| Tag 3: Colònia de Sant Pere - Port d'Alcúdia |
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Laut "Wetter Online gibt es heute Sonnenschein, Sonnenschein und Sonnenschein. Irgendwie scheint das Ansichtssache zu sein. Ich muss mir demnach wohl einbilden, dass seit zwei Uhr nachts Regentropfen auf das Zelt prasseln. Obwohl ich wegen der frühen Dämmerung schon um 6 Uhr schlafen gegangen bin, werde ich nach einer langen Nacht, die ich halbwach verbracht habe, erst um 9 Uhr wach. Nach einem Frühstück, bestehend aus ein paar Chips und den letzten 3 Stücken Schokolade beginne ich im inneren des Zeltes schon mal damit alles zusammenzupacken bevor ich mich nach draußen in den Regen wage. Dabei stoße ich beim Griff zu den im Vorzelt liegenden Taschen auf irgendetwas Weiches darunter, woraufhin sich der Daumen an der Spitze leicht betäubt anfühlt. Eine gut 2 cm große Spinne läuft erschrocken in ein anderes Versteck. Ekelhaft... ein Spinnenfan bin ich ja nicht gerade, zumal die große auch einige ihrer Kinder mit unter das Außenzelt gebracht hat.
Schon eine Stunde nach dem Aufstehen habe ich dann alles gepackt und ich mache mich an die Abfahrt. Ich folge nun immer den Wegen direkt am Ufer. Das Dorf Colònia de Sant Pere ist so gut wie ausgestorben. Auf der gesamten Strandpromenade ist nicht ein Mensch zu sehen. Die vielen Ferienhäuser und Bars sind alle verriegelt und ich kann mir an einem Wasserhahn in einem Vorgarten erst einmal ungestört den Sand von den Händen waschen.
In einer Wohnsiedlung südlich von Colònia endet die Uferstraße schließlich und es geht nur noch über Sand und Stein weiter. Nun setzt sich mein Dickkopf wieder durch. Zurück gibt es für mich nicht und das nächste Dorf ist schon in Sicht. Warum soll ich da einen weiten Umweg durch das Innland machen? Doch auch der leicht angedeutete Fußweg wird immer schlechter und endet schließlich im Sand. Hier mache ich die schlechte Erfahrung, dass der Mallorquinische Sand absolut nicht zum Radfahren geeignet ist und man überall einsackt. Als einzig befahrbarer Untergrund stellen sich die dick angeschwemmten Algen heraus. Doch das Fahren auf den glitschigen Algen erfordert einige Übung und immer wieder sacke ich in sandigen Stellen ein. Ein schweißtreibendes Fortkommen, das mit mehr Schieberei verbunden ist, als mir lieb ist.
Die Algen haben sich auf der ganzen Länge des Strandes zu einem großen Damm aufgetürmt und die Wellen schlagen mit matschig aufspritzender Gischt dagegen. Und endlich! Nach einer Ewigkeit erreiche ich das Dorf Son Serra de Marina. Es regnet immer noch in Strömen und die Straßen sind vielerorts überschwemmt. Nach einem längeren Anstieg setze ich meine Fahrt auf der C712 nach Port d'Alcúdia fort. Die Straße mit ihren Wasser spritzenden Lkws empfinde ich auf voller Länge als Tortur. Bei den schwierigen Bedingungen heute setze ich mir das gerade noch 20 km entfernte Alcúdia als Ziel. Doch mit dem Erreichen von Port d'Alcúdia bin ich noch längst nicht im Ort angekommen. Bereits viele Kilometer vom Zentrum entfernt reihen sich die Touristenburgen dicht an dicht aneinander.
Der Ort will gar kein Ende nehmen und ich starre nur noch stur auf die nasse Straße. Ich starre praktisch nur noch ins Leere und lasse den Motor des Vorwärtskommens laufen, laufen, laufen...
Dabei konzentriere ich mich nur noch auf einen quer über die linke Kopfhälfte verlaufenden Schmerz. Der ganze Körper ist versteift.
Eine wirklich schöne Abwechslung bietet erst Alcúdia. Zuerst verstehe ich gar nicht wo die Stadt bleibt; ein Ortsschild gibt es nicht. Die hohe Mauer neben der Straße mit ihren alten Bauten dahinter nehme ich nur als Touristenattraktion wahr. Ein Kloster vielleicht. Irgendwann komme ich dahinter, dass DAS die Stadt ist. Durch ein kleines Stadttor gelange ich in die Stadt, meine verstumpfte Wahrnehmung beginnt sich wieder zu lösen. In den kleinen Gassen ist überall Leben. Kleine Läden, Werkstätten und "echte" Einwohner!
Ich frage eine Frau nach einer Touristeninformation. "Aquí no hay una" - Hier gibt es keine. Ich solle es aber im "Ayuntamiento" versuchen. Hierfür muss ich erst einmal im tief in der Gepäcktasche liegenden Wörterbuch nachschlagen. Aha, das Rathaus also. In den Gassen frage ich noch einmal einen netten Honigverkäufer nach dem Weg, der sich sichtlich über mein Spanisch freut und in gutem Englisch antwortet.
Im Ayutamiento finde ich leider niemanden im Empfang sitzen. Nach einer Weile stellt sich die anwesende Dame der Polícia Civil zur Verfügung. Ich frage sie nach einer billigen Übernachtungsmöglichkeit. Sie ruft daraufhin in der Touristeninformation in Port d'Alcúdia an. Ich möchte mich bitte einen Moment gedulden, um dann mir ihnen am Telefon sprechen zu können. Sinnvoller erscheint es mir dann, einfach selbst dorthin zu fahren. Ich nehme mir eine Stadtkarte, lasse mir den Weg erklären und mache mich auf den Weg.
In der Touristeninformation werde ich bereits erwartet. Die Frau nennt mir das Hostal del Puerto, wo ich billig übernachten könnte. Wenig später schon checke ich mich für 25 EUR ein. Billiger ist hier nichts zu bekommen. Beim Einschecken sind meine Handgelenke derart steif, dass ich nicht in der Lage bin meinen Namen und meine Adresse aufzuschreiben. Was herauskommt, sind nur erkennbare Anfangsbuchstaben, die in einer schiefen Linie enden. Also muss ich der Rezeptzionistin alles - auf Spanisch - buchstabieren. Dabei kommt eine recht kuriose Schreibweise meines Heimatortes heraus, schriftlich ändern kann ich daran aber nun nichts.
Das Zimmer ist mehr als ich benötigt hätte. Zwei Betten, ein Schrank, ein Fernseher, ein Schreibtisch, ein Safe, ein Kühlschrank und ein eigenes Badezimmer! Doch viel wichtiger für mich ist die Heizung. Wo ist sie nur? Mit dem Ventilator über dem Bett kann ich herzlich wenig anfangen. Erst spät entdecke ich den kleinen Heizlüfter oben in der Ecke. Gerettet! Nachdem ich alle nassen Sachen aufgehangen habe, genieße ich erst einmal eine lange, unglaublich wohltuende heiße Dusche.
Stunden später - um 5 Uhr - mache ich mich dann auf zum Abendessen und Einkaufen. Es regnet und stürmt immer noch. Nachdem ich von einer Telefonzelle aus zu Hause angerufen habe, muss ich erst einmal Geld holen. Doch was ist das? Der Telebanco-Automat will mir weiß machen, dass meine Geheimzahl falsch ist! Nach der zweiten Fehlermeldung breche ich ab und versuche es bei einer BBVA-Bank. Hier wird mir meine Karte oder die Operation als nicht gültig angezeigt.
Meinen dritten Versuch starte ich noch einmal an einem Telebanco-Automat etwas weiter entfernt.
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Wir haben Anweisung erhalten Ihre Karte einzubehalten. Bitte wenden Sie sich an Ihre Bank. Vielen Dank für Ihren Besuch |
Waaaaaaaaaaaaaaaaaasssssssss?!?!?!?!?
Arrrgh! Das darf doch nicht wahr sein! Kann dieses verkackte Scheißgerät denn keine Geheimzahlen lesen!?! Die war richtig! Mann!
Ich bin stinksauer und hilflos zugleich. Was soll ich jetzt bitte machen!? Und dabei habe ich meine VISA-Card extra aus Sicherheitsgründen zu Hause gelassen in dem Glauben, dass meine normale Bankkarte, wie sogar in Singapur und Bangkok, hier doch auch funktionieren müsste. was soll ich machen?
Gute Frage. Ich kaufe mir an diesem Abend von den letzten 2 EUR noch ein wenig zu trinken und zu Essen. Ich komme mir schon dumm vor, weil ich an der Kasse den Betrag von 2 EUR überschreite und einen Artikel zurückgeben muss. Das Abendessen fällt jetzt sowieso aus. Meine letzte Rettung ist das Handy. So verbringe ich diesen Abend noch unter der Vorstellung schlimmster "Hungerszenarien". Wie soll ich jetzt bitte an Essen kommen? Während ich dies schreibe, liegt vor mir noch ein Endstück vom Baguette und nicht einmal mehr eine halbe Tafel Schokolade. Notration.
Kurioser könnte die Situation kaum sein. Ich sitze mit teurer Ausrüstung in einem Hostal, sehe fern und benutze ein Mobiltelefon - und mache mir Sorgen darum, wie ich in den nächsten Tagen an was zu Essen kommen soll. Morgen früh werde ich meine Bank anrufen. Ich bin beim Schreiben hiervon echt ratlos. Hoffentlich werde ich gut schlafen. Ich werde gut schlafen, basta! Man sollte alles positiv sehen. Gar nicht so einfach.
Positiv.
Ruhig bleiben.
Morgen soll die Sonne scheinen.
| Heute gefahren: | 33,96 km |
| Gesamt: | 139,41 km |