Nach einem ausgiebigen Frühstück verabschieden wir uns wieder voneinander. Ich bin von diesem Menschen wirklich beeindruckt gewesen und es ist ganz unglaublich, was er in seinem Leben schon alles erlebt hat. Nun, ein gewisser Grad an Verrücktheit zählt auch dazu, das kenne ich ja...


Martin Schürmann
Martin Schürmann vor seinem Truck

Ich bin mir noch nicht ganz im Klaren darüber, ob ich die Tour heute enden lassen will. Ich lasse mich einfach vom Verlauf des Tages überraschen. Ich habe mir erst mal den Slovenischen Teil der Stadt Goricia als Ziel ausgesucht, Nova Goriza. Dort gibt es einen Bahnhof, von dem ich wieder abreisen kann.
Ich fahre die mir bekannte Küstenstraße immer weiter nach Norden, bis ich durch einige Berge nach Goricia weiterfahre.


Küstenstraße
Küstenstraße

In Goricia möchte ich gleich auf die slovenische Seite der Stadt, um mich dort am Bahnhof nach der nächsten Abfahrt zu erkundigen. Wie ich endlich einen Grenzübergang gefunden habe, werde ich so kurz vor dem Ziel ohne Nennung eines Grundes zurückgewiesen.
Den nächsten Übergang erreiche ich über einen Fußweg und komme zwischen beiden Ländern heraus. Ich werde von der slovenischen Beamten gebeten, erst zu den Italienern zu gehen. Und dieses Mal schicken sie mich zurück. Mit dem Grund, dass dies kein Internationaler Übergang wäre. Ich soll es beim nächsten Versuchen. Und dabei liegt der Bahnhof direkt hinter dem Zaun!
Als nächstes entdecke ich einen unbewachten Bahnübergang, der auf die slovenische Seite führt. Wie die Fußgänger, fahre ich einfach auf den Bahnübergang zu, bis ich hinter mir einen Schrei höre. Aus einem kleinen Haus kommt ein neuer Zöllner gestürzt, der mich fast übersehen hätte. Das Haus war überhaupt nicht als solches zu erkennen. Ich werde wieder bestimmt, aber freundlich zurückgewiesen. Beim nächsten Übergang wäre es möglich. So ein Mist!
Am nächsten Grenzübergang ist es dann tatsächlich möglich und ich werde ohne Murren über die Grenze gelassen.
Da ich die Grenze anfangs nicht überqueren durfte, muss ich nun auf der slovenischen Seite noch über einen Berg fahren. Dabei verharkt sich das Gepäck in den Speichen und ich darf mir beim Reparieren auf der Straße das Gehupe und die Schimpfwörter der Autofahrer anhören. Nicht gerade erhebend... Irgendwie scheinen hier alle einen am Deckel zu haben.
Endlich am Bahnhof angekommen, fährt gerade eine Bahn ein. Ich lasse mich nicht hetzen und frage am Schalter nach Fahrzeiten und Karten. Da sich hier aber wieder keiner mit mir verständigen kann, werde ich zum Reisebüro gegenüber geschickt. Noch vorher sehe ich auf dem aushängenden fahrplan, dass um 15.32 Uhr die letzte Bahn von heute fährt. Und wir haben... genau 15.32 Uhr!!! Sofort renne ich mit meinem Rad auf die Bahn zu, deren Schaffner sich gerade zur Abfahrt bereit machen. Mein Auftauchen verursacht noch einigen Trubel und letztendlich darf ich mein Rad im Dienstraum der Bahn abstellen. Für insgesamt 12,- DM mit Fahrrad komme ich durch halb Slovenien bis nach Jesenize. Es geht wieder nach Hause...
Der Rest des Tages wird noch ziemlich aufregend. Zum Ende komme ich nachts nach 1 Uhr mit dem Orient-Express (in dem ich mein Fahrrad gegen Erlaubnis in eine Ecke gestellt habe) in München an und meine Tante macht mir vor dem Schlafengehen noch schnell eine Pizza...


Bahnhof Villach in Österreich
Bahnhof Villach (Österreich)