Es geht los. Nachdem ich mich gestern noch mit dem "Abenteuer Slovenischer Bahn" herumgeschlagen habe, kann ich heute - nach zwei Tagen Anreise - endlich wieder in die Pedale treten. Von Avtocamp Lezica geht es quer durch die provinzielle Hauptstadt Sloveniens: Ljubljana.
Bei dem wunderschönen Frühlingswetter heute kann ich direkt von der Innenstadt aus die schneebedeckten Alpen erblicken. Ein faszinierender Anblick.


Innenstadt Ljubljanas
Ljubljana

Vom geschäftigen Treiben der Innenstadt aus kommt man innerhalb kürzester Zeit auf verträumte Landstriche. Geprägt durch kleine Dörfer mit Bauernhöfen. Über Feldwege fahre ich durch das Tal der Ljubljanica bis nach Vrhnika.

Landschaft pur
Landschaft pur

Der Frühling scheint voll im Gange zu sein. Die Sonne scheint in Strömen, eine Schulklasse inspiziert auf einem Ausflug Blumen auf einem Feld und die Landwirte sind mit ihren Traktoren auf dem Weg zu den Feldern.
Zwischen Vrhnica nach Logatec erwartet mich ein Anstieg von etwa 300 Höhenmetern. Auf der in Vrhnica stehenden Wanderkarte kann ich mir eine Route über Waldwege planen. Der Weg steil durch den Wald bergauf gestaltet sich schwieriger als erwartet. Es ist schwer die Orientierung zu behalten, doch die schönen Ausblicke von einigen Lichtungen entschädigen natürlich für alles.

Lichtung im Wald
Lichtung

Schon heute - am ersten Tag - bekomme ich einen Platten, nachdem ich über Geröll einen Hang herabgefahren bin. Auf der nächsten freien Fläche, an einem Partisanen-Denkmal aus dem zweiten Weltkrieg, stoppe ich und beginne mein Fahrrad zu reparieren. Ein anderer Radfahrer, ein freundlicher alter Herr, macht hier gerade Pause und spricht mich sofort an. Mit meinen geringen Kenntnissen in Serbo-Kroatisch (dem slovenischen recht ähnlich), erwähne ich, dass ich ihn nicht verstehen kann. Er springt sofort auf Deutsch um. Hamburg kenne er natürlich! Nach kurzer Zeit wünscht mir eine gute Weiterreise und fährt weiter.

Schwere Aufgabe...
Schwere Aufgabe...

Auf meiner weiteren Reise - durch Slovenien, wie auch Kroatien, mache ich das erste Mal eine für mich erstaunliche Feststellung. Meiner Gewohnheit nach frage ich immer erst, ob jemand Englisch spricht, bevor ich mich mit ihm unterhalte. Zu meiner Überraschung kann nahezu niemand Englisch. Aber fast jeder kann mindestens ein paar Brocken Deutsch. Englisch scheint hier nicht die "Weltsprache" zu sein, wie man es bei uns immer annimmt.

Einer von vielen
Einer von vielen...

Während ich einmal nach dem Weg frage, bekomme ich eine dieser lustigen Buchstaben-Kombinationen wie Marinj Hrib im Original ausgesprochen zu hören. Mein Versuch, den Namen zu wiederholen scheint eher belustigend zu wirken. Von nun an versuche ich ehrgeizig jeden Ort, den ich passiere, in meiner Aussprache zu üben. Ein sinnloses Unterfangen. Ich könnte mir nicht einmal vorstellen, dass Lautschrift zu so etwas fähig wäre.
Mein Tagesziel für heute ist Postonja. Diesen Ort habe ich bereits vorletzten Sommer auf meiner 5-wöchigen Radtour von Hamburg aus besucht und dort den einen der schönsten Campingplätze gefunden.

Gebirge
Gebirge

Nach einigen Anstiegen komme ich völlig ausgelaugt und kaum noch fähig auf den Beinen zu stehen, in Postonja an. Nach einem kurzen Einkauf mache ich mich auf den Weg zum Campingplatz, der etwa 4km Entfernt vom Ortszentrum mitten im Wald liegt.
Nahe des Campingplatzes steht auch das berühmte in den Fels gebaute Schloss Predjamski Grad. Da es am Fels hing, galt es lange als uneinnehmbar. Es gibt sogar Geschichten, in denen Belagerer des Schlosses noch nach Monaten mit frischen Kirschen beworfen wurden und schließlich resigniert die Belagerung aufgaben. Geheime Gänge durch den Fels ermöglichten es den Bewohnern während der Belagerung das Schloss zu verlassen und sich so mit frischen Nahrungsmitteln zu versorgen.
Am Campingplatz angekommen werden mir all meinen Hoffnungen genommen. Bis auf eine Familie - der scheinbar das Restaurant gehört - ist der Platz verlassen. Ich bekomme dann auch noch gesagt, dass es hier keine Möglichkeit zum Übernachten gäbe und ich wohl oder übel zurück in den Ort muss. So stehe ich noch einige Zeit wütend auf diesem schönen Campingplatz, wissend, dass ich hier nicht bleiben kann. Schließlich überwinde ich mich doch zurück zu fahren. Ich bin total planlos und durchgeschwitzt. Mein Wunsch nach einer frischen Dusche lässt wild campen schon einmal ausscheiden.
Zurück im Ort gehe ich erst mal in die Touristeninformation. Eigentlich ist der Campingplatz geöffnet, bekomme ich anfangs ungläubig gesagt. So gäbe es nur noch die Möglichkeit, dass ich mich nach privaten Übernachtungsmöglichkeiten umsehe. So fahre ich ein Stück weiter nach Süden und finde schließlich ein nettes Haus mit der Aufschrift "Zimmer frei". Die Besitzerin kann ein wenig deutsch und ich darf mein Fahrrad in der Garage abstellen. Das Haus selbst ist besser eingerichtet, als die meisten Deutschen Häuser. So bleibt es mir weiterhin unverständlich, dass Slovenien als eines "dieser Ostblockländer" angesehen wird. Ich bekomme ein schönes, sauberes Zimmer und genieße erst einmal meine Dusche...