Gestern habe ich mir mal wieder einen Ruhetag gegönnt. Ich konnte mich bei der schönen Stadt und dem Meerblick nicht überwinden, weiterzufahren.
Leider habe ich bei meiner Suche nach einer Fährverbindung nach Pula schlechtes erfahren. Laut Karte sollte von hier eine Fähre auf das Festland nach Pula verkehren. Doch die einzig momentan aktiven Fährverbindungen liegen ganz im Norden - etwa 60 Kilometer entfernt. Den größten Teil dieses Weges bin ich bereits auf dem Hinweg gefahren. So sehe ich der Wahrheit ins Gesicht und muss wohl oder übel wieder ganz in den Norden der Insel fahren. Ich entscheide mich für die zweite Mögliche Fährverbindung von Porozina nach Brestova, da diese direkt auf das Festland - nach Istrien - führt. Auf diesem Wege muss ich noch zusätzlich den nördlichen Gebirgszug der Insel überqueren.
Der mit bekannte Weg zurück bis nach Cres ist im Endeffekt doch nicht ganz so langweilig wie erwartet. Zudem lässt sich die Strecke jetzt von Länge und Schwierigkeit her besser abschätzen. Ich fahre wieder durch das Hochland und die kleinen Dörfer, sowie am Vransko jezero (jezero=See) vorbei. Zwischen durch sehe ich noch einen entnervten deutschen Urlauber, dem das Auto auf offener Straße vollkommen ausgebrannt ist und nun versucht, die noch verbliebenen Gepäckstücke herauszubekommen.


Vransko Jezero
Vransko Jezero

Das Wetter ist wieder schlechter geworden und es regnet ab und zu leicht. Zum Glück habe ich wieder Rückenwind. Schon wieder! Schon in den letzten Tagen hatte ich so viel Glück mit dem Wind wie sonst in einem Jahr nicht.
Nachdem ich in die Bucht des Ortes Cres gerollt bin, muss ich auf der Anderen Seite wieder ein paar hundert Höhenmeter bergauf fahren - insgesamt etwa 550 Meter. Die Straße schlängelt sich an einem immer steileren Hang entlang. Die Häuser der wenigen Dörfer klammern sich hier an die Felswände.


Predoscica
Predoscica

Nach dem Dorf Predoscica, dass auf einer kleinen Ebene liegt, wechselt die Straße auf die andere Seite des Gebirgskammes. Zum Glück, kann ich nur sagen. Die andere Straßenseite ist nicht gesichert und vom Randstreifen aus sieht man einige hundert Meter weiter unten die Brandung an die Küste schlagen. Immer wieder sieht man Autowracks am Hang liegen. Nicht gerade beruhigend.


ein Ausrutscher, und...
Ein Ausrutscher, und...

Hinzu kommen noch einige Touristenbusse, die beinahe die ganze Straße für sich einnehmen und mich des öfteren fast gegen die Felswand zu drücken versuchen.


Autowrack am Hang
Autowrack am Hang

Bei der Abfahrt zum Fährhafen muss ich höllisch aufpassen. Meine Bremsen nicht kaum noch zu gebrauchen und hinter einer Kurve stehen plötzlich Unmengen von Autos. Die Schlange der auf die Fähre wartenden Autos ist mindestens 2 km lang. Ich kann im beginnenden Regen genüsslich an allen Autofahrern vorbeifahren, die mir noch vorhin den Platz auf der Gebirgsstraße streitig gemacht haben.
Da das Wetter immer schlechter wird, ist die fahrt mit der Fähre nicht so entspannend wie eigentlich gewohnt. Das Deck über den Autos ist nicht abgedacht. Die Leute versuchen während der Fahrt von einer Stelle auf die andere zu kommen und machen dabei Ausschläge, die jedem Vodka-Fan alle Ehre gemacht hätten. Immer wieder schlagen Brecher gegen das marode Schiff, die den Boden unter den Füßen erzittern lassen.
Wie ich es oben nicht mehr aushalte, und fast vor Kälte eingehe, mache ich mich wieder auf den Weg nach unten. Nachdem ich mich zu den Mannschaftskabinen verirrt habe, finde ich eine schöne, geheizte Bar. Hier sitzen außer mir nur zwei Leute und um flimmerigen Bild des Fernsehers ist ein alter Englischer Disney-Film zu erkennen. Das Bullauge darüber bietet mit jedem neuen Wellengang einen Blick in die Unterwasserwelt der Kvarner Bucht.
Ich bin heilfroh, wie ich wie festen Boden unter den Füßen habe. Dafür fängt es jetzt richtig an zu regnen und ich muss mich die 18% steile Straße, auf der sich inzwischen größere Bäche gebildet haben, nach oben kämpfen.
Der Regen wird immer stärker und die ganzen Wolken scheinen sich hier am Berghang auszuregnen. Meine wärmenden Handschuhe sind nach kurzer Zeit so nass, dass ich sie auswringen kann.
Bei der Ankunft am Campingplatz Medveja habe ich bereits Wasser in den Schuhen stehen und es werden mir keine Möglichkeiten zum Aufhängen meiner nassen Sachen geboten. Ich achte penibel darauf, dass keine nassen Sachen im mein Zelt kommen und lasse alles andere draußen. So bekomme ich wenigstens nicht ganz so viel Feuchtigkeit ins Zelt. Nach einer heißen Dusche geht es mir dann schon viel besser und ich verkrümele mich für den Rest des Tages in den warmen Schlafsack.