Tag 32: Arzúa - Santiago de Compostela

Nun, es regnet nicht mehr und ich habe gut geschlafen. Endlich mal wieder was Schönes. Ich hole Leonie und André im Hotel ab und wir machen und auf die letzten 52 Kilometer nach Santiago de Compostela. Schon seit gestern umgeben uns hohe Eukalyptuswälder. Diese Bäume sind hier übrigens nicht heimisch - falls man sich fragen sollte, wo denn die Koalas bleiben - und richten einen enormen Schaden an. Sie werden in großer Zahl gepflanzt, weil sie schnell wachsende und damit gute Holzproduzenten sind. Doch der Nachteil: Sie verbrauchen dabei solche Unmengen an Wasser, dass das Ökosystem in dieser Landschaft aus dem Gleichgewicht kommt.

¡Santiago!
¡Santiago!

Kurz hinter dem Flughafen sehen wir sie dann vor uns liegen: Santiago! In der Ferne können wir die Türme der Kathedrale sehen, auf die wir jetzt Kurs nehmen. Erst unterscheidet sich diese Stadt von keiner anderen spanischen. Doch im Zentrum geht es dann los. Überall drängeln sich Unmengen an Pauschaltouristen und die Pilger scheinen nur eine zusätzliche Attraktion zu sein. Neben der Kathedrale wird Dudelsack gespielt. Typisch Spanisch? Nun ja, wohl eher zur Erheiterung der vielen Englischen Touristen. Viele von ihnen laufen mit der Jakobsmuschel herum - das Symbol des Pilgerweges. Früher stand darauf eine immense Strafe, wenn man sie nicht als Pilger getragen hat. Hier kann man sie nun in jedem Souvenirladen kaufen. Von dieser Seite gesehen gefällt mir die Stadt überhaupt nicht.
Letztendlich sind wir dann auf dem großen Platz vor der Kathedrale, wo auch viele Pilger zu sehen sind. Die Kathedrale und die anderen historischen Gebäude sehen von außen echt schön aus. Ganz nett, denke ich mir. Viele Pilger sind überglücklich und fallen sich in die Arme. Für mich war der Weg das Ziel. Übermorgen möchte ich noch zum Cabo Finisterre fahren. Das Kapp, dass die Römer als "Das Ende der Welt" bezeichnet haben.

¡¡¡Geschafft!!!
¡¡¡Geschafft!!!

Hier vor der Kathedrale sehen wir einige bekannte Gesichter wieder. Leute, die wir zwar immer wieder gesehen haben, mit denen wir aber nie ein Wort gewechselt haben. Mit einer Gruppe Spanier sind wir über viele Tage gleichauf gefahren und erst jetzt kommen wir ins Gespräch. Ein Gruppenfoto von uns allen ist schnell gemacht. Es ist echt faszinierend, wie schnell wir jetzt ins Gespräch gekommen sind. Leute, die sich doch eigentlich total fremd waren. Diese (Tor)Tour scheint uns alle verbunden zu haben.

Tortouren verbindet!
Torturen verbindet!

Da bin ich auch gar nicht mal so schlecht gelaunt, wie ich die negativste Nachricht des Tages erhalte. 50% auf Iberia-Flüge gibt's nicht! Die, die mir das erzählt haben, mögen mir wer weiß was erzählt haben. Ein Flug nach Frankfurt kostet mit dem Pilgerrabatt mehr als 600 DM! Später erfahre ich, dass ich mit dem Schülerrabatt von Madrid für nur 300 DM wegkomme. Nachdem ich die Gran Compostela erhalten habe, muss ich erst mal mit der Angestellten im Reisebüro alles samt dem Bus nach Salamanca (nahe Madrid) durchkalkulieren. Insgesamt bezahle ich mit dem Flugzeug weniger, als wenn ich mit dem Bus zurück nach Hamburg gefahren wäre! Noch heute kaufe ich meine Tickets und werde sie bis zu Abfahrt besser als mein Portemonnaie hüten.
Kurz nach der Ankunft habe ich im Pilgerbüro die Urkunde beantragt, die dann sofort ausgestellt wurde. Erst stellt sich das Problem, dass es für meinen Namen keine Lateinische Übersetzung gibt, da er für üblich auf Latein in der Urkunde vermerkt wird. Die Frau hinter dem Tresen sagt mir dann noch, dass ich unter "Grund der Reise: "Freunde Besuchen" etwas Falsches vermerkt hätte. Für den Erhalt der Urkunde müsse ich da "Spirituelles und Religion" stehen haben. Mir rollen fast die Schweißperlen von der Stirn. Sollen dreitausend Kilometer Reise in dieser Hinsicht für Umsonst gewesen sein? Doch letztendlich bekomme ich sie dann doch noch: Die Gran Compostela! Hmm, dumm nur, dass ich darauf nichts lesen kann... Latein...
Wir finden gegen Abend einen schönen Campingplatz von dem man Aussicht auf die Stadt hat. Als Holländer lassen sich Leonie und André das Campen natürlich nicht verbieten! :o)


Heute gefahren: 50,05km
Gesamt: 3.020,33km

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