem großen Anstieg folgt eine tolle Aussicht und es geht wieder bergab in ein Dorf. Und die Aussicht, die ist wirklich wieder kaum zu toppen. Ich kann mich an dieser farbenprächtigen Landschaft kaum sattsehen. Auch das Wetter ist wieder schön. Die dicken Wolken, die heute Morgen noch tief über Valldemossa hingen, wurden durch Wind und Berge in kleine Schäfchenwolken zerschnitten.
Vor Andratx verlasse ich die tolle Steilküste und es geht hinab nach Port d'Andratx. Vorher fahre ich noch durch einen tollen herbstlich anmutenden Wald, wie man ihn auf Mallorca gar nicht vermutet hätte.
Ich finde es immer wieder verwunderlich, wo die vielen Autos an den Küsteborten hinwollen. Während sich in den Bergen nur selten ein Auto hat blicken lassen, sind die Landstraßen hier gerammelt voll und es dröhnt und stinkt wie auf einer Autobahn. Heute Morgen habe ich einen einzigen alleinreisenden Deutschen getroffen, während es hier von Deutschen und ein paar Engländern nur so wimmelt. Überall machen Immobilienunternehmen wie Martens & Krohn Werbung und es wird gebaut, gebaut, gebaut. Port d'Andratx mag mal ein nettes Dörfchen gewesen sein; heute dominieren die Baukräne auf den die Bucht umgebenden Bergen.
Einigen Politikern ging das aber scheinbar nicht schnell genug. In Orten wie Santa Ponça sind ganze Straßensysteme mit zweispurigen Hauptstraßen und Nebenstraßen in die Wildnis gebaut worden. Der neue Ortsteil hat schon einen Namen, alle Straßen auch. Dumm nur für den Investor, dass zwischen den Straßen außer Unkraut bis jetzt nicht viel gewachsen ist. Es ist ganz nett sich mal ein paar Touristenhochburgen wie Santa Ponça und Peguera aus der Nähe anzusehen. Auf Palmanova, Punta Negra & Co. verzichte ich dann aber doch lieber und umfahre sie auf Nebenstraßen. Auf die Inanspruchnahme von (sowieso geschlossenen) Diskotheken, Wechselstuben und Nagelstudios kann ich gerne verzichten. Doch ein Gutes haben diese Orte: Die Infrastruktur für Fahrräder. Von Palmanova bis nach Palma gibt es einen fast durchgängigen, gerade neu gebauten und schön breiten Rad -und Fußweg.
Und dann habe ich es erreicht: Palma. Unverkennbar an den immer teureren und größeren Yachten, die neben dem Radweg im Hafen liegen. Radweg! Jawohl! Es gibt auch hier einen sehr schön ausgebauten Radweg immer an der Küste entlang. An einer Stelle wird er zwar zu einer gut 5 cm tiefen Furt durch ein Teil des Hafenbeckens, doch abgesehen davon ist er wunderbar zu befahren. Ich genieße es die Besucher im Hafencafé mit einer rasanten Fahrt durch das Wasser ein wenig aufzuschrecken.
Mit der Suche nach der Touristeninformation vergeht schon so einige Zeit und ich lerne dabei bereits einen Großteil der Innenstadt kennen. Erst nachdem ich nacheinander drei Passanten und drei Polizisten befragt habe, finde ich sie endlich. Dort frage ich von den zwei anwesenden Angestellten ausgerechnet den falschen. Kann der Spinner denn nur Catalán? Hochnäsig lässt er sich erst alles von seinem Kollegen "übersetzen", bevor er meine Frage nach einem billigen Hostal beantwortet. Also sooo schlecht kann mein Spanisch ja nun auch wieder nicht sein. Auf das billigste Hostal auf seiner Liste, das Hostal Llubes, kommt er gar nicht erst zu sprechen und ich harke noch einmal nach. Warum soll ich denn in einem Hostal für 32 Euro übernachten, wenn es dort auch für 23 Euro geht? Nun ja, das Hostal wäre ein wenig... nun ja eben...
"Was? Ein wenig?" Daraufhin wird er wieder ranzig und weicht aus, aber zeichnet das Hostal auf der Karte ein.
10 Minuten später verstehe ich, was er mit "un poquito..." - "ein wenig..." gemeint hat. Der nächste Lack&Leder-Shop ist nicht weit, das Hostal ist gar nicht als solches zu erkennen und allgemein wirkt der Stadtteil auch etwas schmuddelig. Ich habe ja nichts gegen die netten beinchenschwingenden Spanierinnen am Straßenrand, die schließlich auch das Fahrvergnügen erhöhen. Aber irgendwie möchte ich diese Nacht doch ungestört schlafen können ohne anderen Leuten beim Geld ausgeben bzw. Geld verdienen zuhören zu müssen...
Also mache ich mich auf den Weg zu einem der anderen genannten Hostals. Das Hostal Cuba befindet sich irgendwo in einer winzigen Gasse in der Altstadt. Es ist gar nicht so leicht hinter einer der vielen Türen im Innenhof die Rezeption zu finden. Ein altes Mütterchen öffnet misstrauisch die Tür, nachdem ich geklingelt habe. Für nur eine Nacht möchte ich hier bleiben? Nun ja, da wisse sie nicht ob das möglich wäre. Ich erkläre ihr freundlich, dass mein Flug morgen geht und ich leider nicht länger bleiben kann. Sie scheint sich aber eher ein Bild von mir machen zu wollen, ob sie mich hier überhaupt aufnehmen möchte. Nach einer Weile überwindet sie sich dann doch und führt mich zu meinem Zimmer, dass man als kleine Zelle mit zwei riesigen Fenstern bezeichnen könnte. Toilette und Waschbecken befinden sich separat hinter einer angedeuteten Trennwand. Davor steht ein durchgelegenes Bett. Zwei Glühbirnchen beleuchten das Zimmer. Die Elektrizität und fließend Wasser wurden scheinbar in den Fünfzigern nachträglich eingebaut. Und bis heute scheint da auch keiner was dran geändert zu haben. Während das Mütterchen locker in das Zimmer hereinspaziert, muss ich mich in Türrahmen schon ducken. Für alte Häuser typisch ist die Decke sehr hoch angelegt und die Fenster sind größer als die Tür. Das Gemeinschaftsbad wäre zu Omas Zeiten noch luxuriös gewesen. Fazit: Das Hostal dient wohl schon seit dem 15. Jahrhundert als Herberge, was aber irgendwie einen schönen ursprünglichen Charme ausstrahlt. Dafür habe ich auch nur 20 Euro bezahlt.
Ach ja, zu erwähnen wäre da noch der abendliche Ausflug in die Stadt. Und die ist schöner als gedacht. Ich folge einfach den Menschenmassen durch die Gassen und finde mich plötzlich vor dem Rathaus wieder, wo just in diesem Moment die weit verzweigte Weihnachtsbeleuchtung der Stadt angeschaltet wird. Die Menge jubelt. Der Bürgermeister winkt lächelnd vom Balkon und unter ihm beginnt die Kapelle zu spielen.
Doch kurz nach dem Anknipsen der Beleuchtung sieht der Bürgermeister gar nicht mehr so glücklich aus. hinter den Zuschauern haben sich ein paar Linksradikale versammelt und entfalten ein Banner. Mir macht es Spaß zwischen den herbei geeilten Reportern Fotos von der Aktion zu schießen. Sie übertönen den ganzen Platz mit Parolen über Demontración und Imperialistas. Ernst genommen werden sie von den Leuten kaum und sie finden nur kurz das Interesse der Bevölkerung. Die Polizisten stehen nur grinsend neben den Demonstranten, bis ihnen nach etwa 10 Minuten die Luft ausgegangen ist.
Morgen ist mein letzter Tag hier auf Mallorca. Und wäre ich nicht alleine hier gewesen, so wäre ich so früh kaum von hier wegzubekommen gewesen. So werde ich morgen noch versuchen so viel zu sehen wie möglich.
| Heute gefahren: | 98,64 km |
| Gesamt: | 364,58 km |