Protestschilder gegen den Nationalpark

Protestschilder gegen den Nationalpark

Kirche von Gorleben

Kirche von Gorleben

Sumpfgebiet in den Elbauen

Sumpfgebiet in den Elbauen

Ex-Grenze zur DDR

Ex-Grenze zur DDR

Kleine Holzbrücke (morsch)

Kleine Holzbrücke (morsch)

Eisenbahnbrücke nach Wittenberge

Eisenbahnbrücke nach Wittenberge

Tag 2 Hitzacker-Wittenberge 89.92 km

Nach dem Frühstück in der Jugendherberge geht es los. Es scheint zwar keine Sonne, aber dafür gibt es angenehme Temperaturen und es regnet nicht. Zuerst geht es in den Ort um noch ein paar Lebensmittel und anderes zu kaufen. Ab hier scheinen die Leute irgendwie freundlicher zu werden, je weiter man in den Osten kommt.

Es geht weiter durch die Elbauen, erst einmal immer an der Elbe entlang. Berge sind hier keine mehr und es geht schnell voran. In dieser Gegend gibt es viele Protestschilder gegen den geplanten Nationalpark Elbauen. Die Bauern in dieser Gegend würden dadurch ihre arbeit verlieren und man sieht eines ihrer Schilder mindestens einmal auf 1-2 Kilometern. Auf- und neben dem Deich geht es durch kleine Dörfer mit alten Bauernhäusern.

Bei Dömitz gibt es eine alte Brücke aus dem 2. Weltkrieg, die ich schon auf vielen Fotos gesehen habe. Sie wurde damals mitten überm Fluss gesprengt und hört somit nach der Hälfte auf. Auf meiner Karte, die ich erst vor einigen Tagen gekauft habe, steht: "Brücke 1992 wieder hergestellt". Na wer sich auf die Karte verlässt kann ziemlich nass werden...

Etwa 15 Kilometer vor Gorleben wird es wieder hügeliger und für den weiteren Weg fahre ich mehr im Innland. Wieder geht es an einem Aussichtsturm, der auf einem Hügel liegt, vorbei und auf der Hauptstrasse weiter nich Gorleben. Eigentlich hatte ich schon weit vor dem Ort Protestschilder mit NIX4 usw. erwartet, aber nichts davon ist zu sehen. Der kleine Ort kündigt sich mit einem einzigen auf den Weg gesprühten NIX-irgendwas an. Von Atommüll kann hier überhaupt nicht die Rede sein. Einzig und allein ein kleines Dorf in Wald und Feld mit einem Edeka-Laden mit eingebauter Post und einer Kirche. Drumherum noch ein paar Bäume und Häuser, mehr nicht. Nicht mal ein Souvenierladen?

Es geht weiter im Innland in Richtung Ex-Grenze. Die Dörfer werden immer spärlicher und kleiner. Kartentelefone scheint es ab hier auch nicht mehr zu geben, wenn sie denn nicht defekt sind... Dann führt der Feldweg - vollkommen unangekündigt - über das ehemalige Minenfeld der DDR. Alles was man sieht, ist ein alter Wachturm, Reste vom Zaun und noch etwas: Der Weg geht als Plattenweg bis zum Horizont weiter, wo ich eine Kirche, die ein kleines Dorf ankündigt, aufragen sehe. Wenn diese Plattenwege doch wenigstens eben währen, aber genau das Gegenteil. Jede Platte hat von der anderen mindestens einen Höhenunterschied von 2cm. Eine Platte ist vielleicht einen halben Meter lang, das für die nächsten 8 Kilometer, und noch viele weitere danach. Da kommt schon etwas zusammen. Vor allem immer diese gewisse "massierende" Wirkung auf bestimmte Körperteile...

Das Dorf wirkt urtümlich, wie aus dem 19. Jahrundert. Freilaufende Hühner, uralte Bauernhäuser, eine kleine Kirche und: Ein potthässlicher Plattenbau! Die meisten der nächsten Dörfer sehen nicht anders aus. Weiter geht es - auf sehr vielen Plattenwegen - über alte Holzbrücken vor Wittenberge wieder an die Elbe.

Vor Wittenberge geht es auf einer Brücke über die Elbe um in die Stadt zu kommen. Ich habe vor mir hier noch Proviant für das Osterwochenende zu kaufen. Nur dann gibt's den reinsten Kulturschock! Nach kleinen Bauerndörfern und Städten wie man sie aus dem Westen gewohnt ist, das: Die Stadt scheint zu 80% verlassen zu sein. Überall verlassene Häuser mit eingeschlagenen Fensterscheiben und ebenso verwahrlost. Auf einer Hotelwand (ist jetzt wohl kein Hotel mehr) steht: "HOTEL GERMANIA Fliessend Warm Wasser mit Dusche und WC". Das schlimmste ist aber, dass alle Läden geschlossen haben. Normalerweise ist man es ja (aus dem Westen) gewohnt, dass Samstags wenigstens die grösseren Läden bis 16 Uhr auf haben. Da hatte ich in Gorleben noch bessere Versorgungsmöglichkeiten. So entlschliesse ich mich mit einem verdammt schlechten Gewissen mir gegenüber nach Hause zu fahren. Mit Glück finde ich auch noch so etwas wie einen Bahnhof. Der ist DIE Katastrophe!

Es gibt drei Fahrkartenschalter. Alle geschlossen. Ich frage am Kiosk nach und mir wird gesagt, ich soll zu Bahnsteig 5 zur Info gehen. Ist keine Info da. Gehe ich zum Kiosk auf der anderen Seite. Ich soll zum Bahnsteig 6 gehen. Der hat aber nicht mal ein Dach oder scheint irgendwie öffentlich zu sein. Dann treffe ich zufällig einen Bahnbeamten, der mir sagt ich soll auf den Bahnsteig gegenüberliegend von mir zur Ansage gehen. Nur dort steht gerade eine Bahn im Weg und Tunnel oder Bahnübergang gibt es nicht. Also warten. Dann erfahre ich endlich, dass eine Fahrkarte zu bekommen ist, möchte mir aber vorher noch genügend Geld hohlen. Der nächste Geldaoutomat ist aber in der 2 Kilometer entfernten Innenstadt und meine Bahn fährt in 10 Minuten. Also hetze ich zum Automat, hohle mir das Geld und bekomme gerade vor Abfahrt noch eine Karte. Glück gehabt! Oder auch nicht...