Tage 45&46: Abreise :o(

Letztendlich geht auch die Zeit in Salamanca rum. Eigentlich freue ich mich nur auf die ersten Momente zu Hause und den Flug. Natürlich freue ich mich! Aber ich weiß, dass ich mich nach spätestens drei Tagen zu Hause wieder ins Ausland wünschen werde.
Für den Transport muss das ganze Gepäck wieder zusammengetragen werden. Am liebsten würde ich alles aufs Rad packen und mich auf den Sattel schwingen...
Nachdem ich den anderen im Auto mit dem Fahrrad gefolgt bin - es hätte da nicht mehr reingepasst - sind wir schließlich an der Busstation. Wir verabschieden uns, wie üblich mit einem Bussi auf jede Wange und mein Fahrrad wird in den Bus gepackt.

Abschied
Abschied

Es ist bereits halb acht abends, wie der Bus losfährt. Zu Beginn der Fahrt sehe ich die Sonne über der Hochebene untergehen und später ist der Vollmond über den Bergen der Guaderrama zu erkennen. Ich wundere mich selbst, dass ich mir einen so "teuren" Bus leisten konnte. Man sitzt auf den breiten Ledersesseln in drei Sitzreihen wie in einem Sofa und kann den laufenden Film (wäre er denn interessanter als die Landschaft gewesen...) genießen. Nach der Durchquerung des Guaderrama-Gebirges ist das Lichtermeer von Madrid in der Dunkelheit zu erkennen. Es ist bereits nach zehn Uhr, wie ich das Fahrrad ausgepackt habe und mich mit dem Gepäck darauf zur nächsten Metro-Station mache. Ich muss diese Nacht auf dem Flughafen verbringen, da mein Flugzeug morgen um 8.55 geht und vor 9 Uhr kein Bus in Madrid angekommen wäre.

El Metro
El Metro

In der Metro-Station frage ich am Schalter nach einem Ticket zum Flughafen. Die Frau hinter der Scheibe blickt verwundert auf mein Fahrrad:
"¿Con la bicicleta?" - Mit dem Fahrrad?
"Sí, ¿proque? ¿Es eso una problema?" - Ja, warum? Ist das ein Problem?
"¡Bicicletas no son posible en el Metro!" - Es ist nicht möglich, Fahrräder hier zu transportieren.
"Pero tengo que ir al aeropuerto!" - Aber ich muss doch zum Flughafen kommen!
"No facturamos bicis." - Wie transportieren keine Fahrräder!
"Y no hay otros posibilidades aqui por ir con bici al aeoropuerto?" - Und es gibt keine anderen Möglichkeiten mit dem Fahrrad zum Flughafen zu kommen?
"Ninguna idea, yo no sé." - Weiß ich nicht, keine Ahnung!, teilt sie mir Achselzuckend mit.
Das hilft mir nicht gerade weiter. Zum Glück steht hinter mit ein netter Spanier, der gut auf sie einredet, das sie mir doch wenigstens dieses eine Ticket verkaufen könnte. Mit sichtlichem Widerwillen macht sie es dann tatsächlich.
In der Metro sind die Reaktionen der Leute vollkommen unterschiedlich. Doch ich meine, die meisten Leute sehen mich mit einem strafenden, vollkommen unverständlichen Blick an. Als wenn sie noch nie ein Fahrrad in der U-Bahn gesehen hätten...
Wie ich die Torturen von drei Umstiegen über diverse Rolltreppen hinter mir habe, bin ich endlich am Aeropuerto Madrid-Barajas angelangt. In einem Selbstbedienungsrestaurant finde ich eine nette Ecke, von der ich einen guten Blick auf das Flugfeld habe. Es ist interessant, sich diese ganze Szenerie auch mal in der Nacht anzusehen. Nach etwa drei Stunden bin ich total ausgelaugt vom langweiligen Warten. Und es sind noch etwa 6 Stunden bis zum Check-In. Leider habe ich meinen Kuli verloren und kann von daher nicht einmal Tagebucheinträge nachholen. Dann entdecke ich, dass mein Handy eine Weckerfunktion hat und ich verwerfe meine ganzen Sorgen ums Verschlafen. Ich breite meinen Schlafsack in einer Ecke aus und versuche zu schlafen. Leider liege ich direkt über einer Rolltreppe und der Beginn des Betriebes um halb vier macht die Sache nicht gerade einfacher. Um das wach werden brauche ich mir wohl keine Sorgen mehr zu machen. Eher um das überhaupt schlafen können.

Lauschiges Plätzchen
Lauschiges Plätzchen

Um sieben habe ich meine Sachen bereits gepackt und mache mich auf zum Gepäckschalter. Ich bin gespannt wie mein Fahrrad behandelt wird, da ich kein Ticket bekommen habe und Iberia Fahrräder generell kostenlos transportieren soll. Ich bin schon ziemlich verwundert, wie sich um mein Fahrrad gesorgt wird. Die Leute laufen hin -und her für mich. Da werden Gepäckschalter geschlossen, weil jemand Verantwortliches geholt werden muss usw. Die hinter mir stehenden Leute ‚freuen' sich natürlich darüber. Während gerade niemand am Schalter steht, stelle ich mein Fahrrad einfach mal aufs Gepäckband um es zu wiegen. So schwer hätte ich es mir nicht vorgestellt. 18,5kg Eigengewicht des Fahrrades habe ich die ganze Zeit mit mir herumgeschleppt. Nun, dafür hat es diese Tour besser überstanden, als ich. :o)
Insgesamt schleppe ich an die 50kg mit mir, über die sich niemand am Gepäckschalter Beschwert. Das nenne ich Service!

Der Flieger nach Hause
Der Flieger nach Hause

Ich liebe Fliegen! Und so freue ich mich immer mehr auf den Abflug. Schließlich werden wir mit dem Flughafenbus über das ganze Vorfeld zum Flugzeug gebracht; eine kleine MD-87.

~Über den Wolken~
~Über den Wolken~

Die Pyrenäen
Die Pyrenäen

Bergsee in den Alpen (mit Polarisationsfilter)
Bergsee in den Alpen
(mit Polarisationsfilter)



Heimat... Grau in Grau...
Heimat... Grau in Grau...

Der Morgen hat eine graue Wolkenschicht über Madrid gebracht. Kurz nach dem Start sind die Wolken endlich von ihrer Positiven Seite zu sehen. Von oben! Ein Anblick, der mich immer wieder aufs Neue Fasziniert. Nach Norden hin lockert die Wolkendecke auf und über den Pyrenäen meine ich sogar den Pass zu erkennen, den ich gefahren bin - und jetzt in 5 Minuten überquere. Auf den Gipfeln der Französischen Alpen liegt bereits der erste Schnee und der Mont Blanc hebt sich deutlich von den anderen Bergen ab. Im Genfer See, in dem sich die Sonne spiegelt, lassen sich kleine Segelboote vom Wind treiben. Das Wetter über Mitteleuropa scheint heute wunderschön zu sein. Nur nach Hamburg hin wird es - wie sollte es anders sein - immer bedeckter. Nach einem heftigen Abstieg haben wir die Wolkendecke durchstoßen. Ich muss mich erst mal an dieses dunkle Licht hier gewöhnen. Alles ist grau und überall sind nur Dunstwolken zu sehen. Heimat!
Freudenausbrüche weckt es nicht gerade in mir, doch wenigstens erkenne ich eine Menge wieder. Nach der Landung ist mein Fahrrad das erste Gepäckstück am Band. Nun, bis auf einen Riss im Sattel ist es gut nach Hause gekommen...
Dann sehe ich meine Eltern wieder, die mich am Flughafen abholen. Ich bekomme nachträglich zum Geburtstag eine schöne Torte. Hmm, ich liebe Torte. Dumm ist nur, dass ich mich aufgrund schlechter Planung die ganze letzte Nacht von Süßkram ernährt habe und mich nun nach einem schööönen Schwarzbrot sehne...

Der nächste Morgen in der Schule ist eine Tortur und ich brauche Tage, bis ich mich wieder einigermaßen an Deutschland gewöhnt habe. Wenn auch nur widerwillig...

Ich brauche wieder Urlaub!!!

Gesamt: 3.020,33km

Tage 37-44 | Übersicht | Tipps