Tag 28: Mansilla de las Mulas - Astorga

Ich habe mich entschieden, doch noch einen weiteren Tag mit den anderen zu fahren und danach jetztendlich nach Süden abzubiegen. Bis nach Salamanca wären es noch zwei Tage und ich kann mich einfach nicht an die Vorstellung gewöhnen, dass meine Tour schon bald zu ende ist. So sehe ich heute noch die Stadt León.
Zu Beginn halte ich mich näher bei der Gruppe, da der Streckenverlauf über eine stark befahrene Straße recht schwierig ist. So geht es bis León. Nur Frank ist irgendwie nicht zu finden und keiner weiß, wo er ist. Diese Gruppendynamik...

Abschied von Leonie und André
Abschied von Leonie und André

Während die anderen vor der Herberge warten, schlage ich mich durch die kleinen Gassen der Altstadt über komplizierte Wege bis zur Kathedrale durch, um dort nach ihm zu suchen. Zwischendurch entdecke ich sogar einen Fahrradladen. Frank steht tatsächlich vor der Kathedrale und ich fahre wieder zurück, um die anderen durch die Gassen zur Kathedrale zu führen. Davor werde ich wieder mal von einem spanischen TV-Team angesprochen. Die scheinen hier echt überall zu sein und stellen vollkommen sinnlose Fragen. Aber vielleicht sehe nur ich das so, weil ich allgemein eine Abneigung gegen Kamerateams habe.

Interview in León
Interview in León

Zahlreiche weitere Reiseräder vor der Kathedrale
Zahlreiche weitere Reiseräder vor der Kathedrale

Vor der Abfahrt erstehe ich zwei neue Trinklaschen für nur 400 pts. Hinter León fahren wir wieder auf dem Camino, der hier recht steil bergauf führt. Hier gibt es wieder diese Wohnungen, die in einem Hügel eingebaut sind. Man erkennt sie erst dann, wenn man die auf der Graskuppe stehende Fernsehantenne sieht. Bis zum Rio de Órbigo führt der Weg durchgehend leicht bergab und Frank ist nicht mehr zu halten, weil er auf einem Werbeschild gesehen hat, dass es in Astorga - noch gute 30 km entfernt - einen "E.Leclerc" geben soll. Ein französischer Supermarkt, bei dem man seiner Meinung nach die sagenumwobene Côte D'Or - Schokolade kaufen kann. Davon schwärmt er schon seit Tagen. Ähem, ich bin ja auch Schoki-Freak, aber so schlimm ist es nun auch wieder nicht...
Astorga erreiche ich mit Leo zusammen - von den anderen nichts in Sicht. Wo sind die denn schon wieder? Es gibt weit und breit keinen Campingplatz und wenn wir zu spät in der Pilgerherberge sind, wird nichts mehr für uns frei sein. Nach langen Warten fahre ich schon mal zur Herberge um dort nach freien Plätzen zu fragen. Das ganze gestaltet sich schwierig, da sie mir in der Herberge nicht sagen können, ob noch genug Platz für Radfahrer da ist. Schließlich finden wir uns alle wieder und ich bringe die anderen zur Herberge. Plötzlich findet sich doch genügend Platz für uns und wir dürfen unsere Räder im Keller der Schule abstellen.

'Höhlenwohnungen'
"Höhlenwohnungen"

In der Herberge sind zwei Deutsche von der Jakobsgesellschaft aus Deutschland tätig. Die Jakobsgesellschaft versorgt die deutschen Pilgerer schon in Deutschland mit Informationen über den Jakobsweg, bzw. "Camino de Santiago". Wie ich einen von ihnen nach einer Küche frage, erläutert er mir lang und breit warum das nicht möglich wäre. Dann würden jeden Abend alle Radfahrer in die Küche stürzen und die Fußpilger haben so oder so keine Kraft mehr um sich was Ordentliches zu Essen zu machen. Man sieht es auch. Je weiter wir in Richtung Santiago kommen, desto schlimmer sehen manche Fußpilger aus. Viele sieht man in der Herberge nur noch ihre Wunden versorgen - besonders an der Fußsohle.
Das ist das interessante an diesem Weg. Man fährt ein -und denselben Weg, den auch Wanderer auf derselben Länge begehen und merkt als Radfahrer plötzlich: Hey, ich hab's ja noch richtig gut!
Dann erzählt mir seine Kollegin eher beiläufig davon, dass ich nach dem Erhalt der "Gran Compostela" in Santiago 50% auf alle Iberia-Flüge bekommen würde. Damit ist es um mich geschehen! Ich bin total begeistert und entschließe mich letztendlich, wirklich nach Santiago zu fahren! Damit sind alle meine Sorgen über die Rückreise im wahrsten Sinne des Wortes verfolgen. Kein stickiger Bus und auch kein nerviges Umsteigen auf unendlich vielen Bahnhöfen. Einfach gemütlich mit dem Flugzeug nach Hause! Nebenbei spricht mich eine Pilgerin an, die gerade angekommen ist. Sie hätte noch ein Flugticket nach Hamburg, das sie nicht mehr braucht. Doch ich lehne dankbar ab, weil der Rückflug auf ihrem Ticket schon in ein paar Tagen ist. So eilig habe ich es auch wieder nicht nach Hause. Ich rufe schnell Rocío in Salamanca an und teile ihr mit, dass ich einige Tage später ankommen werde. Somit bin ich wohl so etwas wie ein richtiger Pilger. Und irgendwie freue ich mich schon richtig auf Santiago.


Heute gefahren: 80,45km
Gesamt: 2.708,67km

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